Pflege -

Onlinekolumne Gutes Geld für gute Arbeit – und ein Ortszuschlag?

Die Diskussion um faire Löhne und Gehälter in der Pflege und in der Gesundheitswirtschaft reißt nicht ab und das ist gut so. Aber was ist gerechter: Bundesweit das gleiche Gehalt für die gleiche Arbeit oder ein bundesweit gleiches Gehalt für die gleiche Arbeit plus Ortszuschlag?

Der ehemalige Pflegebeauftragte der Bundesregierung und amtierende Arbeits-, Gesundheits- und Sozialminister in Nordrhein-Westfalen, Karl-Joseph Laumann, hat gerade an diesem Wochenende wieder festgestellt, dass es in Deutschland voraussichtlich genügend Betten auf Intensivstationen für Corona-Patienten gibt, aber nicht genügend Intensivpflegekräfte. Geld und die Arbeitsbedingungen in der Pflege haben unbestritten eine Lenkungsfunktion bei der Berufswahl junger Menschen und auch im späteren Arbeitsleben.

Tarifvertrag Pflege

Mitte September 2020 wurde der Tarifvertrag Pflege zwischen der Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP) und der Vereinigten Dienstleistungs-Gewerkschaft (ver.di) unterschriftsreif. Dieses Tarifwerk, das bundesweit allgemeinverbindlich erklärt werden soll und damit von Flensburg bis Garmisch-Patenkirchen und Aachen bis Görlitz gilt, berücksichtigt bei der Ausgestaltung der Entgelttabellen den Grundsatz "gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Mit diesem Vorgehen werden die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten in Deutschland nicht berücksichtigt.

Unterschiedliche Lebenshaltungskosten

Die Entgelttabellen sind bei dem Postulat "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" in Hamburg und München identisch mit denen in der Eifel und im Thüringer Wald. Die Lebensverhältnisse und die Lebenshaltungskosten sind aber regional sehr unterschiedlich. Meines Erachtens sollte bei den Entgelttabellen auch ein Augenmerk auf eine sinnvolle Regionalisierung von bundeseinheitlichen Regelungen gerichtet werden.

Ein betriebliches Beispiel

Letztes Jahr hat ein bundesweit agierenden Träger von Alten- und Pflegeheimen ein interessantes Entgeltsystem erarbeitet. In den gut 40 Heimen werden die gleichen Dienstleistungen angeboten und die Mitarbeiter haben die gleichen Tätigkeiten, z.B. Pflegeassistent, Pflegefachkraft, Wohnbereichsleiter und Pflegedienstleitung. Der Träger bestimmt sein Grundentgelt nach dem Prinzip "gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Diese Gerechtigkeitsphilosophie stößt jedoch dort an ihre Grenzen, wo die Lebenshaltungskosten weit auseinanderdriften. In der Regelung, die in einer Projektgruppe erarbeitet hat, wurden sowohl die Lebenshaltungskosten als auch die Mobilitätsbedingungen der Mitarbeiter berücksichtigt. Im Entgelt sollte sich auch niederschlagen, ob jemand in der Großstadt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln morgens um 6.00 Uhr zur Arbeit kommen kann oder auf dem flachen Land, wo man zu dieser Tageszeit ein Auto braucht. Zu den grundsätzlich gleichen Arbeitsentgelten gab es sogenannte Ortszuschläge, gestaffelt in vier Stufen, bis zur höchsten Stufe Metropole. Nachdem das System der Ortszuschläge stand, wurde allen Einrichtungen und damit den Mitarbeitern – zusätzlich zum tätigkeitsbezogenen Grundentgelt - ein Ortszuschlag zugeordnet.

Sind Ortszuschläge gerecht?

Die Frage ob Ortszuschläge gerecht sind wurde in der Projektgruppe und auch unter den Mitarbeitern verschiedener Standorte engagiert diskutiert. Sie mündete in der entscheidenden Frage: "Was ist gerechter, bundesweit das gleiche Gehalt für die gleiche Arbeit oder ein bundesweit gleiches Gehalt für die gleiche Arbeit und zusätzlich ein bedürfnisbezogener Ortszuschlag?" Kein Mitarbeiter hat den Ortszuschlag abgelehnt. Allerdings wurde in einigen Grenzfällen die Zuordnung der Einrichtungen zu den Stufen der Ortszuschläge kritisch hinterfragt. Das war zu erwarten, weil die Interessen und Sichtweisen der Mitarbeiter in diesem Zusammenhang sehr differenziert sind.

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