Weichen stellen Hauptstadtkongress 2022: Raum für Diskussionen, neue Wege und Konzepte

Zugehörige Themenseiten:
Integrierte Versorgung & Transsektorale Zusammenarbeit

Beim Hauptstadtkongress 2022 in Berlin ging es vom 22. bis zum 24. Juni in kritischen Diskursen und politischen Debatten um gemeinsame Visionen und konkrete Schritte für die Zukunft des Gesundheitswesens. Der traditionelle Branchentreff stand dabei auch im Zeichen des Wandels: Ekkernkamp und Lohmann verabschiedeten sich aus der wissenschaftlichen Leitung.

Hauptstadtkongress 2022 Wissenschaftliche Leitung
Altes und neues Team: Der Hauptstadtkongress stellt sich weiter neu auf. Prof. Axel Ekkernkamp und Prof. Heinz Lohmann verabschiedeten sich aus der wissenschaftlichen Leitung. Ihre Nachfolge treten an: Dr. Iris Hauth, Ärztliche Direktorin Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee (4. von links), und Dr. Matthias Bracht, Geschäftsführer Medizin der Klinikum Region Hannover GmbH (2. von rechts). Neu mit an Bord ist Prof. Dr. Jens Scholz (4. von rechts), Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Kiel und Lübeck. Er wird sich für das Thema „Spitzenmedizin“ im Programm des Hauptstadtkongresses 2023 verantwortlich zeichnen. – © HCM

„Es gibt drei Krisen, die wir aktuell zu bewältigen haben: Corona, Krieg und Klimawandel“, sagte Prof. Dr. Karl Max Einhäupl auf der Eröffnungsveranstaltung des Hauptstadtkongress 2022, bei der es um Krisenmanagement als Leitthema ging. Daher brauche es für die Zukunft klare Strategien, um Krisen zu begegnen – und z.B. auch die sehr wahrscheinlich anstehende Coronawelle im Herbst managen zu können. Gegen diese Krisen brauche es „politische Lösungen, die auch die Schwächsten mit einbeziehen“ sagte Dr. Amy Neumann-Volmer, Vorstandsvorsitzende von Ärzte ohne Grenzen e.V. Aus politischer Perspektive sprach Staatsminister für Gesundheit und Pflege in Berlin, Dr. Thomas Götz. Krisen sollten aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Dafür biete der Hauptstadtkongress als eine Plattform für „interprofessionellen Austausch und Begegnungen im Gesundheitswesen und der Pflege“ eine Möglichkeit, sagte Götz.

Unter dem Motto „Ein resilientes Gesundheitssystem – Mythos oder Möglichkeit?“ erlebten die Teilnehmenden auf dem Hauptstadtkongress 2022 bis 24. Juni 2022 mehr als 80 Sessions zu einem wichtigen Thema: der Widerstandsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems. Konkrete Schritte und Konzepte zu diskutieren und in die Umsetzung zu bringen – dafür sei der Hauptstadtkongress 2022 der richtige Ort, schreiben die Veranstaltenden.

Interdisziplinärer Austausch auf dem Hauptstadtkongress 2022

Die Teilnehmenden haben die Möglichkeit neben dem Hauptstadtforum Gesundheitspolitik und unterschiedlichen Symposien an drei Fachkongressen teilzunehmen:

  1. Der Managementkongress Krankenhaus Klinik Rehabilitation (KKR) steht für den Austausch zwischen Unternehmern aus erster Entscheiderebene und Management aus Industrie- und Serviceunternehmen, Verantwortlichen der Gesundheitsanbieter und der Krankenkassen sowie Vertretern und Vertreterinnen aus Politik und Verbänden. Prof. Dr. Volker Nürnberg diskutiert auf dem KKR im Rahmen des Hauptstadtkongress 2022 die Frage, ob die goldene Zeit des Managements vorbei ist mit einem hochkarätigen Podium. Denkanstöße und Ideen dazu, was Gesundheitswesen wie Management jetzt brauchen, hat er vorab exklusiv für HCM zusammengefasst. Außerdem gibt Tanja Heiß von ID-Native konkrete Tipps zur Selbstbefähigung von Frauen, damit mehr Frauen in Führungspositionen im Gesundheitswesen kommen. Tipps hat sie bereits in diesem Artikel beschrieben.
  2. Der Deutsche Pflegekongress bietet eine Kommunikationsplattform für fachliche und politische Fragen in der Pflege. Die thematische Abdeckung geht von stationär bis ambulant über die Kranken- bis hin zur Altenpflege. 360° Pflege sind hier Programm. Beim Deutschen Pflegekongress geht es nicht nur darum, Probleme zu benennen, sondern auch darum, konkrete Lösungsansätze zu finden. Das Topthema auf dem Deutschen Pflegekongress im Rahmen des Hauptstadtkongresses 2022 ist sicherlich der mit Spannung erwartete Kurs der neuen Bundesregierung in Sachen Pflegepolitik. Erfahren Sie mehr zu diesem Kongressstrang von der Wissenschaftlichen Leiterin des Kongresses, Pflegemanagerin Vera Lux, in ihrem Interview mit HCM.
  3. Im Deutschen Ärzteforum wird die Gegenwart und Zukunft des Arztberufes in der Funktion als Heilende, Managende und Beratende sowie aktuelle medizinische Fachthemen unter relevanten Akteuren und Akteurinnen behandelt.

