Studie Hygiene in der Pandemie

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Sind Krankenhäuser gerüstet? Das war die zentrale Fragestellung des vierten Hygieneradars der Wisag. 158 Fachleute aus Kliniken gaben in der Onlinebefragung, die im Sommer 2020 stattfand, ihre Einschätzungen dazu ab.

Hygienesituation in stationären Einrichtungen während der Corona-Pandemie
Bei der Studie wurde die Hygienesituation in stationären Einrichtungen während der Corona-Pandemie ausgewertet. – © alfa27 (stock.adobe.com)

Die Onlinebefragung für das vierte Hygieneradar fand zwischen Juni und September 2020 statt. Zur Teilnahme eingeladen waren Mitarbeitende klinischer Einrichtungen aus dem gesamten Bundesgebiet. Insgesamt beteiligten sich 158 Personen an der Studie zu aktuellen Hygiene-Herausforderungen im Gesundheitswesen. Die Wisag führte die Onlinebefragung gemeinsam mit dem Hygieneinstitut HYBETA als wissenschaftlichem Partner durch. Themen der Umfrage waren z.B.

  • die personelle und technische Ausstattung in der ersten Corona-Welle,
  • die Beurteilung der Hygiene in der eigenen Einrichtung,
  • das Krisenmanagement von Behörden und Institutionen wie Regierung, Robert Koch-Institut oder Gesundheitsämtern sowie
  • die Vorbereitungen auf die zweite Pandemie-Welle.

Zwei zentrale Erkenntnisse aus dem vierten Hygieneradar der WISAG lauten: Die Hygiene in den Krankenhäusern wurde durch Corona aufgewertet und die Maßnahmen für den Patientenschutz sind nach Einschätzung der Umfrageteilnehmenden besser als die Vorkehrungen zum Personalschutz. Darüber hinaus griff die Studie einen Aspekt auf, der nicht unmittelbar mit Hygiene verbunden ist: Müssen Krankenhäuser vorrangig nach marktwirtschaftlichen Maximen agieren oder muss die optimale Versorgung der Patientinnen und Patienten im Fokus stehen?

Jeder zehnte priorisiert Wirtschaftlichkeit vor Patientenwohl

Bei der Wahl zwischen den Aussagen „Das Gesundheitssystem muss wirtschaftlich arbeiten“ und „Das Gesundheitssystem muss das Patientenwohl priorisieren“, votierten 86,7 Prozent der Befragten für einen höheren Stellenwert des Patientenwohls. Im Umkehrschluss bedeutet das: Für mehr als jeden zehnten Teilnehmenden steht die Wirtschaftlichkeit über dem Patientenwohl. „Corona hat die Diskussion über die Ausrichtung des Gesundheitswesens befeuert“, sagt Matthias Meyer , Vertriebsleiter Gesundheitswesen der Wisag Facility Management Holding GmbH & Co. KG. „Dass die Mehrheit der Studienteilnehmenden das Patientenwohl über die Wirtschaftlichkeit stellt, überrascht nicht. Interessant wird es, wenn man die Ergebnisse nach Trägermodell und Berufsgruppen filtert.“ So ordnen Befragte aus freigemeinnützigen Einrichtungen dem Patientenwohl deutlich häufiger eine höhere Wichtigkeit zu, als es Antwortende aus Kliniken in privater Trägerschaft tun.

Während die ärztliche und technische Leitung sowie das Pflegepersonal mit je 100 Prozent das Patientenwohl priorisieren, schreibt in den Berufsgruppen der Pflegedienstleitung (25 Prozent) und der kaufmännischen Leitung (22,2 Prozent) mehr als jeder fünfte befragte Person der Wirtschaftlichkeit einen höheren Stellenwert zu.

Langfristig mehr Hygiene durch Corona?

Wird sich die Pandemie auch zukünftig auf die Hygiene in Kliniken auswirken? 49,3 Prozent der Befragten sagen „Ja“ und vermuten eine nachhaltige Erhöhung der Hygienestandards.18,8 Prozent gehen nur von kurzfristigen Effekten aus. „Covid-19 hat allen die Wichtigkeit von Hygienemaßnahmen vor Augen geführt. Gerade die Basishygiene hat unserer Erfahrung nach in den Krankenhäusern eine deutliche Aufwertung erfahren“, sagt Dr. Frank Wille , Geschäftsführer des Hygieneinstituts HYBETA,  der die Studie wissenschaftlich begleitet hat. „Mittelfristig wird dies Bestand haben, doch ob das Mehr an Hygiene ein langfristiger Effekt sein wird, bleibt abzuwarten.“

Patientenschutz besser als Personalschutz

Nach Einschätzung der Studienteilnehmenden sind in den Kliniken die Maßnahmen für den Patientenschutz besser als die Vorkehrungen für den Personalschutz. Erstere werden durchschnittlich mit der Schulnote 2,01 bewertet, Letztere erzielen einen Notendurchschnitt von 2,4. Beide Aspekte erhalten somit durchschnittlich die Note „gut“. Auffällig ist jedoch, dass Hygienemanagement, Pflegedienstleitung und Pflegekräfte deutlich kritischere Bewertungen abgeben als Vertretungen anderer Berufsgruppen.

Das ausführliche Exposé mit allen Ergebnissen des Hygieneradars 2020 sowie die Studien der Vorjahre stehen hier zum Download bereit.