Krankenhausfinanzierung -

GKV-SV: Hochschulambulanzen sollen codieren

Dr. Wulf-Dietrich Leber, Leiter der Abteilung Krankenhäuser des GKV-Spitzenverbands, hat bei der Frühjahrstagung der Deutschen Hochschulmedizin eine eigene, abgespeckte Gebührenordnung (GOÄ) für Hochschulambulanzen (HSA) vorgeschlagen.

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Konkret schweben Leber bundesweit gültige Relativgewichte auf empirischer Basis vor. Dabei sollte eine neue GOÄ für die Ambulanzen nicht zu komplex sein. Es könne zum Beispiel 5 Schweregrade für 50 unterschiedliche HSA – also 250 Entgelte – geben. Darüber hinaus müssten aber auch ergänzende Entgelte vor Ort vereinbart werden können. Grundlage für die Gebührenordnung müsse eine "saubere Codierung" sein, sagt Leber. Der Leiter der Abteilung Krankenhaus attestiert den HSA Nachholbedarf. Derzeit werde je Fall zumeist lediglich eine einzige Diagnose gestellt. Wenn HSA die schweren Fälle behandelten, dann müsste das auch aufgeschrieben werden können. "Eine Codierwüste kann nicht das Zukunftsmodell sein", erklärt er. Für Leber lässt sich über die GOÄ auch eine gerechtere Finanzierung erreichen.

Auf eine Unterdeckung der HSA hat Anja Simon, kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Würzburg, aufmerksam gemacht. Die dortige Adipositas-Ambulanz erhalte derzeit eine Quartalspauschale von 94 Euro je Fall, egal wie oft der Patient komme. Durch einen "sehr hohen Betreuungsgrad mit Fach-Know-how" koste die Erstvorstellung eines Patienten rund 300 Euro, eine Wiedervorstellung 200 Euro. Ein DRG-System im ambulanten Bereich kann sich Simon zwar nicht vorstellen. Sie hält es aber für sinnvoll, einheitliche Kriterien zu entwickeln, um die Leistungen der HSA zu definieren. Irmtraud Gürkan, kaufmännische Direktorin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Universitätsklinikums Heidelberg, zeigt sich aufgeschlossener. Aus ihrer Sicht sollte man das Angebot der Kassen zur Differenzierung der Vergütung "aufnehmen", sagt sie. Wenn der Gesetzgeber den Spielraum eröffne, komme man "sicher zu etwas ähnlichem wie DRG".

BMG ist für die Idee

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hält den Vorschlag perspektivisch für "nicht schlecht". Die Struktur, wie sie jetzt angelegt sei, bilde das aber derzeit nicht ab, sagt Regierungsdirektor Christian Leber vom Referat Vergütung ambulanter ärztlicher Leistungen in der GKV. "Ich würde die Koalitionsvereinbarungen und die gesetzlichen Regelungen schon arg überstrapazieren, wenn ich dort ein bundeseinheitliches Gebührenmodell interpretieren könnte", erklärt er.

Die Ausgaben der GKV für HSA sind nach GKV-Angaben von 490,35 Millionen Euro (2013) auf 523,24 Millionen Euro (2014) gestiegen. Das ist ein Zuwachs von rund 12 Prozent. 2013 wurden 3,548 Millionen Fälle in HSA behandelt. Mehr als 80 Prozent kommen mit einer Überweisung der niedergelassenen Fachärzte in eine HSA.

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