Internationaler Tag der Pflegenden Investitionen in die Pflege gefordert

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Unter dem Motto „Nurses: A Voice to Lead. In die Pflege investieren – Rechte respektieren für globale Gesundheit“ geht es am 12. Mai 2022 darum, dass Pflege mehr Investitionen braucht, um gute Pflegequalität sicherzustellen. Außerdem soll die wichtige Rolle der Pflegenden im Gesundheitssystem in den Fokus rücken.

Pflege, Internationaler Tag der Pflegenden
Am 12. Mai ist Internationaler Tag der Pflegenden. Investitionen und Rechte stehen 2022 im Fokus. – © tutti_frutti (stock.adobe.com)

„Danke an all die, die in der Pflege zu jederzeit Außerordentliches leisten. Besonders die letzten zwei Jahre haben deutlich gezeigt, dass sie ein unersetzliches Fundament unserer Gesundheitsversorgung sind“, betont Dirk Heidenblut, SPD-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Ausschuss für Gesundheit. „Aber ein Danke alleine reicht nicht. Es muss unser aller Ziel sein, die Arbeitsbedingungen in der Pflege weiter zu verbessern und Pflegekräften die Wertschätzung zu zeigen, die sie verdienen.“ Zudem müsse der Pflege überall dort, wo über Pflege gesprochen wird, eine starke Stimme gegeben werden. Der Internationale Tag der Pflegenden am 12. Mai soll die wichtige Bedeutung der Pflegeberufe für alle Menschen der Welt würdigen.

Pflegende müssen bei Neuausrichtung mitwirken

Das Gesundheitssystem stehe in den nächsten Jahren vor enormen Herausforderungen. Dies betreffe sowohl den Fachkräftemangel, die demografische Entwicklung, die Sicherstellung der pflegerischen Versorgung über alle Sektoren hinweg als auch die Finanzierungssysteme, erklärt Vera Lux, Vorsitzende des Niedersächsischen Pflegerats (NPR). Die aktuelle Situation zeige, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen und eine grundlegende Neuausrichtung notwendig werde. Professionelle Pflege muss daran mitwirken und eine führende Rolle einnehmen„, sagt Lux. Daher sei es notwendig und richtig, einen relevanten Player wie die professionelle Pflege im Gesundheitssystem strukturell und mit Stimmrecht in Gremien zu verankern, ihr mehr Verantwortung und Autonomie zu übertragen. Die Gesellschaft könne es sich nicht mehr leisten, vorhandene Ressourcen und Kompetenzen professioneller Pflege in Bezug auf Versorgung, Steuerung und Übernahme von erweiterten Aufgaben nicht zu nutzen. Aber genau dies erlebten Pflegende immer wieder – so die Erfahrung von Lux. Die Pandemie habe gezeigt, dass Betten und Beatmungsgeräte alleine nicht reichen. „Es ist nun an der Zeit in die Pflege zu investieren„, lautet die Forderung des NPR an die (Landes-)Politik.

Schnelle Umsetzung der Versprechen im Koalitionsvertrag gefordert
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Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR). – © Reiner Freese

Im Koalitionsvertrag der Ampelkoalition stehen viele Vorhaben für die Profession Pflege. Der Deutsche Pflegerat e.V. (DPR) nannte sie „Meilensteine“. Christine Vogler, Präsidentin des DPR, sagt: „Heute, sechs Monate später, herrscht angesichts der Umsetzung des Vertrags große Ernüchterung. Ein Bundesgesundheitsminister, der offensichtlich nur ‚Pandemie‘ kann, schadet der pflegerischen Versorgung nachhaltig. Politisch vergessen sind offensichtlich die im Koalitionsvertrag getätigten Versprechen, die Zuversicht sowie Hoffnung geschürt haben und nun Enttäuschung säen. Wir haben bei der Veröffentlichung des Koalitionsvertrages deutlich gemacht, dass die schnelle Umsetzung guter Arbeitsbedingungen über das Hier und Jetzt der Pflege und über die derzeitige Versorgungssicherheit der Bürgerinnen und Bürger in diesem Land entscheidet, die bereits während der Pandemie sichtbar und spürbar gefährdet wurden. Doch es fehlt wieder einmal mehr die Umsetzung dessen, was versprochen wurde. Der DPR fordert ein partnerschaftliches Umgehen mit der Profession Pflege ein.“

