Medizintechnik -

Interview mit Dr. Svenja Hennigs

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Wie sehen Sie die derzeitige Situation bei der Terminvergabe von CT und MRT Untersuchungen?

Dr. Hennigs: Ich denke, dass die Situation bezüglich der ambulanten Terminvergabe für CT und MRT Untersuchungen insgesamt im ganzen Ruhrgebiet sehr angespannt ist. Die Wartezeit für einen MRT und CT Termin liegt derzeit zwischen drei bis vier Wochen. Dieser Wartestau entsteht im ambulanten Sektor natürlich eher in niedergelassenen radiologischen Praxen. Nicht viele Krankenhäuser nehmen in der radiologischen Abteilung auch ambulante Patienten auf. Dazu ist in den meisten Fällen eine radiologische Praxis im Krankenhaus nötig. Die Zahl an MRT- und CT-Untersuchungen ist in den letzten Jahren extrem gestiegen. Gerade bei einer CT-Untersuchung ist die gefährdende Strahlenbelastung sehr hoch. Demnach sollte jeder hinterfragen, ob direkt ein MRT oder CT gemacht werden sollte. Wir sollten uns bewusst machen, dass wir in Deutschland auch trotz langer Wartezeiten auf einem hohen Niveau angelangt sind.

Haben Sie in der Vergangenheit Prozesse in der Radiologie verändert, um Termine schneller vergeben zu können? Wenn ja, welche?

Dr. Hennigs: Im Bereich der Computertomographie werden wir in der nächsten Zeit ein neues CT Gerät bekommen. Somit haben wir die Chance Wartezeiten zu verringern. Ein weiterer Aspekt ist, dass wir in der Vergangenheit eine Assistenzperson eingestellt haben, die die technischen Assistenzen und die Ärzte im organisatorischen Ablauf unterstützt. Somit wird der ganze Prozess von der Aufnahme bis zur Entlassung beschleunigt, da das Fachpersonal entlastet wird.

In der Kernspintomographie haben wir, um Termine effizienter zu vergeben, eine Spätsprechstunde eingerichtet. Somit ist die Untersuchungszeit über die normale Arbeitszeit hinaus erweitert. Außerdem haben wir den Prozess der Anmeldung verlegt. Vorher haben die MTRAs die Organisation der Anmeldeformalitäten neben der Betreuung des Gerätes und den Patienten als zusätzliche Aufgabe gehabt. Das führt nun die Röntgenanmeldung durch, wodurch die MTRAs entlastet werden.

Wo sehen Sie bestimmte Hindernisse, die eine Prozessoptimierung beeinträchtigen könnte?

Dr. Hennigs: Ein Hindernis sehe ich darin, dass die Mitarbeiter mitgenommen werden müssen. Das heißt es müssen Mitarbeiter gefunden werden, die auch bereit sind abends zu arbeiten oder samstags extra zu kommen. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Strukturen und Rahmenbedingungen im Krankenhaus gegeben sein sollten. Wenn ich bereit bin mehr Patienten zu untersuchen, sollte  für die stationären Patienten einen Hol- und Bringdienst da sein oder ich muss über die Geschäftsebene eine Personaldecke haben, die mir das erlaubt.

Wie sieht in Ihren Augen der Optimalfall aus?

Dr. Hennigs: Ein wichtiges Thema, um sich an ein Optimum anzunähern, ist dass immer jemand da ist. Das bedeutet dass eine Person mit gewisser Intellektualität, in der Funktion eines Gatekeepers, Patienten nach Wichtigkeit und Dringlichkeit einstuft. Somit kann schon in der Vorbereitung geguckt werden, wie die Priorisierung des Patienten ist. Zudem muss der Tagesablauf im MRT und CT gut organisiert und gestrafft sein. Dabei helfen Assistenzpersonen, die einen Patienten durchschleusen.

Möglichkeiten den Prozess zu optimieren, um Wartezeiten bei MRT und CT Untersuchungen zu verringern sind einmal die Verteilung der Untersuchungen zu optimieren, um freie Kapazitäten effizient zu nutzen. Die Ausweitung der Kernarbeitszeit durch eine Spätsprechstunde oder eine Sprechstunde am Wochenende ist die zweite Option, um mehr Untersuchungen durchzuführen. Es können Zeitslots für ambulante und stationäre Patienten gebildet werden, was den gesamten Prozess mehr Struktur verleiht und dadurch der Tagesablauf gestrafft wird. Zusätzlich kann die Terminkommunikation optimiert werden, indem Anmeldeformalitäten ausgelagert werden und die MTRAs und Ärzte mehr Zeit für den Patienten haben. Für immobile stationäre Patienten sollte im besten Fall ein Hol- und Bringdienst verfügbar sein, der die Patienten in den Kernarbeitszeiten zu der Untersuchung bringt. Hilfreich sind die Einstellung einer Assistenzperson und eine Person in der Funktion eines Gatekeepers. Wenn der Prozess nicht mehr optimierbar ist, gibt es die Option ein weiteres Gerät anzuschaffen.

Es ist wichtig, dass derartige Investitionen und Finanzierungskosten mit der Geschäftsführung abgesprochen werden. Ein essentieller Erfolgsfaktor ist zudem die Partizipation der Mitarbeiter.

Die Fragen stellte Pia Scholze.

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