DGHO/Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs Keine Hoffnung auf eigene Kinder, weil die Kasse nicht zahlt

Viele Methoden der Krebsbehandlung können zu Unfruchtbarkeit bei Männern und Frauen führen. Gerade für junge Erwachsene oft eine zusätzliche Belastung. In einigen Fällen gäbe es Möglichkeiten des Fruchtbarkeitserhaltes, doch eine Finanzierung durch die gesetzlichen Krankenversicherungen ist nach dem Sozialgesetzbuch V nicht vorgesehen. der 11. Band der Gesundheitspolitischen Schriftreihe der DGHO macht jetzt darauf aufmerksam.

  • Bild 1 von 2
    © Screenshot HCM
    Mit diesem Schreiben wollen die DGHO und die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs auf das Problem der Finanzierung des Fruchtbarkeitserhaltes nach einer Krebstherapie aufmerksam machen.
  • Bild 2 von 2
    © WoGi (stock.adobe.com)
    Oft bleibt der Kinderwunsch für junge Erwachsene nach einer Krebsdiagnose unerfüllt. Weil sie vor der Therapie nicht richtig darüber aufgeklärt wurden, aber auch weil mögliche Optionen zum Fruchtbarkeitserhalt nicht von der Kasse bezahlt bekommen.

„Wir haben das Glück, in einem Land zu leben, in dem durch die Solidarsysteme die notwendigen aufwändigen Therapien für (…) alle Bürger, ohne Ansehen der sozialen Situation, finanziert werden. Es ist jedoch erstaunlich und bestürzend, dass die Folgen der Krebsbehandlung für einen Kernbereich des Lebens der jungen (…) Patienten mit Krebs von unserem Solidarsystem ausgeblendet werden: Der Wunsch des Menschen nach einer Familie mit eigenen Kindern.“ So heißt es im Vorwort des 11. Bandes der Gesundheitspolitischen Schriftreihe der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinischen Onkologie – DGHO e.V. Er wurde in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs erstellt und soll auf genau diese Problemlage aufmerksam machen sowie dazu beitragen, dass diese „diskriminierende Situation“ für junge Krebspatienten verändert wird.

Um die Finanzierung fruchtbarkeitserhaltender Maßnahmen für junge Menschen mit Krebs zu ermöglichen, bedürfte es laut dem Bericht – für den Bereich der GKV – einer Änderung im Satz 5 des § 27 SGB V „Krankenbehandlung“ (Abs. 1). Der bisherige Wortlaut des Gesetzes ist an dieser Stelle:

„Zur Krankenbehandlung gehören auch Leistungen zur Herstellung der Zeugungs- oder Empfängnisfähigkeit, wenn diese Fähigkeit nicht vorhanden war oder durch Krankheit oder wegen einer durch Krankheit erforderlichen Sterilisation verlorengegangen war.“

Demnach wird der Verlust der Fruchtbarkeit oder Zeugungsfähigkeit durchaus als Krankheit anerkannt und die Behandlung finanziert. Allerdings ist es für Menschen mit Krebs nach der Behandlung oft zu spät dafür, die vorsorgenden Maßnahmen zu treffen. Diese Maßnahmen spricht das SGB V nicht ausdrücklich an und die Rechtsprechung der Sozialgerichte will sie laut den Autoren der genannten Publikation nicht als Krankenbehandlung sehen.

Der Wortlaut müsse demnach in der folgenden Weise geändert werden:
„Zur Krankenbehandlung gehören auch Leistungen zur Herstellung oder Bewahrung der Zeugungs- oder Empfängnisfähigkeit, einschließlich der Entnahme, Aufbereitung, Kryokonservierung, Lagerung und späteren Wiederverwendung von weiblichen und männlichen Keimzellen und Keimgewebe für eine natürliche oder künstliche Befruchtung, wenn diese Fähigkeit nicht vorhanden war oder durch Krankheit oder wegen einer durch Krankheit erforderlichen Sterilisation oder anderen erforderlichen Therapie verlorengegangen war oder gefährdet ist.“

Die Patienten reden

Der 62-seitige Band zeigt auf, welche Möglichkeiten des Fruchtbarkeitserhaltes es für Frauen und Männer, die an Krebs erkrankt sind, gibt und welche Kosten dabei jeweils auf die Betroffenen zukommen. Außerdem werden wichtige Quellen erschlossen, die die Rechtslage zur Thematik erläutern. Den vollen Umfang der Sachlage aus Sicht der Betroffenen bietet der Anhang. Er enthält eine ausführliche Sammlung von Stimmen junger Patienten, die die Krebsdiagnose erhalten haben, über ihre Erfahrungen mit dem Thema Fruchtbarkeit unter dem Aspekt ihrer Erkrankung. „Wir glauben, dass eine solche Zusammenstellung von Stimmen bisher einmalig ist und sind davon überzeugt, dass die Stimmen der jungen Erwachsenen in die öffentliche Debatte gehören“, schreiben Prof. Dr. Mathias Freund, Kuratoriumsvorsitzender, und Michael Oldenburg, Vorstand, in ihrer Einführung zum Anhang des Bandes.

Die Schrift inklusive der Stimmen der jungen Menschen können Sie hier kostenlos downloaden.