Arbeitsbedingungen in der Krankenpflege verbessern

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) fordert zum Internationalen Tag der Pflegenden, den Fachkräftemangel in Pflegeberufen ganz oben auf die politische Agenda zu setzen. Insbesondere fordert der Verband der Krankenhausträger Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach auf, das Pflegepersonalbemessungsinstrument PPR 2.0 noch vor der Sommerpause als Gesetzentwurf zur Abstimmung vorzulegen und zügig umzusetzen. Dazu erklärt der Vorstandsvorsitzende der DKG, Dr. Gerald Gaß: „Der Personalmangel im Pflegebereich ist eine der zentralen Herausforderungen für die Zukunft. Um diesen Mangel erfolgreich bekämpfen zu können bedarf es konkreter politischer Schritte. Die Politik muss deshalb in einem ersten Schritt unverzüglich die PPR 2.0 einführen, wie es im Koalitionsvertrag vereinbart ist. Denn nur, wenn wir den Pflegepersonalbedarf der einzelnen Standorte kennen, können wir Personal zielgerichtet einsetzen und standortbezogen gezielte Maßnahmen zur Verbesserung der Personalausstattung auf den Weg bringen.“

Aber auch die Krankenhäuser selbst seien aufgefordert alles zu tun, um die Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte kontinuierlich zu verbessern. Es benötigte jetzt konkrete Schritte zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen und Gehältern. Dank und Worte der Wertschätzung seien wichtig, aber nicht ausreichend.

Gute Pflege beginnt mit der Ausbildung

„Während sich die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten Jahren dramatisch erhöhen wird, scheiden viele Pflegekräfte altersbedingt aus dem Beruf aus. Bis 2030 werden nach konservativen Berechnungen 180.000 Pflegekräfte in Deutschland fehlen“, sagt Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa). Wer die pflegerische Versorgung sicherstellen wolle, der müsse ganz vorne ansetzen. „Wir brauchen mehr Pflegepädagoginnen und Pflegepädagogen, um die Ausbildungskapazitäten zu erhöhen“, sagt Meurer. „Pflegekräfte fehlen, weil Pflegepädagoginnen und -pädagogen fehlen.“ Gleichzeitig sei ein Sofortprogramm zur Anwerbung internationaler Pflegefachkräfte und Azubis notwendig. Dazu solle analog zur Blue Card für technische Berufe eine Care Card für Pflegende eingeführt werden, fordert der bpa-Präsident. Damit könnten Anwerbe- und Anerkennungsprozesse deutlich beschleunigt werden. „Wir stehen in einem globalen Wettbewerb um qualifiziertes Personal, der mit Bürokratie und Bedenken nicht zu gewinnen ist.“ Der Mangel an Pflegekräften habe längst spürbare Auswirkungen auf die Versorgung. Viele Pflegeeinrichtungen müssten bereits Anfragen absagen.

Deutsch-Chinesische Gesellschaft für Pflege mit Imagebroschüre
Pflege Broschüre China Deutsch
© DCGP

Zum internationalen Tag der Pflege präsentiert die Deutsch-Chinesische Gesellschaft für Pflege e.V. (DCGP) in Berlin zusammen mit ihren chinesischen Kollegen aus Wuhan, Nanjing, Changsha, Hangzhou ihre erste Imagebroschüre. Im Zeichen der internationalen tiefen Verbundenheit zu den chinesischen Pflegevertreterinnen setzt die DCGP auf ihren Leitgedanken „Wissen auszutauschen und auf Augenhöhe voneinander lernen“. Marie-Luise Müller, Vorsitzende der DCGP und ihre Vorstandskollegin in China, Prof. Wang Hui, Pflegedirektorin des Tongji-Hospitals in Wuhan/Hubei sind überzeugt, dass durch die bisherige 10-jährige Zusammenarbeit ein großer Gewinn für beide Seiten zu verzeichnen ist. So wurde eine Kontinuität der bilateralen Kommunikation schon selbstverständlich, Vielfalt im Bildungsaustausch ist gewachsen und ganz konkret wurden Pflegepraktiken umgesetzt. Hierzu gibt die Imagebroschüre einen Überblick. Hier für den Download klicken.

Digitale Plattform: Nurses for Future

Aquilia Health startet eine internationale Online-Kommunikationsplattform „Nurses for Future“ exklusiv für Pflegekräfte. Ziel dieser kostenfreien multifunktionalen Plattform sei es u.a., das Berufsbild von Pflegekräften nachhaltig zu verbessern und den fachlichen und persönlichen Austausch zwischen Pflegekräften zu fördern. Auf diese Weise könnten sich Pflegekräfte auf der ganzen Welt über ihre alltäglichen Aufgaben austauschen und voneinander lernen. Das Unternehmen erklärt, dass Pflegende international nicht genug vernetzt seien, um Erfahrungen auszutauschen und zu kommunizieren und die pflegerischen Aspekte mitzugestalten – das solle die Plattform ändern. Die Inhalte werden von Pflegekräften gestaltet, die Diskussionen finden innerhalb der Berufsgruppe statt.

„Ich pflege trotzdem“
Walk of Care Pflege
© DBfK Nordwest

Unter dem Motto „Ich pflege trotzdem“ findet der diesjährige Walk of Care des Bremer Pflegestammtischs am 12. Mai 2022 von 15 bis 18 Uhr am Bremer Marktplatz statt. Initiator ist der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest. Pflegende sind aufgerufen, mitzumachen. Weitere Informationen erhalten Interessierte hier.