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Kommunales Krankenhaus geht neue Wege Josef-Hospital Delmenhorst beteiligt Personal wie Gesellschafter

Das Josef-Hospital Delmenhorst beteiligt Beschäftigte nun wie Gesellschafter. Als "nächsten logischen Schritt zum Städtischen Krankenhaus 2.0" betrachten die Verantwortlichen diesen einzigartigen Schritt und erwarten dadurch einen Vorsprung beim Gewinnen von Fachkräften.

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Die Beschäftigten des Josef-Hospitals Delmenhorst (JHD) sollen ab sofort wie Gesellschafter am wirtschaftlichen Erfolg des Stadtkrankenhauses beteiligt werden. Das hat der Rat der Stadt Delmenhorst am 26. März beschlossen. "Unserer Kenntnis nach ist kein anderes kommunales Haus diesen Weg vor uns gegangen", stellt Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Axel Jahnz fest. Schon einmal habe der Stadtrat eine Vorreiterrolle eingenommen, als er sich 2018 für die Rekommunalisierung des sich damals in der Insolvenz befindenden Krankenhauses entschieden habe. Es sei in erster Linie dem Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des JHD zu verdanken, dass sich die finanzielle Situation in den letzten zweieinhalb Jahren so stabilisiert habe. Die Beteiligung der Beschäftigten am wirtschaftlichen Erfolg des JHD sehe er daher in erster Linie als eine Anerkennung dieser Leistung. "Sie ist aber auch der nächste logische Schritt zu einem 'Städtischen Krankenhaus 2.0' - wirtschaftlich stabil, attraktiv und sozial als Arbeitgeber und mit einem eindeutigen Fokus auf der Behandlungsqualität", betont Jahnz.

Über alle Bereiche des Krankenhauses und Berufsgruppen hinweg – Mitarbeitende aus den Servicebereichen, genau wie solche aus der Verwaltung, dem klinikeigenen MVZ, Pflegekräfte sowie Ärztinnen und Ärzte – sollen die Beschäftigten jeweils in gleicher Höhe vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens profitieren. Dabei werden die Beschäftigten nicht tatsächlich selbst Gesellschafter. Vielmehr wird eine Kapitalbeteiligung durch eine Betriebsvereinbarung nachgebildet. Vom Gewinn vor Steuern – also nachdem Abschreibungen und Zinsen abgezogen wurden – sollen die ersten 300.000 Euro vollständig an die Mitarbeitende ausgeschüttet werden. Danach erfolgt eine Staffelung. Maximal können so 750.000 Euro ausgeschüttet werden. Der maximal ausschüttbare Betrag entspräche etwa 1,5 Prozent der Gesamtlohnsumme.

Vorsprung beim Gewinnen von Fachkräften

"Sollte das Krankenhaus jemals veräußert werden – was keinesfalls geplant und derzeit nur theoretisch vorstellbar ist – würden unsere Mitarbeiter, wie Gesellschafter, auch am Veräußerungserlös partizipieren", erklärt Florian Friedel das Besondere an der Betriebsvereinbarung. Ziel sei es, die Identifikation der Beschäftigten mit dem Unternehmen weiter zu stärken. "Das ist ein Differenzierungskriterium, das uns auch bei der Gewinnung von Personal in Zeiten des Fachkräftemangels einen Vorsprung verschaffen wird."

Zwar stehe die Prüfung des Jahresabschlusses noch aus, aller Voraussicht nach habe man im Vorjahr aber erstmals wieder ein ausgeglichenes Jahresergebnis erzielt. 2021 werde wegen der durch die Pandemie bedingten Erlösrückgänge noch einmal ein schwieriges Jahr. "Aber dann möchten wir den Weg der wirtschaftlichen Erholung weiter fortsetzen, so dass wir in den kommenden Jahren Gewinne ausschütten können."

Von der Insolvenz in die schwarzen Zahlen

2017 hat das Krankenhaus noch einen operativen Verlust von mehr als 10 Millionen Euro gemacht und musste Insolvenz anmelden. Dass der Turnaround in so kurzer Zeit gelungen ist, verdanke man auch der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat. Das Gremium habe auch schwierige Entscheidungen wie Stellenabbau und die Gründung einer Service- und MVZ-Gesellschaft mitgetragen. "Uns war bewusst, dass diese Maßnahmen notwendig waren, um das JHD in eine sichere Zukunft zu führen und die Arbeitsplätze langfristig zu erhalten", erklärt die Betriebsratsvorsitzende Mareike Sudbrink. Betriebsrat und Geschäftsführung hätten aber immer deutlich gemacht, dass sie die Lasten, die die Beschäftigten tragen, nach und nach leichter machen werden. Einen solchen Schritt sei man im vergangenen Jahr bereits gegangen, als man vereinbart habe, die Arbeitsbedingungen in den drei Gesellschaften schrittweise wieder aneinander anzugleichen.

Neubau in Planung

Gemeinsam wollen Geschäftsführung und Betriebsrat auch die nächste große Herausforderung, die vor dem JHD liegt, meistern. Seit Anfang des Jahres laufen auf dem Gelände der Klinik an der Wildeshauser Straße die Vorbereitungsmaßnahmen für einen Neubau. "Für die Sicherung der Zukunft des Krankenhauses in kommunaler Trägerschaft ist die Realisierung des Neubaus von zentraler Bedeutung", sagt Friedel. Die Finanzierung des Eigenanteils werde dabei im Wesentlichen aus dem vom Krankenhaus erwirtschafteten Ergebnis geleistet werden müssen. Sudbrink ergänzt: "Hierfür möchten die Beschäftigten weiter ihren Beitrag leisten. Dann ist es aber auch nur konsequent, etwas an die Beschäftigten zurückzugeben, wenn unterm Strich ein Gewinn erwirtschaftet wird."

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