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Substitutionsgestützte Sozialtherapie Kassen und Sozialhilfeträger sollten zusammenarbeiten

Sozial- oder Soziotherapie finden bisher ohne die Vernetzung von überörtlichen Sozialhilfeträgern, den Krankenkassen und den Trägern der Therapiemaßnahme statt. Das muss sich ändern zum Wohle der Patienten, finden Prof. Dr. David Matusiewicz und Dr. Wolfgang Spellmeyer.

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In der Regel begrenzt sich der Einfluss der Krankenkassen auf die medizinisch somatischen Leistungen. Der Begriff Krankheit ist in der Sozialtherapie bisher ein überwiegend starres biomechanisches Modell. Besser wäre ein prozesshaftes Krankheitsverständnis, das einem biopsychosozialen Modell folgt, da diesem der Gedanke zugrunde liegt, die Ressourcen und die Verantwortlichkeit des Individuums für sein Wohlbefinden und sein Schicksal zu fördern (Spellmeyer 2011). Um zu einen Paradigmenwechsel zu kommen, ist eine Kooperation mit den Krankenkassen unabdingbar. Da Sozialhilfe im Wesentlichen die soziale Integration vorsieht, bleiben bei der Sozialtherapie medizinisch relevante Behandlungsmöglichkeiten dann versagt, wenn nicht die Krankenkassen an dem sozialtherapeutischen Prozess beteiligt werden. Ein biopsychosoziales Krankheitsverständnis von Sozialtherapie ist jedoch ein unabdingbares Therapieverständnis, wenn man das Wohl der Klientel im Auge behält.

Bei der substitutionsgestützten Sozialtherapie gibt es eine Kooperation zwischen dem Gesundheitswesen und dem Maßnahmeträger. Die tägliche Substitution mit einem Drogenersatzstoff erfordert einen hohen Organisations- und Besprechungsgrad zwischen der Vergabepraxis des substituierenden Arztes und der therapeutischen Einrichtung. Der Organisationsgrad verhindert eine Ausweitung dringend benötigter Substitutionsplätze. Darüber hinaus gibt es zwischen Vergabepraxen und therapeutischer Einrichtung viele noch zu klärende inhaltlichen Fragen, wie die gegenseitige Entbindung von Schweigepflicht, Informationen über die Vergabe möglicher weiterer Medikamente und vieles mehr. Bei einer substitutionsgestützten Sozialtherapie i.S.d. § 35 BtMG bekommen Klienten die Kosten für die Substitution, beispielsweise Methadon, über die Krankenkassenleistung ersetzt. Die Kosten für die psychosoziale Therapie übernimmt der überörtliche Träger der Sozialhilfe. Eine darüber hinausgehende Vernetzung beider Kostenträger mit dem Maßnahmeträger gibt es nicht. Eine inhaltliche Beteiligung der Krankenkassen an einer substitutionsgestützten Soziotherapie würde dafür sorgen, dass diese inhaltlich qualifizierter ausgestaltet werden kann. Wie aus der medizinischen Forschung bekannt ist, leiden Angehörige dieser ­Klientel nicht nur an ihrer Sucht, sondern darüber hinaus an einer Vielzahl weiterer somatischer wie auch psychischer Problemlagen. So könnten qualifiziertere Berufsgruppen wie Gesundheits- und Ernährungsberater und ähnliche Berufsgruppen für eine ganzheitlichere Therapiemaßnahme sorgen und mit dazu beitragen, dass therapeutische Ergebnis für die Klientel zu verbessern. Dabei wäre zu prüfen, ob sich durch eine Beteiligung der Krankenkassen an der Therapie nicht langfristig auch die medizinischen ­Risiken vermindern und somit dazu ­beitragen würden, Behandlungskosten zu minimieren.

Zusammenfassend sollte in einer Kommune ein regelmäßig stattfindendes Treffen zwischen Beratungsstellen, Vergabepraxis und Krankenkassenvertretern stattfinden.

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