Versorgungsforschung an der Charité Innovationsfonds unterstützt zehn neue Forschungsvorhaben

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Versorgungsforschung

Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses unterstützt in einer weiteren Förderperiode insgesamt 52 neue Projekte auf dem Gebiet der Versorgungsforschung. Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin koordinieren die neuen Vorhaben.

Versorgungsforschung Charité
Ziel der Plattform – Charité Versorgungsforschung ist es, durch die Vernetzung der interprofessionellen Akteure sowie den systematischen Auf- und Ausbau von Strukturen und Services die Versorgungsforschung an der Charité zu fördern. – © Screenshot HCM/https://versorgungsforschung.charite.de/

Es sind erstmals Projekte unter den neuen Vorhaben, in denen medizinische Leitlinien entwickeltoder weiterentwickelt werden. In einem Verbundprojekt ist die Charité zudem als Partnerinstitution eingebunden. Ziel der Forschung ist es, die Gesundheitsversorgung bundesweit beständig zu verbessernund neuen Gegebenheiten anzupassen.

Projekte fördern mit dem Innovationsfonds

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat den Auftrag, mit Mitteln des Innovationsfonds Projekte zu fördern, die über die bisherige Regelversorgung der gesetzlichen Krankenkassen hinausgehen. Es sollen Impulse gesetzt werden, um die Gesundheitsversorgung gezielt weiterzuentwickeln.

Das sind die neu geförderten Projekte durch den Innovationsfonds unter Leitung der Charité :

  1. ADBoard – Unterstützung von Therapieentscheidungen durch KI in der Tumorkonferenz
  2. BGM4NewWork – Stärkere Prävention in Unternehmen mit räumlichund zeitlich entgrenzten digitalen Arbeitsformen
  3. E=MC² – Telemedizinische Unterstützung bei der Versorgung von Patientinnenund Patienten in dauerhafter Intensivbetreuung (Chronic Critical illness)
  4. iWILL – Evaluation eines digitalen Informationstools zur Steigerung der Impfinzidenz von impfkritischen Personen am Beispiel der Covid-19-Impfung
  5. LTCSurv – Konzertierte Aktion Surveillance in der stationären Langzeitpflege
  6. NODE – Patientennavigation in der deutschen Notfallversorgung
  7. VISIT STROKE – Effektivität telemedizinischer Visiten in der stationären Schlaganfallversorgung
  8. S3-MUM: S3-Leitline „Management der Urethritis bei männlichen Jugendlichenund Erwachsenen“
  9. SJS/ TEN: S3-Leitlinie „Diagnostikund Therapie von Stevens-Johnson-Syndrom/ toxisch epidermaler Nekrolyse“
  10. Leitlinienprojekt LeiSe LebEr

Einblick in den detaillierten Inhalt der einzelnen Projekte in der Versorgungsforschung liefern die folgenden Absätze.

ADBoard – Unterstützung von Therapieentscheidungen durch KI in der Tumorkonferenz

Um Patientinnenund Patienten mit einer Krebserkrankung bestmöglich behandeln zu können, werden die einzelnen Fälle in interdisziplinären Tumorkonferenzen besprochen. Die hierbei genutzte technische Plattform bedarf einer aufwendigen manuellen Eingabe, was zu Verzögerungen in der Behandlung führen kann. Darüber hinaus stehen nicht immer alle für die Tumortherapie notwendigen Informationen rechtzeitigund in ausreichender Qualität zur Verfügung. Ziel des Projektes ist es daher, ein neuartiges System – Therapeutic Assist and Decision Algorithms for Hepatobiliary Tumor Boards (ADBoard) – basierend auf Künstlicher Intelligenz (KI) am Beispiel von Lebertumoren zu erprobenund zu evaluieren. Therapieentscheidungen sollen auf diese Weise weiter verbessertund automatisiert werden. Methoden wie natürliche Sprachverarbeitungund maschinelles Lernen tragen zu einer schnelleren Datenbereitstellung beiund unterstützen die Entscheidungsfindung. Perspektivisch soll das neue System in der klinischen Praxis angewendetund auf andere Tumorarten übertragen werden. Partner des Modellprojekts ist das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).
Projektleitung: Prof. Dr. Johann Pratschke , PD Dr. Christian Benzing , PD Dr. Felix Krenzien, Chirurgische Klinik, Campus Charité Mitteund Campus Virchow-Klinikum.

