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Versorgung Große Potenziale bei der Ambulantisierung

Das Gesundheitswesen setzt nach wie vor stark auf die stationäre Leistungserbringung. Auf einer Online-Veranstaltung von RS Medical Consult diskutieren Experten und Expertinnen über den Status quo und die Potenziale der Ambulantisierung.

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Bei der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) sieht der unparteiische Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Prof. Josef Hecken, "noch gigantische Potenziale", denn hier gibt es eine "Dominanz der Krankenhäuser". In den allermeisten Fällen würden die interdisziplinären Teams von einem Krankenhausarzt geleitet, bei Tuberkulose sind es zwei Drittel der Teams, bei Seltenen Erkrankungen sogar 97 Prozent. Die Masse der Behandlungen finde an Hochschulambulanzen statt. "Hier muss es zu einer Angleichung kommen", fordert Hecken. Das Potenzial für ambulante Operationen (AOP) werde derzeit ebenfalls nur unzureichend ausgeschöpft. In Deutschland würden im internationalen Vergleich immer noch überdurchschnittlich viele OPs stationär durchgeführt. Der Grund sei, dass der AOP-Katalog bisher nur marginal überarbeitet wurde.

Bis zu 40 Prozent der OPs in die Ambulanz

Welche Potenziale durch die Ambulantisierung geschaffen werden können, unterscheidet sich je nach Berechnung, erläutert Prof. Boris Augurzky, Leiter des Kompetenzbereichs Gesundheit am RWI Essen. Laut Top-down-Schätzungen, die Deutschland mit anderen Ländern wie Dänemark vergleichen, können 30 bis 40 Prozent der Fälle ambulantisiert werden. Bottom-up-Analysen rechnen mit einem Potenzial von 20 Prozent. Sie schauen sich die einzelnen Fallgruppen an und schätzen, wie viele Fälle ambulant erbracht werden könnten. Das von Augurzky geleitete Institute for Healthcare Business kommt durch eine eigene konservative Berechnung auf der Basis von Krankenhausdaten auf ein Potenzial von sechs bis neun Prozent.

Seit 2016 kommt es zu einem Rückgang der stationären Behandlungsfälle und einem Anstieg der ambulanten Fälle. "Corona wird aus unserer Sicht diesen Trend weiter verstärken", sagt Irmgard Wübbeling, Vorstandsmitglied der Sana Kliniken. Gerade die kleinen Häuser, die in der Fläche die Versorgung sicherstellten, hätten ein hohes Potenzial an ambulant sensitiven Fällen.

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