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COVID-19-Pandemie Gesundheitswesen: Back to normal nach der Corona-Pandemie?

Das Coronavirus hat unsere Welt auf den Kopf gestellt und Schwachstellen im Gesundheitssystem aufgedeckt. Eine Rückkehr zum Bekannten wird es nach der Pandemie nicht geben. Das Gesundheitswesen muss sich wandeln, um künftig auf gesunden Beinen zu stehen.

Topic channels: Coronavirus und Digitalisierung

Das öffentliche Leben kam in den letzten Wochen langsam zum Stillstand. Die meisten Unternehmen haben auf den virtuellen Modus umgeschaltet, einige wurden vollständig stillgelegt. Homeoffice und Abgeschiedenheit wurden zum Alltag – und eine Frage tritt daher in den Mittelpunkt: „ Wann kehren wir zur Normalität zurück?“ Für das Homeoffice lässt sich sicherlich sagen: Sobald die Anzahl der Neuinfektionen auf ein Niveau sinkt, das ausschließt, dass die Gesundheitssysteme überlastet werden.

Mit derselben Sicherheit lässt sich jedoch sagen: Für das Gesundheitssystem kann es keine Rückkehr zum Altbekannten geben. Ärzte und Pflegepersonal auf der ganzen Welt gehen an die Grenze der Belastbarkeit, um den Ansturm der Patienten zu bewältigen und sich auf das vorzubereiten, was noch folgen könnte. In den am härtesten betroffenen Gebieten sind viele Ärzte und Pflegefachpersonen selbst der Infektion erlegen. Andere verzweifeln daran, was mit ihren Kollegen und so vielen ihrer Patienten geschehen ist.

Ärzte und Pflegepersonal müssen jedoch nicht nur COVID-19-Fälle behandeln, sondern auch gegen andere lebensbedrohliche Krankheiten – vom Herzinfarkt über Schlaganfälle bis zur Krebserkrankung – Maßnahmen einleiten, die viele im Zeichen der Pandemie mittlerweile für etwas Selbstverständliches halten. Mit Blick in die Zukunft müssen wir das Gesundheitswesen daher mit anderen Augen betrachten.

Die „gute“ alte Zeit?

Dass viele den Zustand vor der Pandemie als gute alte Zeit verklären, ist mit objektivem Blick nicht nachvollziehbar. Denn schon vor COVID-19 war der enorme Druck offensichtlich, der auf dem Gesundheitswesen lastet. Und auch die gesundheitlichen Folgen für Ärzte und Pflegepersonal kannte jeder – von schweren Erschöpfungszuständen bis zum Burn-out. Die aktuelle Situation beschleunigt all diese Trends. Kombinieren wir das mit dem zukünftigen Bedarf und der Unfähigkeit der Gesellschaft, die Gesundheitsversorgung zu finanzieren, müssen wir uns fragen: Was ist nötig, um weiterhin allen Bürgern eine ausgezeichnete Gesundheitsversorgung zu bieten und unser Personal zu unterstützen und zu entlasten?

Die Zukunft wird nicht durch die Herausforderungen definiert, die vor uns liegen, sondern durch unsere Reaktionen darauf. Hier bietet sich eine echte Chance, das Gesundheitswesen zukunftsfähig und erfolgreich zu gestalten – für medizinisches Personal und Patienten. Wir brauchen einen neuen, ehrlichen Blick auf Probleme und Herausforderungen – und müssen die Grundsätze der medizinischen Ausbildung und unsere Haltung zum Einsatz von intelligenten Technologien im Gesundheitswesen kritisch hinterfragen.

Wie wir Gesundheitsversorgung leisten

Seit Jahren diskutieren Fachleute z.B. über das Potenzial der Telemedizin. Im Mittelpunkt stehen dabei allerdings häufig die Investitionen in die damit verbundene Technologie und andere Herausforderungen – und nicht deren Chancen. Deshalb wurde die Telemedizin nur schrittweise eingeführt – mit vielen Hürden hinsichtlich Sicherheit, Regulierung und Vergütung. Während der Corona-Pandemie geschah dann plötzlich Außergewöhnliches: In den zehn Wochen seit Ausbruch führten mehr Mediziner und Patienten die Telemedizin ein als in den zehn Jahren davor. Plötzlich ist Remote-Kommunikation die naheliegendste Wahl, um Patienten zu behandeln – und vor Infektionen zu schützen.

Traditionell ist das Gesundheitswesen bei der Einführung von Technologie vorsichtig und bevorzugt individuelle Systeme, die auf spezifische Bedürfnisse zugeschnitten sind. Cloud-Lösungen und Telemedizin wurden mit viel Skepsis betrachtet. Jetzt benötigen Kunden schnell gebrauchsfertige Lösungen – und die Cloud ist oft die einzige Option. Und was zuvor unmöglich schien, lässt sich auf einmal innerhalb kürzester Zeit realisieren.

Wie wir Medizin lehren

Eine neue Haltung brauchen wir auch in der medizinischen Ausbildung. Auf der ganzen Welt zeigt sich, wie wichtig speziell ausgebildetes Personal ist, um Leben zu retten. Doch ist dessen Ausbildung langwierig und teuer. Während Ausgaben für die Gesundheitsversorgung sinken, wächst die Nachfrage nach diesen spezialisierten Diensten. Wie können wir diese Lücke schließen?

Weil wir immer tiefer in spezialisierte Bereiche vordringen, ist der medizinische Wissensbestand in den letzten 100 Jahren exponentiell gewachsen. Doch ähneln die Kernmodelle der medizinischen Lehre noch immer denen des frühen 20. Jahrhunderts: Zunächst lernt jeder alles. Erst wenn man Arzt ist, spezialisiert man sich auf einzelne Fachgebiete. Doch es dauert bis zu 20 Jahre kontinuierlicher Ausbildung, ehe sich Medizinier für hochspezialisierte Behandlungen und Verfahren voll qualifizieren. Das schlägt sich in den Kosten der Versorgung nieder – und in der Verfügbarkeit des entsprechenden Personals. Deshalb müssen wir die gesamte Struktur der medizinischen Qualifikationen und des Lernens neu überdenken. Wir brauchen direktere Wege, um uns spezialisierte Fähigkeiten anzueignen.

KI-Anwendungen übernehmen bereits heute einzelne spezialisierte Aufgaben wie die diagnostische Bildanalyse oder Hilfe bei der Dokumentation . Niemand verlangt von einer Künstlichen Intelligenz einen Doktortitel, bevor man ihr erlaubt, Röntgenaufnahmen zu analysieren. Es reicht zu wissen, dass sie die Analyse auf höchstem Niveau beherrscht. Einen ähnlichen Ansatz brauchen wir auch für Menschen.

Ein neuer Anfang

Im Angesicht des Virus müssen wir uns auf das besinnen, was wirklich wichtig für eine funktionierende Gesellschaft ist, mit Tabus brechen und Innovation, Wissenschaft und Technologie kombinieren. Davon profitieren auch Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft.

Wir werden nicht dahin zurückkehren, wo wir vor Corona waren. Gehen wir die Dinge richtig an, werden wir uns sogar an einem besseren Ort wiederfinden. Denn das Virus gibt den Anlass, mutig zu sein und Dinge anzugehen, die dringend verändert werden müssen.

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