BGM4NewWork – Stärkere Prävention in Unternehmen mit räumlichund zeitlich entgrenzten digitalen Arbeitsformen

Die Arbeitswelt erlebt durch Digitalisierung, demografischen Wandelund Vernetzung einen tiefgreifenden Wandel. Dazu beigetragen haben nicht zuletzt massive Umstrukturierungen in Unternehmen innerhalb kürzester Zeit während der Covid-19-Pandemie. Digitale, flexibleund agile Arbeitsformen – auch New Work genannt – können Beschäftigte vor gesundheitliche Herausforderungen stellen. Eine nachhaltige Stärkung der Prävention in diesen Arbeitsformen ist damit einhergehend von großer Bedeutung. Forschende der Charité werden nun gesundheitsförderliche Potenziale wie auch die Risikofaktoren der neuen Arbeitsformen gemeinsam mit Digitalisierungsspezialisten, gesetzlichen Krankenversicherungenund Vertreterinnenund Vertretern aus den Bereichen Arbeits-und Gesundheitsschutz, Betrieblicher Gesundheitsförderung, Personal-und Eingliederungsmanagement sowie Organisations-und Unternehmensstruktur wissenschaftlich analysieren. Gemeinsam mit Beschäftigten in New Work-Strukturen, mit Entscheidungsträgern unterschiedlicher Unternehmen sowie Expertinnenund Experten werden passgenaue Angebote für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) im New Work-Kontext entwickelt. Hemmnisseund Motivatoren beim Nutzen solcher Angebote werden reflektiertund eine unmittelbare Umsetzung bei den beteiligten Unternehmen angestrebt. Ziel ist es, Prävention im Kontext von New Work zu stärkenund die Gesundheit von Beschäftigten nachhaltig zu erhaltenund zu fördern.
– Projektleitung: Prof. Dr. Susanne Völter-Mahlknecht, Institut für Arbeitsmedizin, Campus Virchow-Klinikum.

E=MC² – Telemedizinische Unterstützung bei der Versorgung von Patientinnenund Patienten in dauerhafter Intensivbetreuung (Chronic Critical illness)

Ziel des Projektes ist es, die Behandlung von Patientinnenund Patienten, die dauerhaft ambulant beatmet werdenund in einer Beatmungs-Wohngemeinschaft leben, stärker an den Bedürfnissen der Betroffenen auszurichtenund so ihre Lebensqualität zu erhöhen. Dabei soll eine regelmäßige, telemedizinische Visite einen besseren Zugang zu einer Versorgung ermöglichen, die für diese Patientinnenund Patienten relevant ist – gemessen u.a. an Patient-Reported Outcome Measures (PROMs). Eine zur Umsetzung notwendige telemedizinische Infrastruktur konnte im vorausgegangenen Innovationsfondsprojekt ERIC (Enhanced Recovery after Intensive Care) bereits geschaffen werden. Diese ist skalierbarund für den Anwendungsfall geeignet, wie die Anwendung im SAVE-Berlin@Covid-19-Konzept während des Covid-19-Pandemiemanagements in Berlin bereits gezeigt hat. Eine derartige telemedizinische Verknüpfung von Beatmungs-Wohngemeinschaft und Level-1 Intensivmedizin gibt es bislang nicht. Somit schließt das Vorhaben eine Lücke zwischen ambulantemund stationärem Sektor. Ein hochwertiges Studiendesign lässt quantitativeund qualitative Erkenntnisse zu einer besseren Versorgung der dauerhaft beatmeten Patientinnenund Patienten erwarten. Projektpartner sind die Barmer, die Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschungund die Technische Universität Berlin.
– Projektleitung: Prof. Dr. Claudia Spies, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin, Campus Charité Mitteund Campus Virchow-Klinikum.

iWILL – Evaluation eines digitalen Informationstools zur Steigerung der Impfinzidenz von impfkritischen Personen am Beispiel der Covid-19-Impfung

