Forschung -

Interessenkonflikte: Ärzte sollen selbst aktiv werden

Dem Thema "Interessenkonflikte in Medizin und Forschung" hat die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) eine Veranstaltung gewidmet. Dort appelliert DKG-Generalsekretär Dr. Johannes Bruns: Die Angelegenheit brauche "eine vernünftige Lösung".

Prof. Klaus Lieb definiert in seinem Vortrag Interessenkonflikte als ein Nebeneinander von primären und sekundären Interessen. Primäres Interesse des Arztes sei das Patientenwohl, sekundäre Interessen könnten beispielsweise materieller Natur sein, erläutert der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz. Dieses Nebeneinander schaffe das Risiko für Verzerrungen. Lieb, der bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft eine Arbeitsgruppe zum Thema leitet, mahnt einen konsequenten Umgang mit dem Problem an. Zunächst müssten ein Bewusstsein geschaffen und Verquickungen offengelegt werden. Doch Lieb zufolge reicht Transparenz allein nicht aus. Interessenkonflikte – beispielsweise bei Autoren von Leitlinien – müssten durch Dritte bewertet werden. Schließlich sollten sie reduziert bzw. adäquate Regelung zum Umgang damit gefunden werden. Insbesondere letzteres sei in der Praxis noch ein Problem, räumt Thomas Langer, bei der DKG für Leitlinien zuständig, ein. "Uns fehlen die Standards zur Bewertung und zum Management von Interessenskonflikten." Bei der Offenlegung hingegen sei man bereits ein gutes Stück vorangekommen.

Lieb appelliert auf der Veranstaltung an die Ärzteschaft, selbst bei dem Thema aktiv zu werden. "Die Ärzte sollten nicht auf der Pharmaindustrie herumhacken, sie müssen das für sich selbst lösen." Als konkretes Beispiel nennt er Fortbildungen, die andere Berufsstände schließlich auch selbst finanzierten.

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