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Die Kolumne von Eckhard Eyer Friede auf Erden ...

Auch dieses Jahr konzentriert sich die christliche Weihnachtsbotschaft wieder auf den Frieden, den Frieden auf Erden. Wir denken bei dem Wort Frieden häufig an Krieg und Vertreibung, an Flüchtlinge und menschliches Leid. Es geht dabei aber auch um Gerechtigkeit und die ist v.a. jetzt gefordert.

Dieser Tage, als ich durch die weihnachtlich geschmückte Spielwarenabteilung eines Kaufhauses ging, sah ich Polizeiautos und Polizisten in Uniform auf den Spielzeugtischen. Mir fiel auf, dass in meiner Kindheit die Spielzeugpolizisten Schirmmützen trugen und Spielzeugsoldaten Helme. Heute tragen die Polizisten auf den Spielzeugtischen meistens Helme. Mir wurde bewusst, dass die Spielzeuge ein Abbild der Wirklichkeit sind. Wenn ich im Fernsehen Polizisten sehe, dann tragen die Helme, sei es am Rand von Demonstrationen oder in der Auseinandersetzung mit Demonstranten. Sind die Helme der Polizei – mit geschlossenem Visier – ein Symbol, für das friedliche Zusammenleben in einer immer weiter ausdifferenzierten und bunteren demokratischen Gesellschaft?

Der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein

Der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, heißt es in der Bibel. Das heißt im Umkehrschluss, dass Ungerechtigkeit für Unfrieden, Spannungen und Konflikte sorgt, ja sie geradezu heraufbeschwört. In diesem von Corona geprägten Jahr konnten wir solche als ungerecht erlebten Situationen in vielen Facetten erleben.

Die Menschen die in den Krankenhäusern und Pflegeinrichtungen arbeiteten, ihren Dienst taten, taten das ohne großes Wehklagen. Sie lamentierten nicht über Risikogruppen und die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers, sie erledigten ihre Arbeit – auch als es noch keine ausreichenden Schutzausrüstungen auf dem Markt gab. Was getan werden musste taten sie, sie waren für ihre Kunden, die Patienten und Bewohner, da. Punkt! Und als sie einen Corona-Bonus als Belastungszulage versprochen bekamen, freuten sie sich über die Anerkennung ihrer Arbeit. Die Freude war weniger groß, als sie anschließend mit ansehen mussten wie darüber gestritten wurde, wer den Bonus zahlt.

Einige Bundesländer veränderten wegen Corona sogar die Arbeitszeitgesetze, damit Mitarbeiter im Gesundheitswesen täglich bis zu zwölf Stunden und wöchentlich bis zu 60 Stunden arbeiten können und nennen das „neue Flexibilität“. Als Bauernsohn und Freiberufler kenne ich 80-Stunden-Wochen, aber ich weiß auch, dass diese nicht monatelang – oder gar jahrelang – ohne auszubrennen leistbar sind.

Zweierlei Maß – Gift für Gerechtigkeit und Frieden

Da hatten es die Lehrer einfacher, sie konnten sich zeitweise selbst einer Risikogruppe zuordnen und der Arbeit – bei vollen Bezügen und ohne in Kurzarbeit zu gehen - fernbleiben.

Die von den Ministerien vorgeschlagene Lösungen für den Schulbetrieb in Zeiten der Pandemie wurden von ihrer Gewerkschaft, verschiedenen Lehrerverbänden, den Schulelternsprechern und den Schülersprechern öffentlichkeitswirksam kritisiert und infrage gestellt. Die Kritik erklärte was alles nicht möglich, weil unzumutbar ist und sparte konstruktive Lösungsvorschläge weitgehend aus.

Die Pflegekräfte und Ärzte hatten keine große öffentliche Aufmerksamkeit, sie arbeiteten, kümmerten sich um ihre Patienten und Bewohner, übernahmen Verantwortung und hatten deshalb keine Zeit für große Auftritte.

75 Jahre Frieden

75 Jahre Frieden zwischen den europäischen Staaten bedeutet nicht automatisch ein friedliches Zusammenleben der Menschen in den Staaten. Wir haben es vor 25 Jahren in Jugoslawien erlebt, letztes Jahr bei den Protesten der Gelbwesten in Frankreich und dieses Jahr bei den Corona-Demonstrationen in Deutschland.

Der Kitt, der eine Gesellschaft zusammenhält ist nicht unendlich belastbar. Wir spüren das heute an verschiedenen Stellen im Alltag, in einer immer bunteren demokratischen Gesellschaft, die zunehmend Unterschiedlichkeit und Vielfalt für einen Wert an sich hält, der gar nicht stark genug ausgeprägt sein kann.

Die Freiheit des Einzelnen wird zunehmend betont und über die Grenzen der Freiheit gestellt, die dort endet wo die Freiheit der Anderen beginnt. Die gesunde Balance der eigenen Freiheit und die der Menschen im Umfeld sowie Gerechtigkeit sind die Basis für ein friedliches Zusammenleben, für Friede in unserer Gesellschaft.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen ein besinnliches Weihnachtsfest und ein gesundes und friedliches Jahr 2021

Ihr

Eckhard Eyer

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