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation wären weltweit jedes Jahr etwa 1,5 Millionen Todesfälle vermeidbar, ließen sich mehr Menschen impfen. Auch im Fall der Covid-Pandemie wird eine Akzeptanz der Impfstoffe entscheidend zur Beherrschbarkeitund einem Ende der Pandemie beitragen. Umfrageergebnisse zeigen jedoch, dass noch immer etwa ein Drittel der Deutschen nicht bereit ist, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen. Studien legen nahe, dass Menschen mit impfskeptischer Haltung ein ausgeprägtes Informationsbedürfnis zu Nutzenund Schaden von Impfungen haben. Dies erfordert einen besonderen Beratungsaufwand seitens der Ärzteschaftund Informationen, die sich zügig an die sich permanent wandelnde wissenschaftliche Datenlage des pandemischen Geschehens anpassen lassen. Digitale Technologien eröffnen solche Möglichkeitenund können Ratsuchenden leicht zugänglich gemacht werden. Die bereits entwickelte onlinebasierte Simulation ExploreVac vermittelt interaktiv am Beispiel Covid-19 den Einfluss einer Impfung auf das pandemische Geschehenund potenzielle Impfnebenwirkungen. Das Tool zeigt Wirkung, wie eine aktuelle Pilotstudie ergeben hat: Etwa 20 Prozent der impfzögerlichenund -kritischen Befragten gaben nach der Beschäftigung mit dem Tool an, eine Covid-19-Impfung nun doch in Erwägung zu ziehen. Eine Folgestudie mit mehr als eintausend impfkritischen Menschen soll zeigen, ob sich die Ergebnisse auf die Praxis übertragen lassen. Sie werden dazu zufällig entweder dem Informationstool ExploreVacoder einem herkömmlichen Beratungsgespräch zugewiesenund zwei Monate später hinsichtlich ihrer tatsächlichen Impfentscheidung verglichen. Im Erfolgsfall ist eine Übernahme in die Regelversorgungund eine Übertragung des Konzepts auf andere Impfszenarien geplant. Als weitere Einrichtungen sind die Ludwig-Maximilians-Universität München, das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz an dem Vorhaben beteiligt.
– Projektleitung: Prof. Dr. Odette Wegwarth, Heisenberg-Professur an der Charité für medizinische Risikokompetenz & evidenzbasiertes Entscheiden.

LTCSurv – Konzertierte Aktion Surveillance in der stationären Langzeitpflege

In Deutschland ist die fortlaufende systematische Sammlungund Bewertung von Gesundheits-und Versorgungsdaten der älteren Bevölkerung unzureichend. Dies trifft im Besonderen auf Menschen in stationären Altenpflegeeinrichtungen zu. Ziel des Projektes (LTCSurv: Long-Term Care Surveillance) ist es, die Qualität der gesundheitlichen Versorgung von Bewohnerinnenund Bewohnern stationärer Pflegeeinrichtungen durch Überprüfen der Umsetzung eines Surveillance-Systems zu verbessernund auch in Krisenzeiten des Gesundheitssystems abzusichern. Die Institute für Medizinische Soziologieund Rehabilitationswissenschaft sowie Allgemeinmedizin der Charité arbeiten hierfür eng mit dem Robert Koch-Institut, der Universität Bremenund Universität Köln, sowie dem Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland zusammen. Anhand ambulanter Abrechnungsdaten soll ein Surveillance-System der Gesundheitund Versorgung von Menschen in stationären Langzeitpflegeeinrichtungen beispielhaft erprobtund zentrale Versorgungs-und Gesundheitsindikatoren im Zeitverlauf sowie im Kontext der Covid-19-Pandemie untersucht werden. Bei Erfolg kann die Einführung eines zuverlässigenund dauerhaften Surveillance-Systems in vollstationären Pflegeeinrichtungen untermauert werden, um begründete richtungsweisende Maßnahmen zur besseren Versorgung vulnerabler Risikogruppen zu steuern.
– Projektleitung: Prof. Dr. Paul Gellert , Institut für Medizinische Soziologieund Rehabilitationswissenschaft, Campus Charité Mitte.

