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Extremkostenfälle: Uniklinika laut InEK unterfinanziert

Universitätsklinika und Maximalversorger sind besonders von so genannten Extremkostenfällen betroffen. Das geht aus dem ersten Extremkostenbericht des Instituts für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) hervor.

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Dem Bericht zufolge zeichnen sich rund 55 Prozent der analysierten Krankenhäuser durch eine Überdeckung der Kostenausreißer aus, 45 Prozent durch eine Unterdeckung. Besonders von Unterfinanzierung betroffen sind Universitätskliniken und Maximalversorger. Diese wiesen "im Durchschnitt eine signifikant erhöhte Belastung" aus. Das gelte sowohl für den Anteil an Ausreißern als auch die Höhe der Unterdeckung. Die Ursachen sind dem Institut zufolge "vielfältig" und ließen sich nicht auf einfache Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge reduzieren.

"Die Auslastung der Stationen scheint beispielsweise bei der Neonatologie ursächlich für die hohen Kosten zu sein", heißt es im Report. Der größte Erklärungsbeitrag für die unterschiedliche Belastung mit Kostenausreißern ergibt sich dem Institut zufolge durch das individuelle Leistungsportfolio der Krankenhäuser. Die Bettenzahl oder die Versorgungsstufe allein ergäben keinen eindeutigen Hinweis auf die zu erwartende Belastung mit Kostenausreißern, heißt es.

Auf Grundlage der Analysen hat das InEK für 2015 nach eigenen Angaben Korrekturen an den DRG vorgenommen. Das Institut weist aber auch darauf hin, dass durch späte Anhaltspunkte nicht alle Problemfälle in diesem Jahr berücksichtigt werden konnten. Das sei u.a. bei kinderonkologischen Fällen der Fall. Die Auftraggeber des Gutachtens – GKV-Spitzenverband, Verband der Privaten Krankenversicherung und Deutsche Krankenhausgesellschaft – fordern das InEK auf, zu prüfen, inwiefern kinderonkologische Fälle 2016 besser abgebildet werden können.

VUD sieht sich bestätigt

Der Verband der Universitätsklinika (VUD) sieht sich durch das Gutachten bestätigt. Es zeige, dass Universitätsklinika im Fallpauschalen-System nicht immer ausreichend finanziert seien, sagt VUD-Generalsekretär Ralf Heyder. Er bezeichnet Änderungen im Fallpauschalen-Katalog als "denkbaren Weg". Allerdings dürfe dadurch die Komplexität des DRG-Systems nicht noch weiter steigen. "Sollte eine Lösung alleine über den Katalog nicht gelingen, dann dürfen pauschale Extremkostenzuschläge als Belastungsausgleich kein Tabu sein", sagt Heyder.

Das InEK hat den Extremkostenbericht für das Jahr 2015 erstmalig veröffentlicht. Der Report soll jährlich systematisch prüfen, ob und wenn ja, in welchem Umfang Krankenhäuser mit extrem hohen bzw. mit extrem niedrigen Kosten im Vergleich zu den erzielten Erlösen konfrontiert werden.

Den Report gibt es auf der Internetseite des InEK.

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