Neues aus der Kardiologie Herzschwäche wird nicht immer leitliniengerecht behandelt

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Leitlinien

Patienten mit Herzinsuffizienz werden in Deutschland nicht immer nach der Leitlinie zur optimalen medikamentösen Behandlung therapiert. Das zeigen die deutschen Daten der EuroAspire IV Studie, die auf dem Europäischen Kardiologiekongress in Rom vorgestellt wurden.

Ärzte behandeln Patienten mit Herzinsuffizienz nicht immer leitliniengerecht. Das könnte auf zwei Wegen geändert werden. – © Gina Sanders (Fotolia.com)

Die von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) initiierte Erhebung EuroAspire IV untersuchte die Umsetzung der Leitlinien zur Sekundärprävention der koronaren Herzerkrankung in 24 europäischen Ländern. Für die deutsche Stichprobe wurden 2012 und 2013 insgesamt 536 Patienten untersucht, die in den vorangegangenen drei Jahren wegen eines kardiovaskulären Ereignisses stationär behandelt worden waren. Neben dem Vorliegen oder dem jeweiligen Stadium einer Herzinsuffizienz wurde auch die Konformität der Therapie mit der ESC-Leitlinie erhoben. Das Ergebnis: 44 Prozent der Patienten weisen eine symptomatische Herzschwäche auf. Immerhin 87,4 Prozent mit einer solchen Herzinsuffizienz erhielten eine leitliniengerechte medikamentöse Therapie – allerdings mit deutlichen Unterschieden. Patienten mit einer eingeschränkten linksventrikulären Pumpfunktion (LVEF) von weniger als 40 Prozent erhielten seltener eine leitliniengerechte Behandlung (71 Prozent) als jene mit einer LVEF von mehr als 40 Prozent (91 Prozent). Verantwortlich dafür sei v.a. die geringe Verordnungshäufigkeit von Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten (MRA), die zusätzlich zu herkömmlichen Diuretika zur Entwässerung beitragen würden, heißt es zur Begründung in der Pressemitteilung.

Zwei Verbesserungsansätze denkbar

„Wir konnten zwei wichtige Ansatzpunkte für eine Verbesserung der Leitlinien-Implementierung identifizieren“, sagt Dr. Caroline Morbach vom Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz der Universität Würzburg. „Zum einen eine intensivere Aufklärung der Patienten über Diagnose und Bedeutung der Herzinsuffizienz, zum anderen eine flächendeckende Information u.a. über die Bedeutung von Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten als zusätzliche entwässernde Medikamente für die Prognose, um die Verschreibungshäufigkeit zu erhöhen“, fasst Morbach die Ergebnisse der Erhebung zusammen.