Qualitätsmanagement -

Kassen sehen Qualitätsprobleme bei TAVI und Transplantationen

Der GKV-Spitzenverband (GKV-SV) will die Qualität der medizinischen Versorgung weiter vorantreiben. Dringenden Handlungsbedarf sieht der Verband bei Transplantationen und TAVI. Perspektivisch geht es darum, Anreize für mehr Qualität zu setzen.

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Als ein akutes Problem hat der GKV-SV die kathetergestützte Aortenklappentransplantation (TAVI) ausgemacht. Aufgrund der hohen Komplikationsgefahr gibt es den Kassen zufolge einen internationalen wissenschaftlichen Konsens, dass ein solcher Eingriff nicht ohne eine herzchirurgische Fachabteilung im behandelnden Krankenhaus durchgeführt werden soll. Nur so könne rechtzeitig reagiert werden.

Die Bundesärztekammer in der Pflicht

In der Realität gebe es jedoch in Deutschland 17 Kliniken, die rund 400 Patienten jährlich behandelten, ohne dass eine herzchirurgische Fachabteilung vorhanden sei. "Das Beispiel der künstlichen Herzklappen zeigt deutlich, dass wir zwingende Strukturvorgaben brauchen, damit die Krankenhäuser nicht zulasten der Patientensicherheit von wissenschaftlichen Standards abweichen", sagt GKV-SV-Vorstandsvorsitzende Dr. Doris Pfeiffer.

Dr. Bernhard Egger, Leiter der Abteilung Medizin des GKV-SV, kündigt an, sich noch in diesem Jahr im Gemeinsamen Bundesausschuss für eine klare Richtlinienregelung einzusetzen, die für die Kliniken auch verbindlich sein soll. "Das ist deshalb schwierig, weil es bedeutet, dass diese 17 Häuser den Eingriff nicht mehr durchführen dürfen", sagt er. Auf weitere Defizite macht Wulf-Dietrich Leber, Leiter der Abteilung Krankenhaus beim GKV-SV, aufmerksam. Er weist darauf hin, dass es Zentren gibt, die Lebern und Nieren transplantieren, obwohl sie die vorgeschriebenen Mindestmengen "langjährig" unterschreiten. Leber sieht die Bundesärztekammer in der Pflicht. Die müsse dafür sorgen, dass bei Einrichtungen, die die Mindestmengen nicht erfüllen, keine Patienten mehr auf die Warteliste kommen. Grundsätzlich wollen die Kassen in Zukunft Strukturen schaffen, die mehr Anreize für Qualität bieten. Ihren Vorstellungen zufolge könnte es bei bestimmten Eingriffen, bei denen Qualität messbar ist – wie z.B. bei Hüftendoprothesen – eine Umverteilung von Mitteln geben. Die schlechtesten zehn Prozent der Häuser könnten weniger Geld erhalten. Die Mittel sollen stattdessen an die besten zehn Prozent gehen. "Gute Qualität muss sich lohnen, schlechte Qualität darf nicht ohne Konsequenzen bleiben", bringt es Pfeiffer auf den Punkt. Sie fordert "rechtssichere Regelungen und Richtlinien". Die müssten es auch ermöglichen, dass Einrichtungen von der Versorgung ausgeschlossen werden, wenn sie bestimmte Mindeststandards nicht erfüllen. Zur qualitätsorientierten Versorgungssteuerung und -vergütung hatte der Verwaltungsrat des GKV-Spitzenverbandes im September ein Positionspapier beschlossen.

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