NODE – Patientennavigation in der deutschen Notfallversorgung

Ziel des Projekts ist es, Kooperations-und Navigationsmodelle zwischen kassenärztlichem Bereitschaftsdienstund Notaufnahmen in der Notfallversorgung systematisch zu analysierenund zu evaluieren. Basierend darauf sollen Empfehlungen für zukünftige Organisationsformen entwickelt werden, um möglicherweise nicht dringliche Behandlungen in den Notaufnahmen zu reduzieren. In qualitativen Interviews wird die Perspektive auf verschiedene Modelle von sowohl Patientinnenund Patienten als auch beteiligten Versorgerinnenund Versorgern erfasstund ausgewertet. Quantitative Patientenbefragungenund Sekundärdaten zur Versorgung an verschiedenen Standorten in der Modellregion Berlin fließen in die Analyse ein, um verschiedene Organisationsformen hinsichtlich Effizienz, Zufriedenheit von Patientinnenund Patienten, Behandlungsqualitätund Kosteneffektivität auszuwerten. Gemeinsam mit einem Expertengremium werden aus den Studienergebnissen Handlungsempfehlungen für gesundheitspolitische Entscheidungs-und Kostenträger entwickelt.
Projektleitung: Prof. Dr. Anna Slagman, Notfallmedizinische Versorgungsforschung, Notfall-und Akutmedizin Campus Charité Mitteund Campus Virchow-Klinikum .

VISIT STROKE – Effektivität telemedizinischer Visiten in der stationären Schlaganfallversorgung

Das Projekt VISIT STROKE stellt neurologische Expertise für Patientinnenund Patienten mit Schlaganfall im ländlichen Raum auch jenseits einer Vorstellung in der Notaufnahme zur Verfügung. Schon jetzt erhalten Patientinnenund Patienten mit Schlaganfall in Notaufnahmen weniger besiedelter Regionen eine Einschätzungund Beratung durch Neurologinnenund Neurologen in telemedizinischen Schlaganfall-Netzwerken. Wesentliche Aspekte zur weiteren Diagnostikund Behandlung ergeben sich jedoch häufig erst im Verlauf des stationären Aufenthaltes, sobald entscheidende Untersuchungsergebnisse vorliegen. Auch hier können Neurologinnenund Neurologen mit spezifischen Empfehlungen sowohl den kurzfristigen als auch den weiteren Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Aufgrund fehlender fachärztlicher neurologischer Expertise insbesondere im ländlichen Raum besteht hier jedoch eine Versorgungslücke. In diesem multizentrischen Vorhaben unter der Leitung der Charité mit Beteiligung von vier telemedizinischen Schlaganfallnetzwerkenund einem Einzugsgebiet von acht Bundesländern ( ANNOTeM , FAST , SOS-NET , TEMPiS ) wird untersucht, ob telemedizinische Visiten bei stationär behandelten Patientinnenund Patienten eine gleichwertige Versorgung erlauben wie Visiten von Neurologinnenund Neurologen vor Ort. Ist das der Fall, könnte eine solche Unterstützung auf die stationäre Schlaganfallbehandlung ausgedehnt werden, wenn Fachpersonal vor Ort nicht verfügbar ist.
– Projektleitung:
Dr. Hebun Erdurund Prof. Dr. Heinrich Audebert, Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie, Campus Benjamin Franklin.

Medizinische Leitlinien

S3-MUM: S3-Leitline „Management der Urethritis bei männlichen Jugendlichenund Erwachsenen“

Erreger einer Harnröhrenentzündung,oder auch Urethritis, wie beispielsweise Gonokokken, Chlamydienoder Mykoplasmen, gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Infektionen. Je nach verursachendem Erreger kann es zu unterschiedlichen Symptomen kommen, allerdings lassen sich weder Erreger noch Koinfektionen allein anhand klinischer Merkmale sicher unterscheidenoder ausschließen. In der Praxis ist jedoch im Regelfall, noch vor Erhalt von Laborbefundenund mikrobiologischem Erregernachweis, die Einleitung einer kalkulierten antibiotischen Therapie angezeigt. Bisher vorliegende S2k-Leitlinien werden als Erreger-spezifische Leitlinien der Versorgungsrealität eines symptomorientierten Ansatzes nicht vollständig gerecht. Ziel der zu erstellenden S3-Leitlinie ist daher die Förderung einer integrativen, Erreger-übergreifenden Herangehensweise unter Berücksichtigung der Epidemiologie von Koinfektionen, des Therapieansprechensund der Resistenzlage relevanter bakterieller Erreger. Dies soll der komplexen Versorgungsrealität Rechnung tragenund die Heterogenität der Versorgung sowie Über-, Unter-und Fehlversorgung mit Antibiotika reduzieren.
– Projektleitung: Dr. Ricardo N. Werner , Division of Evidence-based Medicine (dEBM), Klinik für Dermatologie, Venerologieund Allergologie, Campus Charité Mitte .

