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JR-OP-Personalstudie Hilferuf aus dem OP

Die JR OP-Personalstudie soll die unzugängliche „Black Box“ OP darstellen und aufzeigen, mit welchen Arbeitsbedingungen OP-Kräfte zu kämpfen haben und wie sie zu motivieren und zu halten wären. Zudem soll die Studie Lösungsansätze liefern.

„Patienten wissen in der Regel nichts über die wirklichen Arbeitsbedingungen im OP und haben eher Vorstellungen, die durch Fernsehserien wie Emergency Room und Grey’s Anatomy geprägt sind. Die Realität sieht aber ganz anders aus. Das Einzige, was ein Patient noch im Kopf hat und was nach der OP wichtig ist, dass er schnell gesund wird und v.a., dass das Essen schmeckt oder geschmeckt hat. Das Thema OP blendet er aus. Aber was ist, wenn er aufgrund von fehlendem Personal lange auf seine OP warten musste? Wie geht er damit um, dass Sprachbarrieren unter Umständen zu einem hohen Risiko im OP führen? Oder damit, dass Hygieneregeln nicht mehr nach festgelegten Kriterien umgesetzt werden? All das bekommt der Patient im OP nicht mit, kann aber für ihn fatale Folgen haben. Für die Patienten ist es unter normalen Umständen leider nicht möglich, einmal die Seiten zu wechseln und das Ganze aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, aber Budget- und Personalentscheider in Kliniken wären gut beraten, selbst einmal den OP-Kittel anzuziehen und sich ihr eigenes Bild von der Situation und den Abläufen im OP zu machen. Nur so entsteht ein gegenseitiges und ganzheitliches Verständnis, um die richtigen Zukunftsentscheidungen zu treffen“, erklärt Josephine Ruppert zur momentanen Lage in den OP-Sälen. Die kürzlich erschienene JR OP-Personalstudie zeigt die Ergebnisse einer Umfrage unter 1.156 OP-Fachkräften zur Arbeitssituation im OP. Durchgeführt wurde sie von Ruppert, Gründerin der Firma JR OP-TIMIERT, deren vier Unternehmensteile JR OP-Sets, JR OP-Consulting, JR OP-Akademie und JR OP-Personal auf die Prozessoptimierung im OP-Bereich spezialisiert sind und die daher die Probleme in diesem Bereich sehr genau kennt.

Auch im OP fehlt es an Personal

Als einer der Hauptgründe für ihre steigende Arbeitsbelastung nannten die OP-Fachkräfte in der Befragung den vorherrschenden Personalmangel. 98 Prozent der Befragten gaben an, dass in ihren OPs Personalmangel herrscht. „68 Prozent der OP-Kräfte verbringen mindestens 30 Prozent ihrer Arbeitszeit mit administrativen Tätigkeiten. In dieser Degradierung von der Fachkraft zum ‚Mädchen für alles‘ liegt der wichtigste Ansatzpunkt, um ökonomisch zu wirtschaften und die Arbeitssituation im OP für alle Angestellten zu verbessern“, erklärt Ruppert.

Verringerung der Operationszeiten gefährdet die Sicherheit

Die Studienergebnisse sollen außerdem zeigen, dass allein das Bereitstellen, Auspacken, Erfassen und Zuordnen von Materialien regelmäßig mehr Zeit in Anspruch nimmt, als es sollte. Diese Nebenaufgaben rauben Zeit, welche zum eigentlichen Operieren fehlt, wodurch womöglich auch die Patientensicherheit gefährdet wird. Und diese gefährliche Entwicklung stehe erst am Anfang, denn 80 Prozent der befragten OP-Kräfte prognostizieren, dass der Aufwand für administrative Tätigkeiten in Zukunft sogar noch steigen wird. „Kliniken kämpfen um Verbesserung, doch es wird Jahre dauern, bis dieser Missstand behoben ist, denn Signale, die seit Jahren vorherrschen, wurden und werden nach wie vor ignoriert. Es ist mittlerweile zu spät, um kurzfristig diese Zustände zu beheben“, kommentiert Ruppert die Situation.
Die Gründe hierfür würden zum einen in den stetig steigenden Dokumentationspflichten zur Beweisführung gesehen, die zudem oft mit veralteten Betriebssystemen und Programmen durchgeführt werden müssen. Zum anderen werden die Eingriffe und neue Techniken immer komplizierter. Das führe dazu, dass die Administration in den Feierabend verlagert werde, weil sie in der normalen Arbeitszeit nicht mehr zu bewältigen ist, also in genau jene Zeit, die dringend zur Erholung und Regeneration benötigt wird. Diese permanente Überlastung führt laut Ruppert zu zahlreichen Symptomen, welche vom Volksmund gerne als Burn-Out bezeichnet werden. Für großes Unverständnis sorge deshalb bei vielen der Befragten der Bau von zusätzlichen Operationssälen trotz Personalmangels und steigenden Fallzahlen bei gleichbleibendem Personalschlüssel.

