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Trockene Raumluft In die Wüste geschickt

In modernen, energieeffizienten, luftdichten, mechanisch belüfteten Gebäuden habe die Raumtrockenheit ein vorher nie dagewesenes Ausmaß erreicht, erklärte Dr. Walter Hugentobler vom Institut für Hausarztmedizin an der Universität Zürich auf dem diesjährigen WÜMEK-Kongress.

Topic channels: Einrichtung & Ausstattung und Patientensicherheit

Wenn wir in unseren Gebäuden bei 20 bis 24 Grad Raumtemperatur Luftfeuchtigkeitswerte von 10, 20 oder 30 Prozent messen, entsprechen diese Bedingungen einem kontinentalen Wüstenklima wie in der Sahara oder der Wüste Gobi. Das lässt die Schleimhäute austrocknen und macht sie anfällig für Infektionskrankheiten. Der Selbstreinigungsmechanismus der Nase ist stark abhängig von der Luftfeuchtigkeit. Sinkende Luftfeuchtigkeit lässt die Transportgeschwindigkeit des Schleimes kontinuierlich abnehmen, bis sie schließlich ganz zum Erliegen kommt. Vielfach nicht bekannt ist außerdem: Trockene Luft konserviert Grippe- und Erkältungsviren. Bei einer Luftfeuchtigkeit unter 40 Prozent bleiben diese Krankheitserreger stundenlang infektionsfähig, können eingeatmet und im Gebäude verteilt werden. Hugentobler sieht in der zu trockenen Luft deshalb auch eine wichtige Teilursache für die, trotz intensiver Bemühungen um Unterbindung der Kontaktübertragung, anhaltend häufigen nosokomialen Infektionen. Er zitiert Studien, wonach zehn bis 33 Prozent dieser Infekte auf dem Luftweg übertragen und damit durch die auch in Krankenhäusern anzutreffende Lufttrockenheit begünstigt werden. Dabei stellt uns die Natur bei genügender Luftfeuchtigkeit einen ebenso einfachen wie wirksamen Infektionsschutz zur Verfügung: Eine auch für Menschen komfortable Luftfeuchtigkeit von mehr als 40 Prozent ist für ausgehustete Grippe- und Erkältungsviren und für viele Bakterien innerhalb von Minuten tödlich.

Gebäudeschutz versus Gesundheitsschutz

Der Fachverband Gebäudeklima e.V. setzt sich deshalb für eine Untergrenze der Luftfeuchtigkeit von 40 Prozent ein. Arbeitsmediziner fordern als ideales Raumklima ebenfalls eine relative Feuchte von 40, besser 50 Prozent. In DIN-EN-Normen wird je nach Gebäudekategorie bisher jedoch eine Untergrenze von nur 20 bis 35 Prozent empfohlen. Und selbst diese niedrigen Werte werden im Winter regelmäßig unterschritten, da nur ein kleiner Prozentsatz der öffentlichen Gebäude und praktisch keine Wohngebäude über eine personenabhängig geregelte Belüftung verfügen. „Feuchteeintrag durch Personen und Ablüftung der Innenraumfeuchte beim Ersatz durch extrem trockene, aufgeheizte winterliche Zuluft sollten in energieeffizienten, luftdichten Gebäuden geregelt erfolgen“, fordert Hugentobler.

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Kommentare
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Rüdiger Heß

Trockene Raumluft - In die Wüste geschickt

Es ist erstaunlich, dass mit diesem Wissen aus o.g. dem Artikel dennoch in Krankenhäusern die Befeuchtung ausgeschaltet wird. Argumente die nur auf die Kosten der Befeuchtung (Betrieb, Wartung) ausgelegt sind, werden doch mit Gefährdung der Patientengesundheit "erschlagen" und Argumente wie "Hygienemängel an den Befeuchtern" sind durch ausreichende Wartungsarbeiten behebbar. Steht denn hier der Kostendruck der Gesundheit entgegen ?