dpa News -

Pflegekammer Groll ein Alarmzeichen

Der Ärger um die Pflegekammer in Schleswig-Holstein nimmt zu. In Kiel steht eine Demonstration an. Die FDP ruft die Kammer zum Handeln auf. Es geht um Zwangsmitgliedschaft, um Geld und um das Image eines wichtigen Berufs.

Themenseite: Pflegekammer

Die umstrittene P flegekammer in Schleswig-Holstein gerät zunehmend unter politischen Druck. «Es gibt massive Proteste und Beschwerden vor allem gegen die Zwangsmitgliedschaft», sagte der FDP-Sozialpolitiker Dennys Bornhöft der Deutschen Presse-Agentur. «Wenn sich nun hunderte Pflegekräfte organisieren und Demonstrationen ankündigen, sitzt der Unmut gegen die Kammer bereits sehr tief.» Dieser Groll sei ein Alarmzeichen, das man nicht ignorieren könne.

Unter dem Motto «Pflegekräfte entern Kiel, um die Zwangsketten zu sprengen» hat die Gewerkschaft ver.di für Donnerstag (07.11.2019) zu einer Mahnwache vor dem Landeshaus aufgerufen. Dort tagt der Landtags-Sozialausschuss. ver.di wolle sein Nein zu einer Kammer mit Zwangsbeiträgen verdeutlichen, heißt es in dem Aufruf. Es werde kein «Selbstverwaltungsmonster» gebraucht, das vorgebe, die Stimme der Pflege zu sein.

Verdi fordert ein Moratorium von zwei Jahren und eine Abstimmung der Pflegekräfte, um über Akzeptanz und Finanzierung der Kammer zu entscheiden. Die Gewerkschaft erhält nach eigenen Angaben täglich mehr Anfragen, ob Bescheide mit Beitragsforderungen von mehreren 100 Euro im Jahr rechtskräftig sind. Die Beschäftigten wüssten immer noch nicht, welcher Pflichtbeitrag und welche finanzielle Belastung in diesem Jahr auf sie zukommt.

Die Kammer war unter der Koalition von SPD, Grünen und SSW beschlossen worden. Die FDP habe sie stets kritisch gesehen, in den Koalitionsverhandlungen mit CDU und Grünen aber zugestimmt, den Errichtungsprozess weiterzuführen, sagte Bornhöft. Der Kammervorstand sollte das Gespräch mit den Mitgliedern suchen und sich konstruktiv mit den Anliegen ihrer Kritiker auseinandersetzen. Die Kammer sollte die Pflegekräfte erneut befragen, um ein Gesamtbild über die Akzeptanz zu erhalten, sagte Bornhöft. Frust über die Kammer dürfe nicht dazu führen, dass Fachkräfte abwandern oder sogar ihren Beruf aufgeben.

© hcm-magazin.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen