Krankenhaus-Report 2022 Fallzahleinbrüche auch im dritten Pandemiejahr

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Corona-Pandemie

Stabiler Pandemietrend in den Krankenhäusern: In 2021 sind die Fallzahlen ähnlich zurückgegangen wie im ersten Corona-Jahr 2020. Das zeigen Abrechnungsdaten von AOK-Versicherten. Dem Wissenschaftlichen Institut der Ortskrankenkassen (WIdO) zufolge zeigt ein aktueller Blick auf die Omikron-Welle, dass sich die Fallzahleinbrüche auch in diesem Jahr fortsetzen.

Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). – © AOK-Mediendienst

Im Januar und Februar 2022 waren gegenüber 2019 Rückgänge von 22 Prozent bei den somatischen und von 14 Prozent bei den psychiatrischen Fällen zu verzeichnen (s. Abbildung 1). Das berichtet WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber bei der Vorstellung des Krankenhaus-Reports 2022.

Weniger Fälle und höhere Sterblichkeit bei Herzinfarkten und Schlaganfällen

Besorgt zeigt sich Klauber in puncto Notfallversorgung (s. Abbildung 2): Beim Herzinfarkt waren 2021 insgesamt neun Prozent weniger Krankenhausbehandlungen festzustellen als 2019 – der Rückgang war noch ausgeprägter als 2020 (– sieben Prozent). Die Zahl der Schlaganfallbehandlungen lag im vergangenen Jahr sieben Prozent niedriger als 2019 (2020: – fünf Prozent).

Pandemiebedingt fehlende Diagnostik und spätere Behandlung

Stichwort Krebs-Operationen: Der Rückgang bei den Brustkrebs-OPs hat sich 2021 mit minus ein Prozent deutlich abgeschwächt (2020: – fünf Prozent). Bei den Darmkrebs-OPs war der Rückgang dagegen mit minus 13 Prozent gegenüber 2019 sogar noch stärker ausgeprägt war als im ersten Pandemiejahr (2020: – zehn Prozent).

Klauber weist darauf hin, dass in den Krankenhäusern pandemiebedingt auch weniger Darmspiegelungen durchgeführt wurden (– 15 Prozent im Jahr 2020, – 18 Prozent im ersten Halbjahr 2021). Er befürchtet, dass fehlende Diagnostik und spätere Behandlung zu

  • mehr schweren Krebserkrankungen,
  • höheren Tumorstadien bei der Erstdiagnostik und
  • einer Erhöhung der Sterblichkeit führen.

In den Krebsregistern seien diese Effekte bisher allerdings noch nicht sichtbar. Die Daten müsse man weiter im Blick behalten.

Blick auf die Krankenhausreform

Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, lenkt bei der Reportvorstellung den Blick auf die Krankenhausreform. Für notwendig hält sie insbesondere mehr Spezialisierung von Kliniken und eine Konzentration von Leistungen.

„Die Krankenhausstrukturen in Deutschland sind so nicht zukunftsfähig.“

Dr. Carola Reimann

Anhaltende Rückgänge bei planbaren OPs und ambulant-sensitiven Fällen

Bei den planbaren Operationen wie der Implantation künstlicher Hüftgelenke (2021: – zehn Prozent, 2020: – elf Prozent) oder der Entfernung der Gebärmutter bei gutartigen Erkrankungen (2021: – 16 Prozent, 2020: – 14 Prozent) bewegen sich die Rückgänge 2021 gegenüber 2019 ungefähr auf dem gleichen Niveau wie im ersten Pandemiejahr (s. Abbildung 2). Sie haben sich aber in der vierten Pandemiewelle Ende 2021 deutlich abgeschwächt. Auffällig sei der anhaltende Einbruch bei den Mandelentfernungen (2020: – 33 Prozent, 2021: – 49 Prozent). „Bei allen genannten Operationen handelt es sich um Eingriffe, die tendenziell zu häufig und teilweise ohne leitliniengerechte Indikationsstellung durchgeführt werden. Insofern gab es im Zuge der Pandemie offenbar auch einen Abbau von Überversorgung bei diesen Eingriffen“, betont WIdO-Geschäftsführer Klauber.

Covid-19-Fälle v.a. in großen Kliniken behandelt

Bei der Versorgung der stationär behandelten Patientinnen und Patienten mit Covid-19 zeigt sich eine Konzentration auf Universitätskliniken und Krankenhäuser der Maximalversorgung: Ein Viertel der Kliniken hat laut der Auswertung für den Krankenhaus-Report knapp zwei Drittel (62 Prozent) aller stationären Covid-19-Fälle behandelt (s. Abbildung 3). „Die Versorgung dieses Krankheitsbildes ist sehr komplex und aufwendig und sollte in erster Linie an Schwerpunktzentren mit entsprechender Ausstattung und Erfahrung erfolgen. Dies gilt besonders, wenn die Patientinnen und Patienten beatmet oder sogar an eine künstliche Lunge angeschlossen werden müssen. Die Zahlen zeigen, dass es trotz einer bereits vorhandenen Konzentration der Versorgung noch Optimierungspotenzial gibt“, sagt Prof. Dr. Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIN) und Mitglied des Expertenrats der Bundesregierung.

Die Analyse der Krankenhausdaten von insgesamt rund 230.000 AOK-Versicherten an Covid-19-Erkrankten zeigt im bisherigen Verlauf der Pandemie eine hohe Sterblichkeit der stationär behandelten Patientinnen und Patienten von 19 Prozent (s. Abbildung 4). Bei den Beatmeten liegt sie sogar bei 51 Prozent. Besonders hoch ist die Sterblichkeit in der Altersgruppe der über 80-Jährigen mit 76 Prozent.

„Die Einführung der Impfungen sei der wichtigste Meilenstein im Kampf gegen Covid-19 und zum Schutz der älteren Menschen vor einer schweren Erkrankung gewesen“.

Prof. Dr. Christian Karagiannidis

Krankenhaus-Report 2022 zur Patientenversorgung in der Pandemie

Der Krankenhaus-Report, der jährlich als Buch und als Open-Access-Publikation im Springer-Verlag erscheint, greift 2022 als Schwerpunktthema die Patientenversorgung während der Pandemie auf. Neben Fragen zur Versorgung von Patientinnen und Patienten mit und ohne Covid-19 sowie zur Finanzierung der Krankenhäuser in der Krise geht es um die in der Pandemie benötigten Prozesse zur Steuerung der Versorgung in den einzelnen Kliniken, auf regionaler Ebene und auf Bundesebene. Daneben bietet das Buch Grunddaten zur Situation der Kliniken und eine krankenhauspolitische Chronik. Mehr Informationen unter https://link.springer.com/book/9783662646847.