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Lesetipp Handbuch "Demenzsensible Krankenhausbauten"

Über Demenz wurde schon einiges geschrieben, zum Thema demenzsensible Krankenhausbauten vermutlich weniger. Deshalb haben sich die Autorinnen Kathrin Büter und Gesine Marquardt demenzsensible Architektur bzw. Innenausstattung von Räumen vorgenommen, wie sie den Aufenthalt von Menschen mit Demenz angenehmer gestalten sollen.

Das Handbuch  Demenzsensible Krankenhausbauten“ ist insbesondere eine Planungshilfe für alle Akteure moderner Krankenhäuser, Senioren- und Pflegeeinrichtungen auf der Basis langjähriger Demenzforschung. Im Format 22,6 cm x 28 cm richtet es sich sowohl an Nutzer und Betreiber als auch an Architekten, Planer und Bauherrn von Krankenhäusern. Es ist gut strukturiert und verschafft zunächst einen allgemeinen Überblick zum Thema Demenz. Dabei wird eingangs kurz der Begriff und die Verbreitung der Demenz erklärt. Des Weiteren werden Diagnose, Formen, Verlauf, Ausprägungen und Symptomatik bei Demenzerkrankungen erläutert. Dieses Kapitel wird aber nur kurz abgehandelt, da entsprechendes Hintergrundwissen zu den Krankheitsbildern der Demenzerkrankungen voraussetzt wird. Zum Verständnis der Zusammenhänge Krankheitssymptomatik und Architektur sind die Informationen aber sicher ausreichend.

Demenz und Umgebung

In dem Buch wird außerdem sehr schön und fundiert der Zusammenhang zwischen der besonderen Wahrnehmung an Demenz Erkrankter und der umgebenden Architektur hergestellt. Bei der Frage „Warum brauchen wir eine demenzsensible Architektur?“ gehen die Autorinnen umfassender auf die räumlich relevanten demenziellen Symptome ein, die bekanntermaßen ein großes Problem bei Menschen mit Demenz darstellen. Insbesondere auch die individuelle Ausprägung der situativen und räumlichen Orientierung, Differenzierung von Umweltreizen, Erkennen von Objekten und Symbolen sowie die Interpretation visueller Reize. Hinzu kommen altersbedingte Beeinträchtigungen wie eingeschränkte Mobilität, Seh- und Hörfähigkeit. All das muss bei der Planung einer demenzsensiblen Architektur Berücksichtigung finden.

Ziele dieser Architektur

Letztendlich geht es bei der demenzsensiblen Architektur darum, bestimmte Zwecke zu verfolgen. Die Autoren haben dazu fünf Ziele definiert. So soll zum Beispiel demenzsensible Architektur die Selbstständigkeit der Patienten fördern, die Mobilität und Aktivität anregen, um die kognitiven Fähigkeiten wie auch ihre physische Funktionalität zu erhalten. Um das zu erreichen, muss bereits der Entwurf für eine Krankenhausstation stimmig sein. Eine einfache, klar strukturierte Gebäudestruktur und Raumorganisation sind deshalb die Basis für eine demenzsensible Krankenhausarchitektur, heißt es in dem Band. Im Kapitel „Entwurfsansätze“ gehen die Autorinnen dann umfassend ins Detail, was eine demenzsensible Architektur bedeutet: So spielen bauliche Parameter, wie zum Beispiel Stationsgröße, Grundrisstypologie, Sichtbeziehungen, Referenzpunkte oder räumlicher Ankerpunkte eine wichtige Rolle beim Grundrissentwurf und der Gestaltung der Baulichkeiten und Räume.

Theorie und Praxis

Das Kapitel „Demenzsensible Konzepte“ erfasst die Umsetzung der formulierten Entwurfsansätze einzelner Bereiche im Krankenhaus bzw. der Einrichtungen wie Notaufnahme, Station, Aufenthaltsräume oder Patientenzimmer. Die Hinweise zum Planungsprozess gehen nochmals auf die besonderen Herausforderungen bei der demenzsensiblen Architektur im Planungsprozess ein.
Dabei bleibt es nicht nur bei theoretischen Erklärungen, im letzten Kapitel zeigen bebilderte Beispiele, wie demenzsensible Architektur praktisch umgesetzt wurde. Außerdem werden anhand von konkreten „Patientenszenarios“ die spezifischen Probleme von Menschen mit Demenz deutlich und welche Erleichterung demenzsensible Architektur bringen kann.

Impulse für das gesamte Krankenhaus

Bei all dem, schreiben die Autoren, muss sich demenzsensible Architektur nicht nur durch ein spezielles Aussehen oder einen besonderen Gestaltungsstil von Räumen für andere Nutzer unterscheiden. Vielmehr zeichnet sie sich dadurch aus, dass sie den Menschen mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellt und leicht verständliche, intuitiv nutzbare, anpassbare und ästhetische Räume schafft. So können demenzsensible Konzepte Gestaltungsimpulse für das gesamte Krankenhaus geben, die für viele Menschen gleichermaßen vorteilhaft sind.Gefördert wurde das Handbuch durch die Robert Bosch Stiftung.  

Fazit

Das Handbuch ist mit seinen knappen, sachlich fundierten Inhalten, zahlreichen Übersichten, Tabellen, Grundrissen, Grafiken und Bildern eine Planungshilfe und Anregung, für individuelle Konzepte bei der Umsetzung demensensibler Architektur in Krankenhäusern, senioren- und Pflegeeinrichtungen. Solche Handbücher werden angesichts des demografischen Wandels, vor allem im Hinblick auch auf seinen praktischen Nutzen, zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Dieses Buch und weitere Fachbücher können Sie direkt über den Holzmann-Medien-Shop beziehen:
K. Büter/G. Marquardt (2019) Handbuch und Planungshilfe – Demenzsensible Krankenhausbauten. Berlin: DOM publishers. ISBN: 978-3-86-922716-0

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