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Lesetipp Fokus wieder auf das Patientenwohl richten

Die Autoren – ein Arzt und ein Ökonom – haben im Rahmen einer Studie Ärzte und Geschäftsführer deutscher Krankenhäuser interviewt. Dabei stellten sie fest, dass das Wohl der Patienten mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit oft hintangestellt wird. In dem Buch geben sie Empfehlungen geben, wie das Verhältnis wieder zurechtgerückt werden kann.

Themenseiten: Klinikmarktentwicklung und Krankenhausfinanzierung

Der Ökonom Prof. Dr. Heinz Naegler und der Arzt Prof. Dr. rer. pol. Dr. med. Karl-Heinz Wehkamp stellen in ihrem Buch „Medizin zwischen Patientenwohl und Ökonomisierung“ die Frage, was im Krankenhaus der bestimmende Faktor ist, die medizinische Vernunft oder ökonomische Zwänge. Dazu haben sie 41 Leitfadeninterviews mit fast zu gleichen Teilen Ärzten und Geschäftsführern aus bzw. von deutschen Krankenhäusern geführt.

In seinem Geleitwort beschreibt Prof. Dr. med. Georg Marckmann, MPH, das Dilemma für die Patienten: Fühlen sie ihre Gesundheit den ökonomischen Aspekten eines Hauses untergeordnet, wird das Vertrauen in die behandelnden Ärzte abnehmen.

Die Ergebnisse der Interviews zeichnen demnach zwei unterschiedliche Bilder: Erstens, das der Ärzte, die sich sehr wohl bewusst sind, dass viele ihrer Entscheidungen betriebswirtschaftlich beeinflusst sind und auf Grund dessen in Konflikte mit ihrem ärztlichen Ethos bringt. Zweitens, das der Geschäftsführer, die eine Beeinflussung überwiegend verneinen.

Geschäftsführer drücken sich vor der Verantwortung

So ist es auch nicht verwunderlich, dass Naegler und Wehkamp in ihren Gesprächen etwa zu hören bekommen, dass ein Oberarzt einer Universitätsklinik über die Geschäftsführung sagt, sie blende „die Wirkung ihrer Handlungen auf der medizinischen Ebene aus, hier wird bewusst keine Verantwortung übernommen.“

In den nachfolgenden fast 300 Seiten befassen sich die Autoren mit möglichen Lösungen für das Dilemma. Im letzten Kapitel geben sie zudem Empfehlungen, wie die Situation im eigenen Krankenhaus verbessert werden kann, etwa durch

  • eine Neuausrichtung der Investitionskostenfinanzierung,
  • eine Beseitigung von Überkapazitäten und das Verhindern von neuen,
  • eine Neudefinition der Grund- und Regelversorgung,
  • eine Anpassung der Bewertungsrelationen an die Kostenstrukturen sowie
  • eine Priorisierung medizinischer Leistungen.

Ärzten, die sich mit der Sicht der Ökonomen und Geschäftsführern, die sich mit der Sicht der Mediziner auf ein bestmögliches Funktionieren eines Krankenhauses auseinandersetzen wollen, sei dieses Buch ans Herz gelegt. Mit mehr Verständnis für die jeweils andere Position profitiert letztendlich v.a. der Patient.     

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