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Gesetzliche Krankenversicherungen Finanzreserven schmelzen

Die Finanzreserven der gesetzlichen Krankenversicherung sind im vergangenen Jahr um 12,5 Prozent gesunken. Das zeigen die vorläufigen Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums.

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Insgesamt beträgt die Reserve der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) – Gesundheitsfonds und Kassen – Ende 2015 rund 24,5 Milliarden Euro. Die der Krankenkassen beläuft sich auf 14,5 Milliarden Euro, im Gesundheitsfonds liegen rund zehn Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das ein Minus von 6,45 Prozent bei den Kassen (2014: 15,5 Milliarden Euro) und 20 Prozent im Fonds (2014: 12,5 Milliarden Euro).

Mehr Ausgaben als Einnahmen

Die vorläufigen Finanzergebnisse fallen geringfügig günstiger aus als von den Experten im Oktober 2014 prognostiziert. Fraglich dürfte sein, ob das so bleibt. Die Gesetze der großen Koalition – allen voran das Krankenhausstrukturgesetz, aber auch das Versorgungsstärkungs- und Präventionsgesetz – dürften diese Entwicklung nicht begünstigen. Schätzungen des GKV-Spitzenverbandes zufolge führen alleine diese Reformen zu Mehrausgaben von 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2016 und 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2017. Auf das Jahr 2015 haben die Reformen keinen wesentlichen Einfluss. Somit standen den Einnahmen der Krankenkassen (rund 212,42 Milliarden Euro) Ausgaben von rund 213,56 Milliarden Euro gegenüber. Die GKV stehe „weiter auf einer stabilen Grundlage“, urteilt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Ausgaben steigen langsamer an

Verlangsamt hat sich den Zahlen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zufolge der Ausgabenanstieg. Je Versicherten gab es 2015 einen Ausgabenzuwachs von 3,7 Prozent. Im Gesamtjahr 2014 waren es noch fünf Prozent. Im Einzelnen sind die Arzneimittelkosten der Kassen um absolut 1,7 Milliarden Euro (+4,9 Prozent) gestiegen. Auffällig sind die hohen Ausgaben für die überwiegend im Herbst 2014 zugelassenen Arzneimittel zur Behandlung der Hepatitis C, die 2015 eine Größenordnung von 1,3 Milliarden Euro ausmachten und somit einen erheblichen Teil des Ausgabenanstiegs für Arzneimittel im Jahr 2015 erklären.

Rabatterlöse bringen Entlastung

Zugleich wurden die Krankenkassen durch Rabattvereinbarungen mit pharmazeutischen Unternehmern entlastet. Die Rabatterlöse sind 2015 um rund 460 Millionen Euro gegenüber 2014 auf rund 3,61 Milliarden Euro angewachsen. „Insgesamt haben sich die immer noch deutlichen Ausgabenzuwächse für Arzneimittel im Jahresverlauf 2015 verlangsamt“, heißt es von Seiten des BMGs.

Ausgaben für Krankenhausbehandlungen sind gestiegen

In der vertragsärztlichen Vergütung stiegen die Ausgaben je Versicherten um rund 3,9 Prozent an. Die ärztlichen Honorare erhöhten sich um rund 1,6 Milliarden Euro. Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung gingen um 3,1 Prozent je Versicherten nach oben. Die Kliniken erhielten von der GKV rund 2,5 Milliarden Euro mehr Mittel als 2014.

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