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Asklepios Klinikum Harburg Innovative Herzinfarkttherapie schont Patienten

Eine neue Behandlung schont Herzinfarkt-Patienten im Vergleich zu einer OP. Dabei werden weder das Brustbein durchtrennt noch ist eine Herz-Lungen-Maschine notwendig. Die Zahl der Zentren, die das spezielle LIVE-Verfahren anbieten, steigt. Jüngstes Beispiel ist das Asklepios Klinikum Harburg.

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Am Asklepios Klinikum Harburg ist vor wenigen Wochen ein neues Verfahren zur Behandlung von Patienten eingeführt worden, die nach einem Herzinfarkt an einer Herzschwäche erkrankt sind. Der erste behandelte Patient, ein 62-jähriger Mann mit Vorderwandinfarkt, konnte nach dem erfolgreich verlaufenen Eingriff das Klinikum bereits nach wenigen Tagen wieder verlassen. Mit dieser neuen Behandlungsoption steht Patienten nun eine im Vergleich zur klassischen Operation deutlich weniger belastende Therapie zur Verfügung.

Herzinfarkttherapie: Ursachen behandeln statt Symptome

„Durch diese Therapie können wir die Herzschwäche ursächlich behandeln und die Probleme, die nach einem Herzinfarkt auftreten, direkt angehen, statt nur die Symptome zu behandeln. Das LIVE-Verfahren (LIVE steht für "Less Invasive Ventricular Enhancement") ist damit eine erweiterte Infarkttherapie: Sie kommt dann zum Einsatz, wenn sich nach der Akutversorgung herausstellt, dass sich das Herz nicht ausreichend von den Infarktschäden erholen kann und es zu einer krankhaften Erweiterung des vernarbten Herzmuskels kommt,“ sagt Prof. Dr. Thorsten Hanke, leitender Oberarzt der Herzchirurgie.

300.000 Herzinfarkte in Deutschland pro Jahr

Jedes Jahr erleiden in Deutschland etwa 300.000 Menschen einen Herzinfarkt. Bei vielen bleibt danach dauerhaft eine Narbe im Herzen zurück, die die Pumpkraft des Organs beeinträchtigen kann. „Bei diesen Patienten vergrößert sich dann mit der Zeit das Herz, und es kommt zu Symptomen wie Kurzatmigkeit und Müdigkeit. Oft verringert sich die körperliche Leistungsfähigkeit so stark, dass die Betroffenen ihren Alltag nicht mehr dauerhaft alleine bestreiten können“, so Hanke.

Durch die LIVE-Therapie (Less Invasive Ventricular Enhancement) mit dem Revivent TC-System wird das vernarbte Gewebe aus der vergrößerten linken Herzkammer ausgeschlossen. Dies erlaubt es dem Herzen, wieder effizienter zu arbeiten. Während des Eingriffs werden Mikroankerpaare implantiert, die das Herz wieder in eine normale Form und Größe bringen. Dadurch steigt die Pumpkraft des Herzens, was nachweislich zu einem verbesserten Blutfluss durch den Körper führt. Im Gegensatz zur herkömmlichen Operation ist keine Durchtrennung des Brustbeins notwendig, und auch der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine ist nicht erforderlich. „Die Behandlung ist so deutlich schonender und die Patienten sind wesentlich schneller wieder auf den Beinen“, erklärt Hanke.

Schleichenden Prozess stoppen

In Hamburg wurde der Eingriff gemeinsam von Hanke und dem interventionell tätigen Kardiologen Dr. Fabian Stahl durchgeführt, der den Patienten in seiner Praxis im Hamburger Norden schon viele Jahre lang betreut. „Solchen Herzinfarktpatienten mit vernarbtem Herzen geht es oft lange Zeit vergleichsweise gut, denn die Verschlechterung der Herzfunktion setzt meist schleichend ein, und die Symptome lassen sich anfangs mit den entsprechenden Herzschwäche-Medikamenten gut in den Griff bekommen. Doch es gibt einen Punkt, an dem Medikamente nicht mehr ausreichen – hier sind die behandelnden Ärzte gefragt, den richtigen Zeitpunkt zu erkennen und zügig zu handeln“, so Stahl. Seine Praxis arbeitet deshalb bereits seit vielen Jahren eng mit den Krankenhäusern der Umgebung zusammen, um Betroffenen schnell die für sie beste Therapie anbieten zu können.

Durchgeführt wird der innovative Eingriff in einem modernen Hybrid-OP, der die Vorteile eines kardiologischen Herzkatheterlabors mit denen eines herzchirurgischen Operationssaals vereint. Für Stahl ist auch gutes Teamwork entscheidend: „Bei der LIVE-Therapie arbeiten immer ein Herzchirurg und ein Kardiologe zusammen, da es sich bei diesem Ansatz um ein kombiniertes Verfahren aus minimalinvasiver Chirurgie und Herzkathetertechnik handelt.“

Hamburg wird Studienzentrum für REVIVE-HF

Zukünftig wird das Team des Asklepios Klinikums Harburg mit seiner Arbeit auch die jüngst gestartete REVIVE-HF-Studie unterstützen, in der die Wirksamkeit der LIVE-Therapie im Vergleich zu einer leitliniengerechten Herzinsuffizienz-Therapie alleine untersucht wird. In die REVIVE-HF-Studie sollen europaweit 180 Patienten aufgenommen werden, wobei 60 Patienten davon nur eine leitliniengerechte Herzinsuffizienz-Therapie erhalten, die weiteren 120 Patienten werden zusätzlich auch mit der LIVE-Therapie behandelt. Beide Behandlungsgruppen werden dann unter anderem im Hinblick auf die Verbesserung der Herzschwächesymptome, der Lebensqualität und der Belastbarkeit verglichen.

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