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Studie von Privacy International Gesundheitsportale geben Nutzerdaten weiter

Internetportale, auf denen Nutzer Informationen zu psychischen Erkrankungen finden, geben deren Daten offenbar an Drittunternehmen weiter. Davor warnt eine Studie der Nichtregierungsorganisation Privacy International.

Forscher haben für die Studie 136 Webseiten in deutscher, englischer und französischer Sprache analysiert. Dabei fanden sie auf fast allen Seiten Hinweise auf Drittanbieter, sogenannte Tracker, mit denen Werbenetzwerke Profile von Nutzern erstellen können. Etwa zwei Drittel der 44 untersuchten Seiten in Deutschland hatten solche Werbetracker eingesetzt. Am stärksten seien jedoch Nutzer in Frankreich betroffen (90 Prozent der 41 untersuchten Portale).

Die Tracker können theoretisch Informationen über Erkrankungen eines Nutzers speichern, ohne dass dieser einwilligt oder darüber informiert wurde. Auf keiner der untersuchten Seiten wurde im Test aktiv der Sammlung persönlicher Daten zugestimmt. Dennoch wurden der Studie zufolge in vielen Fällen Cookies von Drittanbietern angelegt. Das sind kleine Datenpakete, mit denen etwa Werbenetzwerke personalisierte Nutzerprofile erstellen können.

Daten lassen Rückschlüsse auf das Nutzerverhalten zu

„Das Ökosystem der Werbevermarkter ist so intransparent, da ist nicht klar, in welche Hände die Daten gelangen“, sagte Frederike Kaltenheuer, Leiterin der Abteilung Datenmissbrauch bei Privacy International, dem Norddeutschen Rundfunk (NDR). Daruch könnten die Nutzer die Kontrolle über die Informationen verlieren. Beim Datensammeln für Werbezwecke ginge es nicht nur darum, wer wir seien und was unsere Interessen wären, sondern auch, wo wir uns aufhielten und wie wir uns gerade fühlten. Das könne auch zu anderen Zwecken genutzt werden.

In Stichproben konnten Reporter des NDR und der Süddeutschen Zeitung (SZ) bestätigen, dass die untersuchten Seiten Daten zum Nutzungsverhalten übermitteln. So könnten Drittanbieter z.B. anhand der Adresse der Unterseite erkennen, dass sich ein Nutzer über psychische Erkrankungen informiert hätte. Teilweise würde auch übermittelt werden, welche der Fragen Nutzer in Selbsttests zur psychischen Verfassung beantwortet hätten. Die Antworten seien von den deutschsprachigen Portalen nicht übermittelt worden, von den französischen Portalen jedoch schon.

Trackingdaten verstoßen gegen Datenschutzgesetze

Der stellvertretende Leiter der Hamburger Datenschutzbehörde, Ulrich Kühn, kritisiert dieses Vorgehen: „Die Tracking-Mechanismen sind längst aktiv, wenn ich diese Information sehe, das heißt, ich fälle gar keine Entscheidung“, sagte Kühn dem NDR. Gerade im Umgang mit Gesundheitsdaten sei das nicht ausreichend und könne einen Verstoß gegen Datenschutzgesetze und damit eine rechtswidrige Datensammlung darstellen, die auch zu Sanktionen gegen die Webseitenbetreiber führen könne. Laut Kühne muss auf den Websites erklärt werden, was mit den Daten geschieht. Zudem sei eine ausdrückliche Zustimmung der Nutzer einzuholen, bevor Daten für Marketingzwecke erhoben werden.

Die Datenschutzgrundverordnung (DSVGO), die seit Mai 2018 in Kraft ist, soll Nutzer eigentlich davor schützen, dass persönliche Daten ohne Zustimmung bei Vermarktern landen. Bei einem Verstoß gegen die DSVGO drohen Unternehmen hohe Strafen.

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