Digitalisierung und Innovationen fordern veränderte Strukturen

Digitalisierung kann richtig auf- und eingesetzt dazu beitragen, die Resilienz im Gesundheitssystem zu optimieren. Auf dem Hauptstadtkongress 2022 in Berlin sollen Player aus allen Bereichen und Sektoren der Gesundheitsversorgung die Möglichkeit bekommen, gemeinsam über Verbesserungspotenziale zu sprechen und Schritte zu definieren, um die Frage zu klären, wie die Branche den Durchbruch in der Digitalisierung schafft. Auch das Innovationstempo im Gesundheitssektor hat Fahrt aufgenommen – mehr Forschung, technologischer Fortschritt, frische Impulse durch neue Healthcare-Anbieter. Die Neuerungen fordern auch Innovationen in den Strukturen des Gesundheitswesens, aber auch die Akzeptanz des Wandels spielt eine Rolle.

Hauptstadtkongress 2022
Prof. Dr. Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister, hob per Videobotschaft auf dem Hauptstadtkongress 2022 drei wichtige Themen hervor: die Digitalisierung, Arbeitsbedingungen, v.a. in der Pflege, und die Bewältigung der Ukraine-Krise. – © Holzmann

Schaffen wir den Umbau des Gesundheitssystems?

Der Bayerische Gesundheits- und Pflegeminister Klaus Holetschek erklärte beim Hauptstadtforum Gesundheitspolitik die Pflege zum größten Handlungsfeld: „Wenn es uns nicht gelingt, die Pflegeversicherung neu aufzustellen, kann und wird die Pflege nicht mehr funktionieren.“ Holetschek bezeichnete die Herausforderungen in der Pflege als „Schicksalsfrage“.

Der Gesundheitspolitiker aus Bayern sieht in der Krise aber auch die Chance, die überbordende Regulierung zurückzudrängen, zu entlasten und zu entschlacken. „Der Staat muss sich ein Stück weit neu erfinden“, erklärt Holetschek.

Pflege und Gesellschaft auf dem Hauptstadtkongress: Wie geht es weiter?

„Meine Vision ist eine sektorfreie Versorgung“, erklärte Prof. Dr. Heinz Rothgang, Universität Bremen, in der Session Pflege und Gesellschaft beim Deutschen Pflegekongress auf dem Hauptstadtkongress. Dabei ginge es ihm um die Abbildung der Versorgungsstufen im „Kontinuum“. Wer jetzt auf die klassische Heimeröffnung setze, habe das System nicht verstanden. Viel dringender brauche es laut Rothgang neue Möglichkeiten des betreuten Wohnens und die Kombination aus ambulanter und stationärer Versorgung. Rothgang erwartet bis zum Jahr 2050 einen zusätzlichen Bedarf an Pflegekräften von insgesamt 450.000 in allen Qualifikationsstufen. Begegnen könne man dieser Herausforderungen z.B. durch

  • eine gezielte Rekrutierung aus dem Ausland,
  • beratende Unterstützung mit dem Ziel gemischter Pflegearrangements in der familiären Pflege
  • die Förderung der Bereitschaft zu Pflege in der Zivilgesellschaft und
  • „Gewinnen, halten, rückgewinnen“.

HCM auf dem Hauptstadtkongress 2022

Hauptstadtkongress 2022
Chefredakteurin Bianca Flachenecker und Anzeigenleiter Michael Klotz waren mit dem gesamten HCM-Team vor Ort. – © Holzmann

Als Medienpartner des Hauptstadtkongresses war HCM auch in diesem Jahr wieder mit einem Stand vor Ort in Berlin vertreten. Gemeinsam mit dem Kooperationspartner Entscheiderfabrik fanden dort viele interessante Gespräche statt. Mehr dazu in Kürze unter www.hcm-magazin.de und in der kommende Ausgabe von HCM sowie auf den Kanälen der Entscheiderfabrik.

