Geburtshilfe: nachhaltige Lösungen gesucht

Die öffentliche Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages nutzen Hebammen, um erneut auf die angespannte Lage in ihrer Branche aufmerksam zu machen. Weiter im Fokus: das Problem der stark steigenden Beiträge zur Berufshaftpflicht.

Die Lage spannt sich aus Sicht der Geburtshelferinnen weiter an. Ein Problem: die stark steigenden Beiträge zur Berufshaftpflicht. – © pag, Thorsten Maybaum

Es gebe immer weniger Versicherungsunternehmen, die überhaupt eine Haftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen anbieten, so Katharina Jeschke vom Deutschen Hebammenverband (DHV). „Wir sind eine kleine Gruppe mit relativ wenig Einkommen.“ Die Zahl der Schäden sei relativ gering, steige auch nicht an, im einzelnen Fall seien die Regulierungskosten aber sehr hoch. Aktuell habe sich Jeschke zufolge auch die Nürnberger Versicherung aus dem Versicherungskonsortium verabschiedet. „Wir haben vom Konsortium auch lediglich eine Zusage bis Sommer 2016“, berichtet Jeschke. Das böte keine Sicherheit und würde zudem strukturelle Probleme nicht beseitigen. Denkbar wären aus Sicht des DHV ein Fondsmodell oder die öffentlich-rechtliche Absicherung des Haftungsrisikos analog zur Gesetzlichen Unfallversicherung.

Die gesetzlich vorgesehene Regelung, „einen Regressausschluss bei Schäden aufgrund von Behandlungsfehlern in der Geburtshilfe von Kranken- und Pflegekassen gegenüber freiberuflich tätigen Hebammen“ einzuführen, begrüßt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) grundsätzlich. „Doch vom Gesetzeswortlaut sind wir enttäuscht“, sagt GDV-Vertreter Niels Hellberg. Der Vorschlag beschränke sich insbesondere nur auf Fälle einfacher Fahrlässigkeit. Der GDV regt an, den Ausschluss für alle Fälle der Fahrlässigkeit in Erwägung zu ziehen, sonst seien vermehrte Prozesse und Kosten programmiert. Zudem sei laut Hellberg nicht damit zu rechnen, dass es zu einer großen Entlastung kommen werde, wenn die Regelung so beibehalten werde – allenfalls in der Größenordnung von fünf bis zehn Prozent.

Fehler und Beinahefehler dokumentieren

Hellberg plädiert zudem dafür, ein Register einzurichten, das Fehler und Beinahefehler dokumentiert. Es könne dazu dienen, Fortbildungen anzupassen und Hebammen für Krisensituationen besser zu schulen. Geburtsschäden, insbesondere schwere Fälle, zu vermeiden, sei jede Anstrengung wert, so Hellberg. „Bereits seit 1999 erfassen wir außerklinische Geburten, zu 85 Prozent“, sagt Anke Wiemer von der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe (QUAG). In einem Portal für den deutschsprachigen Raum „Fälle für alle“ würden durch Hebammen betreute Geburten, Fehler und Beinahefehler beschrieben. Eine gesetzliche Regelung hält sie für fraglich.

Außerdem geht die QUAG-Stellungnahme auch auf grundsätzliche Qualitätserfordernisse ein: Viele Geburtsschäden entstehen auch in der Klinikgeburtshilfe aufgrund von mangelndem Personal und wegen permanenter Überlastung. „Die 1:1 Betreuung sollte nicht in Frage gestellt werden, sie ist ein wesentliches Kriterium für Qualität““, so Wiemer in der Anhörung.

Zum Teil katastrophale Zustände in Kreißsälen

„Wir haben keine sichere Geburtshilfe“, mahnt auch Nitya Runte von „Hebammen für Deutschland“. Sie berichtet von zum Teil „katastrophalen Zuständen“ in manchen Kreißsälen. Es sei eine langfristige und nachhaltige Lösung für die gesamte Geburtshilfe erforderlich.