SJS/ TEN: S3-Leitlinie „Diagnostikund Therapie von Stevens-Johnson-Syndrom/ toxisch epidermaler Nekrolyse“

Das Stevens-Johnson-Syndrom (SJS)und die toxisch epidermale Nekrolyse ( TEN) sind schwere Überempfindlichkeitsreaktionen, bei denen es zur Ablösung der Hautoder Schleimhäute kommt. Fast alle Patientinnenund Patienten leben mit Spätfolgenund einer starken Einschränkung der Lebensqualität. Mit 13 Prozent für SJSund bis 49 Prozent für TEN ist die Sterblichkeitsrate hoch. Bislang gibt es keine Leitlinieund keinen Goldstandard zur Therapie dieser Erkrankung. Antworten auf Schlüsselfragen für die geplante S3-Leitlinie werden unter Berücksichtigung aller relevanten Fachgruppen, in zusätzlichen Patienteninterviewsund basierend auf den häufigsten Beratungsanfragen an das Dokumentationszentrum schwerer Hautreaktionen generiert. Ziele der Leitlinie sind eine Verringerung von Sterblichkeitund Krankheitslast bei Patientinnenund Patienten mit SJS oder TEN u.a. durch Empfehlungen zur frühzeitigen korrekten Diagnosestellung, Entwicklung von Patienten-Pathwaysund Checklisten, Festlegen eines Therapiestandards bei aktuell hoher Variabilität in der Versorgung, Auswahl von Qualitätsindikatorenund Identifikation von Evidenzlücken sowie Forschungsbedarf. Besonders berücksichtigt werden die Aspekte Lebensqualität, Patient-Reported Outcome Measures (PROMs), weitere Erkrankungen, Patientenalter, Geschlecht, Gesundheitskompetenz, privateund soziale Situation der Patientinnenund Patienten sowie die allgemeine Versorgungssituationund medizinische Ressourcenverteilung in Deutschland.
– Projektleitung: Prof. Dr. Alexander Nast , Klinik für Dermatologie, Venerologieund Allergologie, Campus Charité Mitte .

Leitlinienprojekt

LeiSe LebEr (Leitlinien für Seltene Lebererkrankungen), unter Federführung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Ein umfassendes Leitlinienkonzept zur besseren Versorgung von Menschen mit Seltenen Lebererkrankungen soll hierbei entstehen, die therapeutisch anspruchsvolle Zeit des Übergangs von der Kinder- in die Erwachsenenmedizin sowie die Schwangerschaft werden hierbei besonders berücksichtig. Die Koordination des Leitlinienmoduls „Genetische Cholestasesyndrome“ übernehmen Prof. Dr. Philip Bufler , Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Gastroenterologie, Nephrologieund Stoffwechselmedizinund Prof. Dr. Frank Tacke, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hepatologieund Gastroenterologie der Charité .

Projektförderung durch den Innovationsausschuss

Der Gesetzgeber hat zur qualitativen Weiterentwicklung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland einen Innovationsfonds geschaffen. Der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) legt die Schwerpunkteund Kriterien zur Vergabe der Mittel festund entscheidet über die eingegangenen Anträge auf Förderung. Die zur Verfügung stehende Fördersumme betrug zwischen 2016und 2019 jährlich 300 Millionen Euro. Davon waren 225 Millionen Euro für die Förderung neuer Versorgungsformenund 75 Millionen Euro für die Versorgungsforschung vorgesehen. Der Innovationsfonds wird nun mit einer Ausstattung von 200 Millionen Euro pro Jahr bis zum Jahr 2024 fortgeführt, bei einer Weiterentwicklung des Förderverfahrens. Über Förderanträge der neuen Versorgungsformen wird jetzt in einem zweistufigen Auswahlverfahren entschieden. Außerdem wurde ein Verfahren zur Überführung erfolgreicher Ansätze aus Projekten in die Regelversorgung geschaffen. Der Innovationsfonds wird von Mitteln der gesetzlichen Krankenkassen aus dem Gesundheitsfonds getragen.