Gemeinsamer Bundesauschuss Kassen treten bei Anschlussrehabilitation auf die Bremse

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Bei der „prüfungsfreien“ Anschlussrehabilitation haben die Krankenkassen ihren Wunsch-Indikationskatalog durchgesetzt. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisiert, dass Chancen zum Bürokratieabbau vertan werden.

Anschlussrehabilitation
Der Beschluss des G-BA mit den angepassten Regelungen der Rehabilitations-Richtlinie soll frühestens am 1. Juli 2022 in Kraft treten. Bei der Anschlussrehabilitation soll künftig bei bestimmten Krankheitsbildern eine Vorab-Überprüfung der medizinischen Erforderlichkeit durch die gesetzlichen Krankenkassen entfallen. – © j-mel (stock.adobe.com)

Im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) wollten DKG, Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Patientenvertreter die Fallkonstellationen, die für eine direkte Anschlussreha in Frage kommen, an Vorgaben aus der Rentenversicherung anlehnen. Dadurch könnten nach Meinung der DKG erhebliche Vereinfachungen erreicht und Bürokratieabbau im größeren Maße erreicht werden.

70 bis 75 Prozent der Reha-Fälle durch Indikationskatalog abgedeckt

Die Vorschläge der Krankenhäuser und Ärzteschaft fanden in der Sitzung des G-BA jedoch keine Mehrheit. Der GKV-Spitzenverband kann sich mit seiner Ansicht durchsetzen, dass das Ansinnen von DKG und KBV zu weitgehend wäre und die prüfungsfreie Anschlussreha zur Regel machen würde. Der G-BA habe aber keine gesetzliche Kompetenz, das Verfahren der Anschlussrehabilitation vollständig auf die Krankenhäuser zu übertragen. Durch den Indikationskatalog, den der GKV-SV vorschlägt, würden 70 bis 75 Prozent der Reha-Fälle abgedeckt, die heute von der GKV übernommen werden, so der Kassenverband.

Vorabprüfung bei Anschlussrehabilitation entfällt

Bei erheblichen funktionalen Einschränkungen der Patientinnen und Patienten, die bereits vor einer stationären Behandlung bestehen und bei denen der Krankenhausaufenthalt oft mit schweren Verläufen und/oder Komplikationen einhergeht, überprüfen die Krankenkassen künftig nicht mehr, ob eine Anschlussrehabilitation medizinisch erforderlich ist.

Zu den dafür in Frage kommenden Fallkonstellationen gehören z.B. Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufsystems, Krebserkrankungen oder Behandlungen des Bewegungsapparates. Der G-BA kommt mit dem Beschluss, der den Angaben zufolge frühestens am 1. Juli 2022 in Kraft tritt, einem Auftrag aus dem Gesetz zur Stärkung von intensivpflegerischer Versorgung und medizinischer Rehabilitation nach. Danach hat der G-BA die Fälle festzulegen, in denen die Anschlussrehabilitation nach einem Krankenhausaufenthalt direkt von der Klinik eingeleitet werden kann.