Analyse Intensiv nicht flächendeckend überlastet

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Corona-Pandemie

Die Auswertung von Routinedaten ergibt eine Differenz zwischen der numerischen und empfundenen Situation auf den Intensivstationen während der Pandemie, berichtet Prof. Ralf Kuhlen von der Initiative Qualitätsmedizin auf dem QMR-Kongress.

Intensivauslastung
Prof. Kuhlen von der Initiative für Qualitätsmedizin sprach beim QMR-Kongress über die Lage der Intensivstationen in der Pandemie-Hochphase. – © sudok1 (stock.adobe.com)

Die drohende Überlastung der Intensivstation sei der Grund für alle Corona-Maßnahmen gewesen, jedoch habe es 2021 weder mehr Intensivpatienten noch mehr beatmete Patientinnen und Patienten gegeben, so Kuhlen. Numerisch seien es sogar weniger als im Jahr vor der Pandemie. „Natürlich waren einzelne Krankenhäuser voll und wahrscheinlich sogar übervoll“, aber es habe „keine Belastung eines ganzen Systems vorgelegen“.

Die Zahl der Patientinnen und Patienten sei zwar gesunken, aber dafür habe es mehr schwere Fälle und höhere Sterblichkeit gegeben. „Dann ist die Belastung natürlich eine andere“, räumt Kuhlen ein. Dass so viele Menschen ihren Krankenhausaufenthalt nicht überlebten, habe das Personal teilweise an die Grenzen gebracht. Trotz der schwierigen Organisation in der Pandemie seien die Kliniken in der Lage gewesen, ihre Patientinnen und Patienten so gut wie vorher zu versorgen.

Veränderung in der stationären Versorgung angestoßen

Eine Analyse der Sterbefallzahlen des Statistischen Bundesamtes habe ergeben, dass ab April 2021 die Sterblichkeit für Menschen, die kein Corona hatten, gestiegen sei. Das könne laut Kuhlen bedeuten, „dass die Maßnahmen dazu geführt haben, dass Menschen nicht mehr behandelt worden sind, nicht mehr so schnell behandelt worden sind, nicht mehr so intensiv behandelt worden sind.“ Corona hat bereits Veränderungen in der stationären Versorgung angestoßen, konstatiert Gesundheitsökonom Prof. Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin. Starke Fallzahlrückgänge gebe es bei ambulantisierbaren Operationen und ambulant sensitiven Krankenhausfällen. Kleine Eingriffe an Nase, Mund, Ohr Hals seien beispielsweise zwischen 2019 und 2021 um 48 Prozent gesunken. Gleichzeitig hätten im niedergelassenen Sektor die ambulanten Operationen um vier Prozent zugenommen. Busse sieht „überhaupt keinen Anlass, dass die in den stationären Sektor zurückkommen“.