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Das war der World Health Summit 2019 „Gesundheit ist ein Menschenrecht“

Es war ein Treffen der Superlative: 2.500 Teilnehmer aus rund 100 Ländern trafen sich letzte Woche zum 11. World Health Summit in Berlin. Drei Tage diskutierten mehr als 300 Sprecher – darunter 20 Minister aus aller Welt – in 50 Sessions Strategien für eine weltweite Gesundheitsversorgung. Einen zweifelhaften Fehltritt leistete sich dabei der Arzt und TV-Moderator Dr. Eckart von Hirschhausen auf der Pressekonferenz.

Der ursprünglich 2009 an der Charité gegründete World Health Summit (WHS) stand dieses Jahr unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sowie WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

„Die Rolle der EU muss stärker werden“

Zur Eröffnung des internationalen Gesundheitsgipfels sprach u.a. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. „Wir wollen, dass die Stimme Europas in der Globalen Gesundheit gehört wird. Die Rolle der EU in internationalen Foren wie der Weltgesundheitsorganisation WHO muss stärker werden“, so der CDU-Politiker.

Der Vorstandsvorsitzende der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Prof. Dr. Heyo Kroemer, erklärte, dass die Hauptstadt einer der Hotspots für Gesundheit geworden sei: „Ich bin überzeugt, dass Globale Gesundheit das wichtige Thema ist, das Medizin, Universitäten, den privaten Sektor und NGOs verbindet." Wie wichtig Zusammenarbeit ist, machte auch WHS-Präsident Prof. Dr. Detlev Ganten deutlich. Probleme könnten nur von Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft gemeinsam gelöst werden: „Es ist an der Zeit zu handeln und Verantwortung zu übernehmen.“

„Alle Menschen haben das Recht auf Gesundheitsdienste“

Der zweite Konferenztag stand dann ganz im Zeichen der Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit, von digitalen Innovationen wie Künstliche Intelligenz für die Gesundheitsversorgung der Zukunft und legte den Fokus u.a. auf Afrika sowie neue internationale Start-ups.

Deutliche Appelle gab es dabei zu Partnerschaften, Investitionen und Innovationen v.a. in Afrika. Denn mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung hat bislang keinen Zugang zu grundlegenden Gesundheitsdiensten. Daher forderte Carissa F. Etienne von der Pan American Health Organization (PAHO) dazu auf, universelle medizinische Versorgung für alle Menschen als politische Priorität zu verankern: „Universell heißt universell. Alle Menschen haben das Recht, Gesundheitsdienste in Anspruch zu nehmen.“

Klimawandel und Gesundheit gehören in die Lehrpläne

Die Pressekonferenz zum Thema „Klimawandel und Gesundheit“ bot zwar überwiegend längst bekannte Fakten, gleichwohl einen aktuellen Überblick. Besonders beeindruckend die Ausführungen von Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz des WWF Deutschland, der plausibel Zusammenhänge erklärte. So warnte er bezüglich der Klimakrise etwa, dass sie auch den Verlust der biologischen Vielfalt antreibe – „das ist, als ginge die Festplatte unserer Erde verloren.“

Als junge Stimme gab Sylvia Hartmann, Vorstandsmitglied der Deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit (KLUG), den Impuls, dass beide Punkte in die Lehrpläne aller Gesundheitsberufe müssen: „Das lernen wir viel zu wenig im Studium“, kritisierte die angehende Medizinerin. Sie rief ebenso dazu auf, dass der Gesundheitssektor politischer werden müsse: „Jede Ärztin, jeder Pfleger kann was tun, genau wie jeder einzelne von uns.“

„Die sollen endlich aufhören zu jammern“

Als Fehltritt muss allerdings der Auftritt von Dr. Eckart von Hirschhausen bezeichnet werden, der die Pressekonferenz für zweifelhafte Parolen nutzte. Beispiel: Tim Mälzer solle mal weggeworfene Lebensmittel aus der Tonne nehmen, um daraus ein Menü zu kochen – „wetten, dass die Leute den Unterschied gar nicht bemerken.“ Und: „Es braucht eine politische Entscheidung, dass wir rauswollen aus der Kohle. Wegen 20.000 Arbeitsplätzen – ich fass‘ mir an den Kopf. … Es gibt nun mal gesellschaftlichen Fortschritt, und es gibt ein paar kleinere Gruppen, für die das blöd ist, aber die können sich doch bitte mit dem ganzen Geld, was wir an Subventionen haben, einen tollen Lebensabend finanzieren und sollen endlich aufhören zu jammern.“

Bei diesen mit viel Elan vorgetragenen Vorschlägen konnte man sich bildhaft vorstellen, wie auch Hirschhausen persönlich Lebensmittel aus der Tonne angelt und bei Arbeitslosigkeit freudestrahlend auf der Straße sitzt. Dass WWF-Vertreter Heinrich noch relativierte, dass der Wandel sozial verträglich stattfinden, die Debatte mit Augenmaß und Empathie geführt werden müsse, machte den faden Nachgeschmack, den der bekannte TV-Moderator hinterließ, nicht besser.

„Wir müssen Global Player sein und Brücken bauen“

Highlight nach zweieinhalb Tagen war das große Abschlussplenum, bei dem die Diskutanten noch einmal zusammenfassten, worum es rund um den Erdball geht. „Gesundheit ist ein Menschenrecht“ – mit diesem Satz, extra auf Deutsch einstudiert, verabschiedete WHO-Generaldirektor Dr. Tedros die Teilnehmer.

„Prävention ist für Gesundheit der wichtigste Punkt, dass Menschen an Informationen kommen“, betonte Liberias Vizepräsidentin Jewel Howard Taylor. Und Brasiliens Gesundheitsminister Luiz Henrique Mandetta appellierte: „Globalisierung bedeutet Bewegung, die Menschen kommen und gehen quer über die Welt – wir müssen in der Gesundheitspolitik gemeinsam agieren, Global Player sein und Brücken bauen."

Deklaration der M8 Allicance

Die M8 Alliance des World Health Summit, ein Zusammenschluss aus 28 Akademischen Gesundheitszentren und Universitäten in 19 Ländern und den wissenschaftlichen Nationalakademien in 130 Ländern, forderte Politiker und Regierungen abschließend auf, wissenschaftliche Erkenntnisse miteinzubeziehen. Zudem müssten alle Beteiligten über nationale Grenzen und Sektoren hinweg zusammenarbeiten: „Nur so können eine gesündere und sicherere Welt gewährleistet und die Ziele für nachhaltige Entwicklung erreicht werden.“

Zu den zentralen Punkten der M8-Deklaration zählt: Der Klimawandel ist eine der größten Gesundheitsbedrohungen der Welt; Universal Health Coverage ist der Schlüssel, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen; digitale Technologien verändern die Gesundheitsversorgung rasant, werden in allen Bereichen von Gesundheit und Pflege Einzug halten, wobei es große Ungleichheiten zwischen Ländern und Bevölkerungsgruppen gibt.

Der nächste World Health Summit findet vom 25. bis 27. Oktober 2020 in Berlin statt.

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