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Marktorientierung im Gesundheitswesen Ist das überhaupt vertretbar?

Es ist eine triviale Wahrheit, dass alle Güter und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft von den in ihr tätigen Menschen und mit Hilfe des durch sie zur Verfügung gestellten Kapitals erbracht werden. Ein Rückgriff auf sonstige Ressourcen ist nicht denkbar. Wenn die Menge der zur Verfügung stehenden Güter und Dienstleistungen aber endlich ist, bedarf es einer Instanz, die entscheidet, wofür welche Ressourcen eingesetzt werden. Diese Aufgabe hat die Marktorientierung eindeutig nicht. Es ist die originäre Aufgabe der politischen Amtsträger, derartige Entscheidung auf der Basis demokratischer Wahlen zu treffen. Tatsächlich ist es gerade im Gesundheitswesen fraglich, ob diese Amtsträger nicht oft versuchen, genau diese Entscheidung zu umgehen. So fordert der Gesetzgeber in § 12 SGB V, dass den Versicherten alle notwendigen Leistungen zu gewähren sind. Was aber notwendig ist, entscheidet der Gesetzgeber nicht selber, sondern überlässt es einem Gremium, dessen demokratische Kontrolle höchst mittelbar ist.

Marktorientierung kann in diesem Umfeld nur die Aufgabe zukommen, die verschiedenen Ansprüche zu erheben, deutlich zu machen und einander gegenüberzustellen. Erst wenn Bedürfnisse und Leistungsmöglichkeiten gegenübergestellt sind, können zwei Dinge geschehen:

  • Die Betriebswirtschaft kann ihre originäre Aufgabe verrichten und aufzeigen, wie mit den vorhandenen Mitteln der größtmögliche Nutzen für das Gesamtsystem
    geschaffen werden kann, und
  • die politischen Amtsträger können auf der Basis der betriebswirtschaftlichen Erkenntnisse entscheiden, wem welche Ressourcen zukommen sollen.

Fazit

Marktorientierung ist also kein Fremdkörper in einem an moralischen Werten ausgerichteten Gesundheitssystem, sondern Voraussetzung dafür, dass bei den begrenzten Mitteln auch einer reichen Volkswirtschaft die Mittel von den Amtsträgern dorthin geleitet werden können, wo sie nach Auffassung der Mehrheit eingesetzt werden sollen. Marktorientierung ist also nicht der Gegensatz zu moralischem Handeln, sondern seine Voraus­setzung.

Prof. Dr. Hans-Joachim Flocke

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