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Revolution in der Darmkrebsvorsorge Darmspiegelung "to go" mit Hightech-Kapsel

Eine kleine Kapsel könnte künftig aufwendige Darmspiegelungen ablösen. Eine großangelegte Studie im Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen untersucht die innovative und schonende Alternative der Kapselendoskopie. Die Stuttgarter Forscher starten nun in die Planungsphase.

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Es klingt beinahe wie Science Fiction – der Patient schluckt eine Kapsel, gerade mal so groß wie ein Bonbon. Doch diese Kapsel hat es in sich: LED-Licht, Linse und Bildsensor durchlaufen in zehn Stunden den Magen-Darm-Trakt. Das Ziel: Darmkrebs erkennen, idealerweise bereits im Frühstadium. Auf ihrem Weg schießt die vermeintliche Tablette rund 50.000 Fotos von der Darmschleimhaut. Ein kleiner Datenrekorder, den der Patient am Gürtel trägt, sendet die Aufnahmen an einen Computer, der die Bilder schließlich digital auswertet.

Würden mehr Menschen Darmkrebsvorsorge in Anspruch nehmen, wenn sie wüssten, es gäbe eine Alternative zur Darmspiegelung? Dieser Frage gehen Wissenschaftler am Robert Bosch Centrum für Tumorerkrankungen (RBCT) in Stuttgart in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Dr. Margarete Fischer-Bosch-Instituts für Klinische Pharmakologie und des Deutschen Krebsforschungszentrums nach.

Neue Wege in der Darmkrebsvorsorge

Im März 2020 starten die Vorarbeiten zu einer großangelegten, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Studie, die neue Wege in der Darmkrebsvorsorge untersucht. Es ist die erste Studie dieser Art in Deutschland – und ein Erfolg für das RBCT mit Studienleiter Prof. Dr. med. Jörg G. Albert und seine Partner: Als einziges nicht-universitäres Krankenhaus in Deutschland erhält das Krankenhaus im Rahmen der Initiative der Bundesregierung „ Dekade geben Krebs“ Fördermittel für die Vorbereitung einer praxisverändernden klinischen Studie zur Darmkrebsvorsorge.

Ausgewählte Projekte starten 2020

Im Rahmen der Initiative fördert das BMBF Studien zur Prävention, Diagnose und Therapie von Krebs mit bis zu 62 Millionen Euro. 13 ausgewählte Projekte starten jetzt – unter Einbezug von Patientenvertretern -  in die Planungsphase. Mithilfe der Erkenntnisse können bestehende Therapien verbessert und Nebenwirkungen sowie unnötige Behandlungen vermieden werden.

Hohe Heilungschance: Darmkrebs früh erkennbar

Darmkrebs ist die einzige Krebserkrankung, bei der bereits Vorstufen, Polypen, erkannt werden können. Werden diese frühzeitig entfernt, ist die Gefahr unmittelbar gebannt. Dennoch erkranken in Deutschland immer noch jährlich rund 60.000 Menschen an Darmkrebs. Mittels der sogenannten Kapselendoskopie des RBCT soll jedoch die „Zuhause-Darmspiegelung“ bald Standard werden.

Kapselendoskopie: Schonende Darmspiegelung

Zwar muss der Patient zunächst, wie auch bei der herkömmlichen Darmspiegelung, ein Abführmittel trinken, um den Darm zu reinigen, jedoch ist die Kapselendoskopie wesentlich schonender. Der Patient schluckt die Kapsel in der Hausarztpraxis. Eine Betäubung ist nicht notwendig. Anschließend kann er die Praxis sofort wieder verlassen. Während die Kapsel unbemerkt durch den Körper wandert, kann der Patient seinen Alltagsaktivitäten nachgehen.

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