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Geschäftsmodell (engl. Business Model)

Ein Geschäftsmodell ist eine schematische Darstellung, die beschreibt, wie eine Organisation bzw. ein Unternehmen Wertangebote für Kunden schafft und daraus Gewinne erzielt.

1. Synonyme:

Der Begriff wird oftmals synonym verwendet mit dem Begriff „Geschäftsidee“.

2. Kurzhistorie:

Unternehmer und Forscher begannen Mitte der 1990er-Jahre sich systematisch mit neuen Geschäftsmodellen auseinanderzusetzen. Bedingt war diese Entwicklung durch die neuen kommerziellen Möglichkeiten des Internets. Seit den 2000er-Jahren erfolgt eine zunehmend strukturierte bzw. modellhafte Darstellung der Thematik.

3. Ziel:

Geschäftsmodelle werden genutzt, um den unternehmenseigenen Wertschöpfungsprozess besser zu verstehen und zu optimieren. Zudem können Zielbilder für die Weiterentwicklung des Geschäfts definiert werden. Insbesondere erleichtert die Darstellungsmethodik die Kommunikation mit internen und externen Adressaten. Auch kann mit der Methodik das Geschäft von anderen Unternehmen analysiert und so Impulse für das eigene Unternehmen abgeleitet werden.

4. Wesentliche Merkmale:

In der wissenschaftlichen Literatur besteht bisher keine einheitliche Darstellung für Geschäftsmodelle, jedoch basieren alle Ansätze auf einer Reihe an ähnlichen Komponenten. Diese fokussieren sich typischerweise auf die Beziehung zu den Kunden, das konkrete Wert- bzw. Nutzenversprechen, die Organisationsarchitektur sowie den ökonomischen Wertschöpfungsprozess (Fielt 2013). Der ökonomische Erfolg des Unternehmens wird durch die Ausgestaltung und Verknüpfung der einzelnen Komponenten erzielt. Tewes (2018) hat unter den geläufigsten Geschäftsmodelldefinitionen die neun häufigsten Schlüsselkomponenten identifiziert:

  • Wertangebot: Welches Kundenproblem wird gelöst? Welches Kundenbedürfnis wird befriedigt?
  • Kunden: Wie können Kunden segmentiert und integriert werden? Welche Beziehung existiert zu den Kunden?
  • Partner: Welche Partner können Allianzen innerhalb der Wertschöpfungskette bilden?
  • Netzwerk: Wie kann das Netzwerk zu Allianzen außerhalb der Wertschöpfungskette ausgebaut werden?
  • Kanäle: Wie kann eine Verzahnung aus Kommunikation, Vertrieb und Distribution zu einem Kundenerlebnis führen?
  • Fähigkeiten und Aktivitäten: Welche Kompetenzen müssen weiterentwickelt werden? Welche Maßnahmen unterstützen die Entwicklung des Geschäftsmodells?
  • Ressourcen: Durch welche personellen, technologischen, physischen und organisatorischen Ressourcen wird die Funktionsfähigkeit des Geschäftsmodells gewährleistet?
  • Finanzen: Welche Potenziale zur Einnahmegenerierung und Kostenreduzierung können umgesetzt werden?
  • Einfluss: Wie wirken digitale Trends, Megatrends und Umwelteinflüsse auf die Bausteine des Geschäftsmodells?

5. Wesentliche Einsatzgebiete:

Während der Begriff Geschäftsmodell in Bezug auf das Gesundheitswesen noch vor wenigen Jahren eine untergeordnete Rolle gespielt hat, wird die damit verbundene Systematik seit den 2010er-Jahren zunehmend für etablierte und neue Leistungserbringer im Gesundheitswesen adaptiert.

6. Unterscheidung von ähnlichen Begriffen:

siehe Versorgungsmodell

Literatur

  • Fielt E. (2013) Conceptualising Business Models: Definitions, Frameworks and Classifications. In: Journal of Business Models, Vol. 1, Nr. 1: 85–105.
  • Osterwalder A., Pigneur Y. (2010) Business Model Generation - A Handbook for Visionaries, Game Changers and Challengers, John Wiley and Sons, Hoboken, New Jersey.
  • Kollmann T. (2016) E-Entrepreneurship: Grundlagen der Unternehmensgründung in der Digitalen Wirtschaft. Wiesbaden: Springer Gabler.
  • Tewes S. (2018) Geschäftsmodelle entdecken - Die Bausteine des Erfolgs, ZL publishing, Oberhausen.

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Autor:

Prof. Dr. Benjamin Niestroj

Experte für Geschäftsmodellinnovation, Trendforschung und Future Skills

FOM Hochschule

Benjamin.niestroj@fom.de

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