Digitalisierung -

Studie Human Augmentation: Wenn der Mensch zum Cyborg wird

Mensch und Technologie verschmelzen zunehmend, v.a. in der Medizin. Eine neue Studie zeigt: Die Mehrheit der Deutschen befürwortet Human Augmentation, also die Verbesserung des Körpers durch Technik. Diese Punkte stehen ganz oben auf der Optimierungs-Wunschliste.

Topic channels: Medizintechnik und Digitalisierung

Technologie-Experimente am eigenen Körper wie in der aktuellen Netflix-Serie "Biohackers", Exoskelette für Fließbandarbeiter und Cyborgs mit Chip-Implantaten im Gehirn zur Selbstoptimierung in digitalen Zeiten? Was nach Zukunftsmusik klingt, ist längst in der Realität angekommen. Eine aktuelle internationale Studie von Cybersicherheitsunternehmen Kaspersky mit dem Titel "The Future of Human Augmentation 2020: Opportunity or Dangerous Dream?", bei der auch 1.000 Verbraucher in Deutschland befragt wurden, zeigt: Nahezu alle (90 Prozent) würden ihren Körper verbessern, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.

Zudem bestätigen fast zwei Drittel (65 Prozent), dass sie ebenfalls dazu bereit wären, sich persönlich mit Hilfe von Human Augmentation (auch als Human Enhancement bekannt) weiter zu entwickeln - entweder dauerhaft oder vorübergehend. Ganz oben auf der Optimierungs-Wunschliste der Augmentation-Befürworter in Deutschland stehen:

  • die Verbesserung der allgemeinen körperlichen Gesundheit (47 Prozent),
  • ein besseres Sehvermögen (34 Prozent),
  • mehr Kraft (31 Prozent) sowie
  • ein attraktiverer Körper (29 Prozent).

Einige Zweifel bleiben jedoch unter den Befragten bestehen: Der Großteil schätzt, dass sich Human-Augmentation-Technologie nur Wohlhabende werden leisten können (81 Prozent), während fast neun von zehn (87 Prozent) die Sorge haben, ihr smarter werdender Körper könnte zum Hacking-Ziel für Cyberkriminelle werden.

Wer trägt die Verantwortung?

Einig sind sich die Befragten in Bezug auf Human Augmentation für militärische Zwecke: 60 Prozent sprechen sich dagegen aus. Interessant: Lediglich 64 Prozent der befragten Deutschen sind der Meinung, dass die Menschen selber entscheiden sollten, in welcher Form sie ihren Körper durch Human Augmentation verbessern. Ein Drittel (37 Prozent) sieht die Verantwortung zur Regulierung beim Staat (37 Prozent). Hier ist auch der internationale Vergleich interessant: So befürworten Briten ein Eingreifen der Regierung am stärksten (77 Prozent), Griechen am wenigsten (17 Prozent). Die befragten Bundesbürger sorgen sich v.a. aber um die Abhängigkeit von Technologie-Unternehmen: 86 Prozent fürchten, dass ausschließlich Privatfirmen Human Augmentation-Technologie kontrollieren könnten.

Trend: Mensch und Technologie verschmelzen

Das früher der Science-Fiction vorbehaltene Konzept menschlicher Augmentation - die Neuerschaffung oder Steigerung körperlicher und geistiger Fähigkeiten - hat in jüngster Zeit an Bedeutung gewonnen, da digitale Technologien ein immer wichtigerer Teil unseres täglichen Lebens geworden ist. Das zeigt z.B. Elon Musk mit "Neuralink", einem Hirnimplantat das Querschnittsgelähmten helfen soll.

"Human Augmentation ist heute einer der bedeutendsten Technologietrends", weiß Marco Preuss, Leiter des Forschungs- und Analyseteams von Kaspersky in Europa. "Wir sehen bereits eine Vielzahl praktischer Anwendungen, die in den alltäglichen Bereichen unseres Lebens wie Gesundheits- und Sozialwesen, Sport, Bildung und Verkehr eingesetzt werden. Exoskelette für Feuerwehr und Rettungsdienste oder Bioprinting von Organen sind einige Beispiele dafür. Doch viele Menschen sind zu Recht misstrauisch. Augmentation-Fans testen bereits die Grenzen des Möglichen, doch wir brauchen gemeinsam vereinbarte Standards, um sicherzustellen, dass Human Augmentation sein volles Potenzial entfaltet und gleichzeitig die Risiken hinsichtlich Datenschutz und Cybersicherheit minimiert werden."

Potenzial verantwortungsvoll nutzen

Trotz der Risiken würden ein Drittel (34 Prozent) der befragten Frauen in Deutschland und ein Fünftel (23 Prozent) der Männer Human Augmentation nutzen, um einen attraktiveren Körper zu haben, während hinsichtlich eines verbesserten Sehvermögens (Frauen: 35 Prozent, Männer: 33 Prozent) oder mehr Muskelkraft (Frauen: 47 Prozent, Männer: 46 Prozent) keine großen Unterschiede bestehen.

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