Die Studie zeichne hier ein einheitliches Bild: Die Personaldecke im OP dünnt sich immer weiter aus. Die wenigen verbleibenden OP-Kräfte müssen immer mehr Leistung erbringen und Zusatzarbeiten übernehmen, v.a. in der Administration. Gut ausgebildete Fachkräfte werden zudem mit Zusatzaufgaben wie Putz- und Lagerarbeiten extra belastet. Da auch die Ärzte überlastet seien, gäben diese häufig einen Teil ihrer Aufgaben an das OP-Personal ab, wie zahlreiche Befragte in der Studie berichtet haben sollen.

Originalzitate von OP-Mitarbeitern

„Krankenhäuser werden heute, auch geschuldet den Rahmenbedingungen unseres Gesundheitssystems, wie Wirtschaftsbetriebe geführt, die Geld verdienen müssen. Die Politik hat aber verkannt, dass Krankenhäuser ohne Hilfe nicht vom Wohlfahrtsverband zum Wirtschaftsunternehmen werden können. Die fehlenden Strukturen, die von einander unabhängig agierenden Abteilungen und das mangelnde Management treiben die Kliniken mehr und mehr in die roten Zahlen! Wenn das Wissen und die Transparenz des täglichen Tuns vorhanden wären, würden sich viele Missstände mit Sicherheit auch aufzeigen und eliminieren“, sagt Ruppert.
Es stelle sich deshalb die Frage, ob und wie Gewinnstreben einerseits und im Notfall die Rettung von Menschenleben andererseits überhaupt zusammenpassen. Dazu einige Kommentare und Originalzitate von Befragten aus der Studie:
  • „In der Rangfolge dürfen die Kosten nicht über dem Wohlergehen des Patienten liegen! Der Patient legt uns sein Leben in die Hand und um nichts anderes sollte man sich in diesem Beruf mehr kümmern.“
  • „Die Zahlen sollen gebracht werden, aber Qualität, Ausbildung und Fachkenntnisse werden vernachlässigt.“
  • „Es geht nur um Einsparungen. Es ist egal, wie sehr man sich anstrengt und wie wirtschaftlich man arbeitet. Man nimmt einem alles weg, was etwas kostet und achtet nur auf die Ausgaben, ganz gleich ob die Patientenversorgung darunter leidet.“
  • „Ich möchte nicht, dass mein Klinikum Minuszahlen schreibt. Doch strebe ich nicht die nächstgrößte Rendite an, da meiner Meinung nach ein Krankenhaus nicht, so wie es offiziell ist, ein Wirtschaftsunternehmen ist, sondern eher ein Beitrag zur Gemeinschafft.“
Die Antworten der Studie lassen laut Ruppert erkennen, dass den OP-Kräften der herrschende Kostendruck zwar größtenteils bewusst ist, aber dass dieser trotzdem auf keinen Fall zu Lasten der Patientensicherheit gehen darf, egal was es kostet. Zudem befürchten viele der befragten OP-Kräfte, dass die Sicherheitsstandards durch Sparmaßnahmen in Zukunft noch weiter sinken werden.

Motivation durch Transparenz und Mitbestimmungsrecht

Mehr Personal, bessere Prozesse und moderne Arbeitsmittel – würde man die Wünsche der OP-Kräfte auf diese simple Formel zusammenfassen, ließe man einen ganz wichtigen Punkt, der in jedem Arbeitsalltag eine Rolle spielt, außer Acht: die Motivation. Denn als Quelle für zahlreiche Probleme bei der Patientenversorgung seien insbesondere fehlende Motivation und das Fehlen von Anreizen, um erfahrenes Personal zu halten, von den Befragten kritisiert wurden. Weiterhin sollen sich die OP-Kräfte über den zu frühen Einsatz von Auszubildenden als vollwertige Arbeitskräfte, die vernachlässigte Qualität an Ausbildung, Fachkenntnissen und Zeit für die geforderte Weiterbildung, die fehlende Spezialisierung bei zu vielen Fachbereichen und das 24-Stunden-Arbeiten im Bereitschaftsdienst durch zu wenig Personal beklagt haben.
Information und Transparenz fördern das Verständnis, jedoch haben OP-Kräfte kaum Einfluss auf ihren Arbeitsplatz. Nur neun Prozent haben laut Umfrageergebnisse vollkommen oder zumindest meistens die Möglichkeit, auf Prozess- und Organisationsentscheidungen im OP Einfluss zu nehmen. Die Mehrheit muss mit den Vorgaben zurechtkommen, die häufig jenseits des OPs von Entscheidern am Schreibtisch getroffen werden. Ohne Erläuterungen seien innere Kündigungen die Folge, wie die offenen Kommentare der Studie belegen.
Ohne Transparenz und Mitbestimmung fühlten viele OP-Kräfte eine Kultur des Misstrauens an ihrem Arbeitsplatz; sie haben Angst vor Überforderung, Schuldzuweisungen und totaler Kontrolle. „Solche Befürchtungen sind menschlich. Vor diesem Hintergrund ist es laut Ruppert verständlich, dass derzeit nur 36 Prozent der befragten OP-Kräfte für Hilfe durch externe Berater offen sind. Entscheidend ist es daher, Veränderungen im OP so zu dosieren, dass sie machbar sind und gemeinsame Etappenziele erreicht werden können.

Weitere Informationen zur Studie erhalten Sie über www.jr-optimiert.de

Die Studie können Sie sich in Downloadbereich zum Beitrag kostenlos herunterladen.

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