Versicherung -

Geburtshilfe Haftpflichtversicherung bleibt problematisch

„Die Haftpflichtversicherung im Gesundheitswesen steht vor dem Kollaps.“ Diese Warnung spricht Michael Petry, Geschäftsführer des Ecclesia Versicherungsdiensts, auf dem 16. Deutschen Medizinrechtstag aus. Er glaubt nicht, dass das Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) das Problem lösen kann.

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Um dem steigenden Schadenaufwand in der Geburtshilfe gerecht zu werden, erhöhen die Versicherer kontinuierlich die Prämien. Der Gesetzgeber will mit dem VSG Abhilfe schaffen. Die Reform sieht vor, bei Behandlungsfehlern in der Geburtshilfe Schadensansprüche durch Kranken- und Pflegekassen gegenüber Hebammen auszuschließen, solange diese Fehler nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig begehen. „Das soll die Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen verfügbar und bezahlbar machen, Versicherungsprämien senken und die Angebotsseite auf dem Versicherungsmarkt beleben“, erklärt Petry. Seines Erachtens wird keiner dieser Effekte eintreten. „Im Gegenteil: zahlreiche Prozesse durch alle Instanzen sind vorprogrammiert, in denen um die Definition von Geburtshilfe und um Grade von Fahrlässigkeit gestritten wird“, erklärt er. In langwierigen Prozessen würden zudem Versicherer Schäden lange offen halten, glaubt der Experte. Diese Rückstellungen würden bei der Berechnung der Versicherungsprämien berücksichtigt, weshalb diese sich dadurch höchstens langfristig verringern könnten. Petry fordert, im gesamten Gesundheitsbereich die Regressmöglichkeit für Sozialversicherungsträger aufzuheben. „Und zwar für alle schwer trennbare Formen der Fahrlässigkeit“. Ansonsten würden die Preise weiter steigen, sagt er. Das wiederum könne zur Folge haben, dass weitere Geburtshilfe-Abteilungen kleinerer Krankenhäuser schließen müssten.

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