Krankenhausvergütung als Treiber der Neuordnung

Die dringend benötigte Reform der Krankenhausvergütung geht laut Prof. Dr. Jonas Schreyögg, Universität Hamburg, Hand in Hand mit einer Veränderung der sektoralen Grenzen sowie der Krankenhausplanung. „Ich halte die Vergütung für einen wichtigen Baustein in der Krankenhausreform“, erklärt der Gesundheitsökonom, nahm aber zugleich jegliche Illusion: „Wir werden es in Deutschland nicht wie in Dänemark schaffen, Krankenhäuser auf dem Reisbrett zu planen. Stattdessen werden wir stark über Anreize und Wettbewerb arbeiten müssen.“

Schreyöggs Leitmotive dafür basieren auf

  • einer Weiterentwicklung und Öffnung hin zu einer neuen Arbeitsteilung und
  • der Zusammenarbeit der Leistungserbringer,
  • dem Überdenken der Definition von Arztpraxen und Krankenhäusern und
  • dem Neudenken von Versorgungsstandorten.

Ein neues Versorgungsmodell könnte aus einem Dreiklang zwischen kommunalem Gesundheitszentrum, Krankenhaus im Ballungszentrum und dem verbindenden Element Krankentransport bestehen.

Hauptstadtkongress unter neuer Leitung

Seit 2021 hat der Hauptstadtkongress eine neue Leitung: Prof. Dr. Karl Max Einhäupl ist neuer Kongresspräsident und bei der Veranstalterin WISO gibt es zwei neue Geschäftsführer: Guido Pschollkowski und Falk H. Miekley. Außerdem hat sich der Hauptstadtkongress transformiert. Das Großevent hat einen neuen, moderneren Look, eine optimierte Website und der Präsenzkongress findet 2022 erstmalig im Hub27 in Berlin statt. Mit dem Hauptstadtkongress Lab gibt es nun eine neue „digitale Community-Event-Plattform für Entscheiderinnen und Entscheider, Top-Marken, innovative Themen und Technologien im Gesundheitswesen“.

Hauptstadtkongress 2022
Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Kongresspräsident, bei der Eröffnung des Hauptstadtkongress 2022. – © Holzmann

Auf der Abschlussveranstaltung kündigten die Kongressleiter Falk Miekley und Guido Pschollkowski einen weiteren personellen Wandel an der Spitze des HSK-Gremiums an:

  • Prof. Heinz Lohmann, wissenschaftlicher Leiter des Managementkongresses Krankenhaus Klinik Rehabilitation (KKR) wird das Zepter an Dr. Matthias Bracht, Geschäftsführer Medizin der Klinikum Region Hannover GmbH, übergeben.
  • Prof. Dr. Axel Ekkernkamp, wissenschaftlicher Leiter des Deutschen Ärzteforums, übergibt die Leitung an Dr. Iris Hauth, Ärztliche Direktorin Alexianer St. Joseph-Krankenhaus Berlin-Weißensee.
  • Prof. Dr. Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Kiel und Lübeck, wird sich für das Thema „Spitzenmedizin“ im Programm des Hauptstadtkongresses 2023 verantwortlich zeichnen.
  • Hedwig François-Kettner, ehemals wissenschaftliche Leiterin des Deutschen Pflegekongresses ist bereits 2020 ausgeschieden. Sie wurde wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr nachträglich verabschiedet. Die Leitung des Pflegekongresses hat seitdem Vera Lux, Pflegedirektorin-Geschäftsführung Pflege an der Medizinischen Hochschule Hannover, inne.
  • Wolfgang van den Bergh, Herausgeber der Ärzte Zeitung, führt die wissenschaftliche Leitung des Hauptstadtforums Gesundheitspolitik fort.

„Wir bedanken uns für die über Jahre hinweg herausragende Arbeit und das unermüdliche Engagement der wissenschaftlichen Leiter, die den Hauptstadtkongress mit ihrer Expertise zu dem gemacht haben, was er heute ist. Gleichzeitig begrüßen wir und freuen uns auf ihre Nachfolger, die das Programm des HSK mit großem Wissen und Erfahrung bereichern werden“, erklärte Pschollkowski.

Positives Fazit der Kongressleiter des Hauptstadtkongresses 2022

Pschollkowski und Miekley zogen nach drei Tagen Hauptstadtkongress ein positives Fazit: Mehr als 4.000 Entscheiderinnen und Entscheider sind die Reise in den Hub27 angetreten, um über ein resilientes Gesundheitssystem zu diskutieren – mit rund 450 namhaften Rednerinnen und Rednern in 81 Sessions.

Termin für 2023 steht fest

Der Hauptstadtkongress 2023 wird vom 14. bis zum 16. Juni 2023 im Hub27 in Berlin stattfinden.

In der kommenden Ausgabe von Health&Care Management (erscheint am 6. September 2022) erwartet Sie ein ausführlicher Nachbericht mit exklusiven Statements von Entscheiderinnen und Entscheidern der deutschen Healthcare-Branche sowie weiteren besonderen Einblicken in das Branchenevent.