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Social Media (Teil 17) Immer wieder Homöopathie

Auf die berechtigte Frage von Oliver Scheele, „Können Sie mir als Versichertem saubere, wissenschaftliche Studien nennen, die die Wirksamkeit von Homöopathie belegen?“, antwortete die Techniker Krankenkasse mitten in der Nacht mit der Gegenfrage: „Können Sie uns saubere, wissenschaftliche Studien nennen, die die Nichtwirksamkeit von Homöopathie belegen?“ Letztere ist natürlich Unsinn, da bei Arzneimitteln eine Bewertung nach evidenzbasierten Kriterien durchgeführt werden muss, also der (Zusatz-)Nutzen nachgewiesen werden muss – und nicht umgekehrt. Die unglückliche Umkehr der Beweislast sorgte bei der Techniker Krankenkasse für einen Sturm der Entrüstung und damit für den Höhepunkt der Diskussion. Allein die Kurznachricht mit der Gegenfrage wurde über 500-mal beantwortet. Die Nutzer reagierten mit lustigen Antworten wie: „Mein Schnupfen war weg, als ich den Goldbarren gekauft habe. Ich schicke die Rechnung oder gibt es da was Wissenschaftliches?“ „Können Sie mir eine wissenschaftliche Studie zeigen, dass keine unsichtbare Teekanne um die Erde kreist?“ Und: „Seit ich mich jeden Abend mit Olivenöl einreibe, habe ich mir noch kein Bein gebrochen. Zahlen Sie mir das Öl?“ Doch auch ernstere Reaktionen wie: „Bewiesen werden muss die Wirksamkeit, nicht umgekehrt. Ihre Forderung ist wissenschaftlich nicht zulässig.“ Und vermehrt: „Vor 30 Jahren entschied ich mich für die Techniker Krankenkasse. Mir kommen heute ernsthafte Zweifel.“ Und: „Möchtet ihr mich als Kunden verlieren? Denn genau so werdet ihr mich als Kunden verlieren.“ Solche und ähnliche Argumente prasselten auf die Kasse ein.

Die Techniker Krankenkasse entschuldigte sich am Morgen für den missglückten Tweet – gefühlt bei jedem Nutzer einzeln – und verwies auf eine wissenschaftliche Studie, an der man seit 2013 mit der Charité in Berlin arbeite. Die Ergebnisse sollen im Jahr 2018 veröffentlicht werden. Darüber hinaus stellte die Krankenkasse eine Sonderseite mit ausführlichen Erläuterungen zum „Streitthema Homöopathie“ online. Inwiefern die bei Twitter und an anderen Stellen angekündigten Krankenkassenwechsel Wirklichkeit werden, lässt sich nur schwer beurteilen. Eine große Abwanderung ist jedoch zu bezweifeln, da zwei Drittel aller gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Behandlung mit ärztlicher Homöopathie erstatten. Wohin also wechseln? Hinzu kommt, dass ein Tweet schnell geschrieben ist, aber beim Kassenwechsel eine sehr große Trägheit besteht.

Die Lehren aus der hitzigen Diskussion

Manchmal hilft es, wenn ein zweites Paar Augen über die Nachricht schaut, v.a. bei kritischen Themen. Nicht jede Diskussion muss auch sofort geführt, nicht jeder Tweet sofort beantwortet werden. Eine gut durchdachte Antwort benötigt ihre Zeit – oder wie die Techniker Krankenkasse einem Nutzer schrieb: „Wir sind zwar 24 Stunden für unsere Versicherten da, aber in diesem Fall wäre Schlafen die bessere Alternative gewesen.“

Im Folgenden lassen wir Cornelia Bajic und Dr. med. Christian W. Lübbers zu Pro und Contra Homöopathie konzentriert zu Wort kommen.

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