Gebäude&Technik -

St. Franziskus-Stiftung Münster IT im Krankenhausgespräch

Digitalisierung gilt im Gesundheitssektor als Schlüsselfaktor zur Modernisierung der Patientenversorgung. Doch welche konkrete Rolle soll sie spielen, welchen echten Nutzen kann sie bringen? Diese und andere Fragen standen im Mittelpunkt des diesjährigen „Mauritzer Krankenhausgesprächs“ der St. Franziskus-Stiftung Münster.

Themenseite: Digitalisierung

Rund 200 leitende Mitarbeiter aus Kliniken und Einrichtungen zusammen, darunter Chefärzte, Pflegedirektoren, Qualitätsbeauftragte und Geschäftsführer, kamen am 26. September 2018 für das Krankenhausgespräch nach Münster. Sie diskutierten u.a. wie die digitale Informationstechnologie die Arbeit von Ärzten und Pflegenden verändern könnte.

Von Telemedizin bis zu implantierbaren Minilaboren

„Die Digitalisierung druchdringt sämtliche Bereiche der Medizin und hat massive Auswirkungen auf die ärztliche Tätigkeit – Ärzte und Krankenhäuser sollten diesen Prozess aktiv mitgestalten“, sagte Dr . Peter Haas, Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Informatik an der Fachhochschule Dortmund. Laut Haas sind die aktuellen Entwicklungslinien eine weitere Miniaturisierung, ein Leistungszuwachs aller Komponenten sowie Fortschritte der Sensorik. Frühere „Rechenmaschinen“ würden zunehmend zu „Denkmaschinen“. So werde es schon bald eine enge Vernetzung von Einrichtungen, strukturierte Wissensbasen und den Zugriff auf Einrichtungsakten durch Patienten geben.

Mittelfristig, bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts, würden Telemedizin und Telekonsile zur Regel, der Informationsaustausch über Apps an mobilen Endgeräten fest etabliert und der Patient immer mehr zum eigentlichen Akteur im System. Für die Zukunft ab etwa 2030 sagte der Experte implantierbare Minilabore und eine genetische Dispositionsanalyse für Erkrankungen als Standardverfahren voraus. Bei allen Entwicklungen müssten Chancen und Risiken gegeneinander abgewogen werden.

Digitalisierung in der Pflege

Dass es in der Digitalisierung noch Optimierungsbedarf gebe, hob Prof. Dr. Björn Sellemann, Dozent für Nutzerorientierte Gesundheitstelematik und assisitve Technologien an der Fachhochschule Münster. Im jeweiligen Pflege-Setting müssten Informations- und Kommunikationstechnologien „nützlich und gebrauchstauglich“ sein. Die Chancen der Digitalisierung sieht er in der Erleichterung von Arbeitsprozessen, der Verbesserung von Versorgungsqualität und -kontinuität und der Optimierung der Kooperation in interdisziplinären Versorgungsprozessen.

Patienten als eigentliche Akteure

Dass die digitale Medizin die Rolle des Arztes verändern kann, erläuterte Ulrich Schulze Althoff, Chief Digital Officer von Medisana, eines Herstellers von Gesundheitsprodukten für Endverbraucher.

"In vielen Branchen erleben wir zurzeit die Tendenz, Mittelebenen auszuschalten und Leistungen digital direkt anzubieten“, sagte der IT-Experte. Reisebüros, Banken und Versicherungen hätten Büros und Filialen geschlossen und seien online aktiv geworden. Ähnliches gelte für Apotheken. „Man braucht nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass künftig auch medizinische Beratungen oder Diagnosestellungen digital stattfinden können“, unterstrich Schulze Althoff. Von Patienten einfach zu handhabende digitale Technik, etwa zur selbstständigen Anfertigung eines EKGs, werde diese Entwicklung beschleunigen. Das bringe erhebliche Veränderungen für Ärzte und Krankenhäuser mit sich.

Auch in Zukunft wird die IT-Landschaft von Krankenhäusern inklusive neuester Technologien weiter wachsen. Eine zentrale Rolle könnte nach Erkenntnissen des Podiumsgesprächs auch die künstliche Intelligenz spielen, die möglicherweise einen Teil der ärztlichen Tätigkeit übernehmen wird. Dennoch war man sich einig, dass maßgebliche Entscheidungen dem Menschen vorbehalten bleiben müssten und nicht an eine Maschine abgegeben werden dürften.

© hcm-magazin.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen