Gesundheit -

Lesetipp Impfen – (k)eine Glaubensfrage

Wer sich als Autor mit dem Thema Impfen beschäftigt, betritt ein Minenfeld: Kaum ein Aspekt der medizinischen Versorgung ab dem Babyalter ist dermaßen strittig, ob unter Forschern, Ärzten oder Eltern. Unzählige Bücher beschäftigen sich v.a. mit Zweifeln und Kritik an Wirkstoffen, mit Sinn und Unsinn egal welcher Impfung. Auch David Sievekings Werk „Eingeimpft“ löst unmittelbar nach Erscheinen entsprechende Debatten aus. Doch er stellt klar: Impfungen sind mehr als eine Glaubensfrage – denn sie können, richtig dosiert, sehr wohl wichtig sein.

Aus ursprünglich sehr privaten Gründen wollte David Sieveking in Erfahrung bringen, ob bzw. welche Impfungen für seine Tochter in Frage kämen. Denn seine Lebensgefährtin hatte schlechte Erfahrungen damit gemacht und mochte das gemeinsame Kind nicht um jeden Preis irgendwelchen Nebenwirkungen aussetzen. So begann der bekannte Dokumentarfilmer („Vergiss mein nicht“) zu recherchieren, reiste um die halbe Welt und fand sich plötzlich mitten in Skandalen, Widersprüchen und Zweifeln. Was ihm derzeit den Ruf beschert, Impfkritiker bzw. -gegner zu sein. Doch das wird weder seinem gleichnamigen Film, noch dem Buch gerecht, denn die gut 300 Seiten liefern noch mehr differenzierte Informationen als die Kinodokumentation.

Markt und (Ohn-)Macht

Es geht u.a. um eine Gratwanderung zwischen Markt und (Ohn-)Macht– zwischen einem gigantischen Umsatz, der für Impfstoffe bis zum Jahr 2025 auf bis zu 100 Milliarden Dollar steigen könnte, und Forschungsergebnissen, die nicht bzw. nur pro jeweiliger Lobby und somit letztlich falsch kolportiert werden.

Das reicht vom Hexavac-Impfstoff-Skandal, der offenbar Säuglingstode in Kauf nahm, über zweifelhafte Wirkverstärker wie Aluminiumsalze bis hin zu besserem Wissen, das die WHO anteilig schlicht ignoriert.

Eindeutige Forschungsergebnisse

Beispiel: Die Recherchen des (damals) frisch gebackenen Vaters führten etwa zum dänischen Forscher Prof. Dr. Peter Aaby, der durch innovative Langzeitstudien über 40 Jahre u.a. im westafrikanischen Guinea-Bissau die sogenannten „nicht-spezifischen-Effekte“ von Impfungen belegt.

Lebendimpfstoffe, wie etwa die gegen Masern, helfen demnach der menschlichen Gesundheit insgesamt – nach der Impfung ist man nicht nur gegen Masern, sondern auch gegen ganz andere Infekte besser gerüstet, es kommt offenbar zu einem positiven Trainingseffekt für das Immunsystem. Totimpfstoffe hingegen sorgen für eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit – man ist zwar gegen die Erkrankung, gegen die die Impfung entwickelt wurde, geschützt, handelt sich aber leichter andere Infekte ein als ohne diese Impfung.

Arby kritisiert: Die WHO sei zu sehr auf die Bekämpfung und Ausrottung spezifischer Krankheiten fixiert, statt die Stärkung des Immunsystems im Allgemeinen zu berücksichtigen.

Wie arbeitet die STIKO?

Eine Differenzierung, die aufzeigt, dass es „nur“ ein Pro oder ein Kontra zum Thema gar nicht geben und es somit auch nicht um eine reine Glaubensfrage gehen kann. Eine Frage, die David Sieveking trotzdem direkt bei der Ständigen Impfskommission (STIKO) stellte.

Deren Vorsitzender Dr. Jan Leidel gab zu Protokoll, was spätestens seit der letzten Grippe-Debatte als komplette Manövriermasse prompt wieder im Raum stand: Es sei nicht richtig, dass alles, was zugelassen ist, von der STIKO auch empfohlen werde. Man habe teilweise richtig viel Ärger, weil Dinge nicht oder noch nicht empfohlen werden. Tatsächlich würde die STIKO ihre Empfehlungen nur auf der Grundlage bester wissenschaftlicher Erkenntnisse aussprechen.

Mehr Diskussionen und Studien notwendig

Schnell wird klar: Nicht nur Eltern sind mit der piekenden Nadel oft überfordert, sondern auch viele Ärzte hin und her gerissen. So sticht Sieveking in ein Wespennest, in dem es vor Industrie und Lobbyismus nur so wimmelt. Das ist spannend erzählt und zuweilen – es ist eben auch eine sehr persönliche Betrachtung – sogar komisch bis absurd, wie im Hause Sieveking über Pro und Contra gestritten wird. Was freilich nichts an Fakten u.a. zu eindeutigen Forschungsergebnissen oder zwielichtigen Auskünften ihm gegenüber ändert. Wozu sich jeder Leser seine eigene Meinung bilden kann.

So erhebt das Buch, trotz unzähliger auch neuer Informationen, eben keinen Anspruch als Regelwerk oder verbindliche Handlungsempfehlung. Sieveking zeichnet, reflektiert an den Auswirkungen für seine Familie, die Entwicklung seiner Recherchen nach und verdeutlicht somit nicht zuletzt, warum das Thema so wichtig ist: weil es weiter diskutiert werden muss, mehr fundierte Studien braucht und es deshalb zu einfach ist, nach Schwarz-oder-Weiß-Haltung zu agieren.

HCM-Interview mit David Sieveking

Anlässlich der Veröffentlichungen von Buch und Film sprach HCM mit Sieveking über seine wichtigsten Erkenntnisse zum Thema impfen – lesen Sie dazu das ausführliche Interview.

Zum Buch
Sieveking D. (2018) Eingeimpft. Familie mit Nebenwirkungen. Freiburg/Breisgau: Verlag Herder.

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