Gutenberg-Studie Häufige Verbreitung von Long-Covid-Symptomen nach Corona-Infektion

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Clemens Hoch, Wissenschaftsminister des Landes Rheinland-Pfalz, und die Universitätsmedizin Mainz starten Gutenberg-Long-Covid-Studie. Sie soll zur Erforschung der Erkrankung beitragen, um künftig eine adäquate Versorgung der Betroffenen zu ermöglichen.

Long Covid
Neue Studienergebnisse belegen häufige Verbreitung von Long-Covid-Symptomen nach SARS-CoV-2-Infektion. Weitere Studie zur Untersuchung der Symptomatik gestartet. – © niphon (stock.adobe.com)

Bereits die Gutenberg-Covid-19-Studie – eine bevölkerungsrepräsentative Studie zur Pandemie in Deutschland – zeigt neue Erkenntnisse zu Long-Covid. Bis zu 40 Prozent der mit SARS-CoV-2 infizierten Personen geben Long-Covid-artige Symptome an, die über mindestens sechs Monate andauern. Die darauffolgende Gutenberg-Long-Covid-Studie haben zwölf Einrichtungen der Universitätsmedizin Mainz entwickelt, um den hohen Forschungsbedarf zu adressieren. „Viele SARS-CoV-2-Infizierte berichten noch Wochen oder gar Monate nach überstandener Infektion von Symptomen. Daher wird Rheinland-Pfalz die Gutenberg-Long-Covid-Studie an der Universitätsmedizin mit rund 400.000 Euro fördern, um Präventions- und Behandlungsansätze für Spät- und Langzeitfolgen einer Corona-Infektion zu erforschen“, sagt Hoch.

Bisherige Studienergebnisse

In der bevölkerungsrepräsentativen Gutenberg-Covid-19-Studie wurde bei etwa fünf Prozent der 10.250 untersuchten Personen im Zeitraum Oktober 2020 bis Juni 2021 mittels PCR- und Antikörpertestungen eine wissentlich oder unwissentlich durchgemachte SARS-CoV-2-Infektion nachgewiesen. Bei allen infizierten Personen und einer Kontrollgruppe wurde das Vorliegen der vielfältigen Symptome erhoben, die laut WHO bei Long-Covid auftreten können. Etwa 40 Prozent der Befragten gaben an, über mindestens sechs Monate neu aufgetretene oder an Intensität zugenommene Symptome zu haben.

Etwa ein Drittel der Personen sagte aus, seit der Infektion nachhaltig in der Leistungsfähigkeit eingeschränkt zu sein. Dabei wiesen die Personen mit wissentlicher Infektion häufiger spezifische Symptome auf, etwa Geruchs- und Geschmacksstörungen. Weitere häufig genannte Symptome waren: Abgeschlagenheit und Müdigkeit, Gedächtnis- und Schlafstörungen oder Atemnot und Kurzatmigkeit. Frauen waren mit rund 46 Prozent etwas häufiger von Spätfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion betroffen als Männer (rund 35 Prozent). Das Alter spielte für das Auftreten von Long-Covid kaum eine Rolle. Positiv war, dass die Anzahl der Long-Covid-Symptome im Laufe der Zeit nach einer Infektion abnahm.

Weitere Studie soll Long-Covid-Symptome verständlich machen

„Die Gutenberg-Covid-19-Studie zeigt, wie wichtig klinische Forschung und gerade auch Untersuchungen in der Allgemeinbevölkerung sind. (…) In der neuen Gutenberg-Long-Covid-Studie wollen wir unter anderem untersuchen, welche langfristigen Folgen aus einer bewusst oder unbewusst durchgemachten Covid-Infektion entstehen können“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Norbert Pfeiffer , Vorstandsvorsitzender und Medizinischer Vorstand der Universitätsmedizin Mainz.

Um den Symptomkomplex von Long-Covid umfassend zu verstehen, sollen in der neuen Studie insgesamt 600 Personen mit nachgewiesener Infektion im Rahmen der Gutenberg-Covid-19-Studie sowie Personen, die auf Grund einer Covid-19-Erkrankung an der Universitätsmedizin Mainz behandelt wurden, untersucht werden. Somit könne das gesamte Spektrum der Schweregrade eines akuten Infektionsverlaufes berücksichtigt werden, erklärt die Unimedizin Mainz. In einer Screening-Untersuchung, die auch ein MRT des Kopfes und die Gewinnung von Bioproben umfasst, werden vielfältige Daten erhoben. Bei Auffälligkeiten werden diese durch eine fachspezifische vertiefende Untersuchung ergänzt.

Der Sprecher der Studienleitung, Univ.-Prof. Dr. Philipp Wild , erläutert den Forschungsbedarf zu Long-Covid: „Die Daten der Gutenberg-Covid-19-Studie verdeutlichen, dass die alleinige Betrachtung von Symptomen für Diagnose und Definition von Long-Covid nicht ausreicht. Mit der neuen Studie verfolgen wir das Ziel, das Krankheitsbild evidenzbasiert charakterisieren und definieren zu können. Das beinhaltet beispielsweise betroffene Organe und Systeme, aber auch Risikofaktoren zu identifizieren. Die systemmedizinische Untersuchung von molekularen Mustern wird uns helfen, die Pathomechanismen der Erkrankung zu verstehen. Um auch subklinische Veränderungen zu erfassen, die sich gegebenenfalls nicht oder noch nicht in einer Erkrankung manifestiert haben, untersuchen wir die Teilnehmenden unabhängig vom Auftreten von Symptomen.“ Damit möchte das multidisziplinäre Team viele Fragen zu Long Covid klären, etwa ob es Biomarker gibt, die spezifisch sind für die Erkrankung, ob auch Personen mit unwissentlicher Infektion betroffen sind, ob es besondere Risikofaktoren gibt oder ob die Impfung das Auftreten von Long Covid verändern kann.“

Weitere Informationen: Die Präsentation mit den Ergebnissen aus der Gutenberg-Covid-19-Studie und Informationen zur neuen Studie sind unter GCS Dashboard | GCS Dashboard (unimedizin-mainz.de) veröffentlicht.