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BWKG-Indikator 2/2015 Fachkräftemangel und rote Zahlen im Gesundheitswesen

Schwierige finanzielle Situation im Gesundheitswesen und Fachkräftemangel in der Branche – das sind zentrale Ergebnisse des BWKG-Indikators (2/2015). Detlef Piepenburg von der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) fasst diese zusammen und benennt Gründe für diese Lage.

Topic channels: Krankenhausfinanzierung und Fachkräftemangel

„Der enge Arbeitsmarkt und ihre wirtschaftliche Situation machen den Gesundheitseinrichtungen im Land aktuell am meisten zu schaffen“, fasst der Vorstandsvorsitzende der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), Detlef Piepenburg, zentrale Ergebnisse des aktuellen BWKG-Indikators (2/2015) zusammen. 48,4 Prozent der Krankenhäuser, 46,9 Prozent der Reha-Einrichtungen und 35,8 Prozent der Pflegeeinrichtungen rechnen für 2015 mit einem Defizit.

Viele freie Stellen

„Der Fachkräftemangel ist keine Theorie mehr – er ist Realität! Es ist alarmierend, dass 80,9 Prozent der Pflegeeinrichtungen Probleme haben, das notwendige Fachpersonal zu finden. Hinzu kommt nun, dass sich auch die Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen immer schwerer damit tun, Pflegefachkräfte zu finden“, unterstreicht der Vorstandsvorsitzende, der auch Landrat des Kreises Heilbronn ist.

Jeweils gut 58 Prozent der Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen haben beim BWKG-Indikator 2/2015 angegeben, dass es schwierig oder eher schwierig ist, freie Stellen im Pflegedienst zu besetzen. Das sind die höchsten Werte, seit diese Frage im Frühjahr 2011 erstmals gestellt wurde. Schwierigkeiten bei der Besetzung von freien Arztstellen melden 55,9 Prozent der Krankenhäuser und sogar 75 Prozent der Reha-Einrichtungen.

Für mehr Nachwuchs sorgen

„Die Gründe für die wachsenden Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden, sind vielfältig“, erklärt Piepenburg weiter. So steige einerseits die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften im Gesundheitswesen. Andererseits nehme das Angebot wegen der geburtenschwachen Jahrgänge ab. „Die Gesundheitseinrichtungen können auf dem engen Arbeitsmarkt im Land nur erfolgreich konkurrieren, wenn sie attraktive Arbeitsbedingungen bieten können“, stellt Piepenburg klar. Hierzu gehörten neben einer guten Bezahlung auch planbare Arbeitszeiten, Aufstiegs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten sowie keine belastende Arbeitsverdichtung.

„Um eine weitere Verschärfung des Fachkräftemangels zu verhindern, müssen Bund und Länder jetzt gemeinsam gegensteuern“, fordert der Vorstandsvorsitzende. Aktuell stehen die Beratungen zum Pflegeberufsgesetz an. Wichtig sei, dass die generalistische Pflegeausbildung nicht dazu führe, dass die bislang überdurchschnittlichen Ausbildungskapazitäten in Baden-Württemberg abgebaut werden. „Die Ausbildung muss für die Einrichtungen leistbar bleiben. Die Finanzierung muss gesichert sein. Der neue Beruf muss dem Nachwuchs Perspektiven bieten“, fordert Piepenburg.

Da das Gesetz zustimmungspflichtig sei, müsse das Land aktiv werden, auch wenn eine tragfähige Lösung etwas länger dauern sollte. Darüber hinaus müsse das Land dafür sorgen, dass ausländische Abschlüsse schnell und unbürokratisch anerkannt werden.

Finanzielle Lage im Gesundheitswesen

Die finanziellen Rahmenbedingungen der Gesundheitseinrichtungen sind laut BWKG nach wie vor schwierig. Für 2016 würden beispielsweise 48,8 Prozent der Krankenhäuser rote Zahlen erwarten. „Mit Sorge blicken die Krankenhäuser auf das Jahr 2016“, macht Piepenburg klar. Grund hierfür sei, dass bislang noch kein Landesbasisfallwert für 2016 verhandelt werden konnte. Zu groß seien aktuell die Differenzen zwischen Krankenkassen und Krankenhäusern.

Auch die Reha-Einrichtungen sind finanziell nicht gut aufgestellt, wie das BWKG vermeldet. 46,9 Prozent der Einrichtungen würden für das Jahr 2015 mit roten Zahlen rechnen. „Es ist dringend notwendig, dass sich die Politik das Thema Rehabilitation im kommenden Jahr auf die Fahnen schreibt“, betont Matthias Einwag, der Hauptgeschäftsführer der BWKG. Hier setzt die landesweite BWKG-Reha-Kampagne mit dem Motto „Umsonst ist keine Reha“ an.

Auch die Pflegeeinrichtungen hätten nach wie vor mit schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen zu kämpfen. 35,6 Prozent der Pflegeeinrichtungen würden für das Jahr 2015 mit roten Zahlen rechnen. Große Sorge bereite den Pflegeeinrichtungen im Land, dass sie ihre Investitionskosten nicht angemessen finanzieren können. Dadurch, dass die Objektförderung in der Altenpflege ausläuft und durch die Landesheimbauverordnung, müssen  die Einrichtungen ihre Investitionskosten neu berechnen müssen.

Landesheimbauverordnung

Seit Jahren werde auf der Selbstverwaltungsebene vergeblich versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden. „Wir fordern vom Land, dass es nach der Wahl eine Verordnung zu Berechnung der Investitionskosten erlässt“, meint Einwag.

Ab Herbst 2019 gilt laut BWKG die Landesheimbauverordnung grundsätzlich auch für bestehende Einrichtungen in der Altenpflege und im Behindertenbereich. Ab dann dürfen Einrichtungen nur noch Einzelzimmer und Wohnbereiche mit maximal 15 Bewohnern anbieten. Die bestehenden Übergangsregelungen sind nach Meinung von Einwag nicht ausreichend.

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