Pflege -

Onlinekolumne Hacke, Spitze, Hacke, Spitze, eins, zwei, drei ...

HCM-Kolumnist und Unternehmensberater Eckhard Eyer beschäftigt sich in seinem aktuellen Text mit den Kosten in der Pflege und dem "Sockel-Spitze-Tausch".

An diesen Tanz aus Kinderzeiten fühlte ich mich erinnert, als Erwin Rüddel, seit 2018 Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit im 19. Deutschen Bundestag, in einer Bürgersprechstunde in seinem Wahlkreis Neuwied vor einigen Tagen über den „Sockel-Spitze-Tausch“ referierte. Bisher ist es so, dass die Pflegeversicherung die Pflegekosten bis zu einer gewissen Höhe übernimmt und die überschießenden Kosten die Pflegebedürftigen bzw. ihre Angehörigen zahlen. Bei dem „Sockel-Spitze-Tausch“ ist es umgekehrt: Die Pflegebedürftigen oder ihre Angehörigen übernehmen einen Teil der Pflegekosten und den erheblichen „Rest“ zahlt die Pflegeversicherung. Es ist wie bei einer Vollkaskoversicherung beim Auto: Es gibt eine festgelegte Eigenbeteiligung der Pflegebedürftigen und den Rest übernimmt die Versicherung.

Ziel des „Sockel-Spitze-Tauschs“ ist es die Kosten der Pflege für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen zu begrenzen und so auch zu verhindern, dass nicht alle Ersparnisse und das Wohneigentum schnell aufgezehrt werden.

Das Ziel die Kosten der Pflege zu begrenzen ist nicht isoliert zusehen, sondern im Kontext des Pflegenotstandes und dem Ziel der Bundesregierung die Bezahlung der Mitarbeiter in der Pflege zu verbessern. Der juristisch nicht unumstrittene Weg hierfür ist die Gründung eines neuen, zusätzlichen „Arbeitgeberverband Pflege“, der einen Tarifvertrag „Pflege“ mit der Gewerkschaft ver.di abschließt. Dieser Tarifvertrag soll nicht nur für die Mitglieder dieses „Arbeitgeberverbandes Pflege“ gelten, sondern für alle Einrichtungen der Pflege, weil die Regierung – so ist es von ihr geplant – diesen Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklären wird.

Geht man davon aus, dass die Unternehmen der Altenpflege, nicht zuletzt in Abhängigkeit von ihrem Umsatz, Rücklagen bilden bzw. Gewinne erzielen, dann sind auch hier – wie in den beiden vorgenannten Punkten – Kostensteigerungen zu erwarten. Wie sich angesichts dieser Situation zukünftig die Beiträge zur Pflegeversicherung entwickeln werden ist abzusehen.

Nach Ostern werden die drei Hauptakteure der Pflegewirtschaft und ihre Vertreter – Kunden (Bewohner, Angehörige und Pflegekassen), Mitarbeiter und Unternehmen – um eine zukunftsfähige Lösung für die Pflege ringen. Dabei geht es zum einen um einen angemessenen Anteil der Hauptakteure an den Budgets und zum anderen um die Höhe des zur Verfügung stehenden Budgets.

Es steht eine spannende Auseinandersetzung bevor, die das zukünftige Leben von Millionen Menschen betrifft. Die Interessen im magischen Dreieck der Pflege sind bekannt. Der Tanz kann beginnen.

Dreieck Pflege
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