Forschung -

Patientensicherheit während der Strahlenbehandlung Forschungsarbeit ausgezeichnet

Johannes Thölking, MSc, hat an der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) ein Verfahren entwickelt, das die Sicherheit der intensitätsmodulierten Strahlentherapie von Krebspatienten erhöhen soll. Dafür wurde er jetzt ausgezeichnet.

Topic channels: Medizintechnik und Patientensicherheit

Ziel der Strahlentherapie ist es, einen Tumor in kürzester Zeit präzise zu bestrahlen, um alle vorhandenen Tumorzellen möglichst vollständig zu zerstören und dabei gesunde Organe bestmöglich zu schonen. Um Fehlbestrahlungen zu vermeiden, werden heutzutage vorab sogenannte Verifikationsmessungen in speziell entwickelten Phantomen durchgeführt. Eine Bestrahlung des Patienten erfolgt erst, wenn diese Messung innerhalb definierter Toleranzen liegt. Diese Methodik minimiert Fehlbestrahlungen, sie erfasst jedoch nicht mögliche Fehler, die während der Bestrahlung des Patienten auftreten können.

Methodik mit hohem Potenzial für Sicherheit und Therapieoptimierung

Um diese Sicherheitslücke zu schließen, arbeitet die Forschungsgruppe um Johannes Thölking an der Entwicklung einer neuen patientenindividualisierten, dreidimensionalen Online-Verifikationsmethode. Diese soll ein erhöhtes Maß an Patientensicherheit während der Bestrahlung gewährleisten und die bisher angewendete, zeitaufwändige vorklinische Bestrahlungsverifikation ersetzen. Die Wissenschaftler kooperieren dabei mit einem Forschungspartner aus Schwarzenbruck, mit der IBA Dosimetry GmbH.

Das Kernstück der Methode ist ein Transmissionsdetektor, der am Bestrahlungsgerät zwischen Strahlenausgangsfenster und Patienten angebracht wird. Mögliche Fehler bei der Einstellung oder Fehler, die durch die Bedinung der Maschine entstehen, könnten somit früh erkannt werden. Zudem könnte mit Hilfe der während der Behandlung gewonnenen Daten die tatsächlich applizierte Dosisverteilung im Patienten berechnet werden – ein wichtiger Schritt hin zur adaptiven Strahlentherapie.

Das Produkt ist fertig entwickelt und durchläuft derzeit die CE-Zertifizierung. Sobald die Zertifizierung abgeschlossen und das Produkt für den klinischen Betrieb freigegeben ist, soll das Verfahren in der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der UMM für eine unabhängige Onlineüberwachung der Patientenbestrahlung eingesetzt werden.

Forschungsarbeit ausgezeichnet

Für seine Arbeit wurde Thölking jetzt von der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (DGMBT) und dem Aktionsbündnis für Patientensicherheit (APS) ausgezeichnet . Der von Dr. med. Hans Heindl gestiftete, mit 6.500 Euro dotierte Preis richtet sich an den wissenschaftlich-technischen Nachwuchs für Arbeiten, die eine erhebliche Verbesserung der Patientensicherheit in einem überschaubaren Zeitraum erwarten lassen.

Titel der ausgezeichneten Arbeit:  Individualisierte drei-dimensionale (3D) Online-Dosisverifikation in der intensitätsmodulierten Strahlentherapie zur Steigerung der Patientensicherheit.

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