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Lesetipp Geburt als zentrales Erlebnis

Das Fest der Geburt Jesu Christi feiert jeder auf seine Weise. Unabhängig von Weihnachten haben wir jedoch auch selbst rund um die Uhr mit unserer eigenen Erfahrung zu tun: Die Art und Weise, wie wir das Licht der Welt erblickt haben, prägt mit frühen Eindrücken – unbewusst – unser Leben. So stehen die Auswirkungen im Mittelpunkt dieses Buches, das einen Überblick nicht nur für dazugehörige Berufe, sondern auch zu gesamtgesellschaftlichen Fragen geben will.

Nein, erinnern können wir uns an unsere Geburt natürlich nicht. Doch der Verlauf und das Erleben von Mutter und Kind prägen diese frühesten Eindrücke und entfalten ihre Auswirkungen lebenslang. Und das mehr, als uns im Alltag wahrscheinlich bewusst ist.

Geburtshilfe im 21. Jahrhundert

Die Geburtserfahrung als zentrales Ereignis eines jeden Menschen steht im Fokus dieses Buches, das die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Inés Brock herausgegeben hat.

Die Autoren tragen die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse und fachlichen Reflexionen unterschiedlicher Berufsgruppen rund um das Thema in sich ergänzenden Beiträgen zusammen und geben damit auch Antworten auf gesamtgesellschaftlich relevante Fragen zur Geburtshilfe im 21. Jahrhundert.

Folgen medizinischer Interventionen

Zu Wort kommen etwa Geburtshelfer, Ärzte und Psychotherapeuten. Neben Beiträgen beispielsweise zur primären Einheit von Mutter und Kind während der Entbindung oder zur Rolle des Vaters während des Geburtsvorgangs sensibilisiert das Buch für einen kritischen Blick auf medizinische Interventionen und skizziert, welche Phänomene und Folgen insbesondere für die Kinder sichtbar sind. Die Fachleute thematisieren u.a. traumatische Folgen des Geburtserlebens und geben Handlungsoptionen für die Prävention früher Störungen und deren Heilung.

Am Nerv der Zeit

Geschichtliche und politische Betrachtungen runden das Portfolio ab. Und das wiederum trifft den Nerv der Zeit, in der z.B. Hebammen sich – zu Recht – Gehör verschaffen: Fachkräftemangel, schlechte Bezahlung, zudem schwierige Arbeitsbedingungen legen diesem Berufsstand manch eine Hürde in den Weg.

Es ist auch insofern eine kleine Emanzipation gegenüber dem Thema, weil – so der Arzt Dr. Michel Odent im Vorwort – es bis vor Kurzem kulturell schlicht nicht schicklich war, auf die möglichen Konsequenzen der Art unserer Geburt hinzuweisen.

Mehr Aufmerksamkeit in der Zukunft

Invasive Geburtsmedizin ist heutzutage längst möglich, wird gern genutzt. Doch mit welchen Folgen für Mutter und v.a. fürs Kind, diese Erkenntnisse stehen noch am Anfang bzw. werden, wie die Herausgeberin moniert, oftmals nicht eingebunden.

Eine nicht wirklich „feierliche“ Lektüre in dieser Jahreszeit, doch auf jeden Fall lohnenswert. Denn dass jede Geburt nicht nur zu Weihnachten ein Geschenk, sondern grundsätzlich ein Wunder ist, verdient auch gesellschaftlich in der Zukunft mehr Aufmerksamkeit.

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