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4. Heidelberger Forum Gesundheitsversorgung Gesundheit und Pflege nachhaltig neu gestalten

Wie kann eine vernetzte, integrierte, durchlässige und konsequent patientenorientierte Versorgung mehr zur Regel werden als bisher? Diese Frage war Diskussionsgrundlage beim jüngsten digitalen Heidelberger Forum Gesundheitsversorgung.

Themenseite: Digitalisierung

Anders als patientenzentriert und integrativ zu behandeln, dürfe sich nicht lohnen, lautet eine zentrale Aussage des Kongresses, der am 25. Februar 2021 erstmals rein digital stattfand. Dazu bedürfe es aber zielgerichteter, handfester Anreize. Patientinnen und Patienten seien eher Subjekte dieses Prozesses. Integrative Gestaltung fände nur vereinzelt statt. Im Vordergrund stehen kurative und stationäre Versorgung. Prävention, Rehabilitation und Pflege stehen relativ daneben.

Der Arzt und Naturwissenschaftler Dr. Dr. Klaus Piwernetz stellte das Konzept eines bedarfsorientierten Regelsystems mit Zielen vor, die in der Versorgung vor Ort indikations-, patientenorientiert und evidenzbasiert mit einer Pflicht zur Gesundheitsberichterstattung erreicht werden sollen. Anreize für segmentierte Versorgungen sollten entfallen und durch ein Anreizsystem für qualitativ gute Ergebnisse ersetzt werden. Nur eine integrative Versorgung sei zeitgemäß.

Ausbildung und Patienten einbeziehen

Die Ausbildung in die Versorgung einzubeziehen ist für Prof. Dr. Jana Jünger vom Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP Mainz) eine Notwendigkeit. Gemeinsame Patientenversorgung brauche interprofessionelle Ausbildung und eine Aufhebung der Trennung von Ausbildung und Versorgung. Zudem würden stärkere Rückkopplungssysteme benötig und Laborsituationen, um Dinge auch auszuprobieren, bevor sie Gesetztes- oder Verordnungskraft erlangen würden.

Die Erfahrungen mit patientenorientierten Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung im von der Robert Bosch Stiftung geförderten Projekt PORT, zeigten nach Auffassung von Dr. Bernadette Klapper, Bereichsleiterin Gesundheit der Robert Bosch Stiftung, die Notwendigkeit der Schaffung von Gesundheitskompetenz bei Patientinnen und Patienten.

Krankenkassen setzen auf Transparenz und Vernetzung

Auch aus Sicht eines kundenorientierten Krankenkassenunternehmens komme es auf den Treiber Transparenz und Vernetzung an, sagt Dr. Gertrud Demmler, Vorständin der Siemens Betriebskrankenkasse aus München. Erst dann wird integrierte Versorgung vorankommen und die würde nur kunden- und patientenorientiert, nicht systemisch orientiert funktionieren. Es bedarf immer der Betroffenenperspektive.

Qualitäts-Relaunch notwendig

„Es wird höchste Zeit, die gesundheitliche Versorgung einem Qualitäts-Relaunch zu unterziehen“, fordert Prof. Dr. David Matusiewicz, Dekan für Gesundheit und Soziales an der FOM Hochschule. „Was wir brauchen – dass lehrt nicht zuletzt auch die Corona-Krise – ist eine regelhafte digitalisierte Versorgung, bei der Innovationen und digitale Anwendungen nachhaltig zum Einsatz kommen.“

So lautet das Fazit des 4. Heidelberger Gesundheitsforums: Die Zukunft von Gesundheit und Pflege muss regional vernetzt und konsequent patientenorientiert aufgestellt werden. In der Forschung, der Ausbildung, bei der Patientenversorgung, der Nachsorge und nicht zuletzt bei den Krankenkassen müssen alle an einem Strang ziehen.

Die Digital-Veranstaltung wurde aufgezeichnet. In der medhochzwei Online-Akademie sind die Videos abrufbar.

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