Ethik -

Ethikrat gegen Gesetzesänderung bei Sterbehilfe

In einer Ad-hoc-Stellungnahme hat sich der Deutsche Ethikrat gegen eine Gesetzesänderung beim Thema Sterbehilfe ausgesprochen. Gespräche über Suizidgedanken sollen aber trotzdem in einem Arzt-Patientengespräch möglich sein.

Themenseiten: Ethik und Sterbehilfe

Beim Thema Beihilfe zur Selbsttötung fordert der Deutsche Ethikrat Kontinuität. Das derzeit geltende Strafrecht sollte "nicht grundsätzlich geändert werden", schreibt das Gremium in einer Ad-hoc-Stellungnahme. Damit knüpft der Ethikrat  an seine 2012 geäußerte Einschätzung an, dass ein gesetzliches Verbot ausschließlich der gewerbsmäßig organisierten – also der kommerziell betriebenen Suizidbeihilfe – mehr Probleme schafft als löst.

Das Gremium bekräftigt in dem Papier, dass die Strafbarkeit der Tötung auf Verlangen (§ 216 StGB) unverändert erhalten bleiben müsse. Eine eigene gesetzliche Regulierung – etwa der ärztlichen Suizidbeihilfe – lehnt die Mehrheit des Ethikrates ebenso ab wie für eine andere Berufsgruppe. Allerdings solle der Gesetzgeber die Suizidbeihilfe untersagen, sobald diese Wiederholung angelegt sei und öffentlich erfolge.

"Eine Suizidbeihilfe, die keine individuelle Hilfe in tragischen Ausnahmesituationen, sondern eine Art Normalfall wäre, etwa im Sinne eines wählbaren Regelangebots von Ärzten oder im Sinne der Dienstleistung eines Vereins, wäre geeignet, den gesellschaftlichen Respekt vor dem Leben zu schwächen", schreibt der Ethikrat.

Schwer Kranke müssen mit dem Arzt über Suizidgedanken sprechen können

Die Mitglieder zeigen in ihrer Stellungnahme Verständnis für die Haltung der Ärztekammern und der Bundesärztekammer, dass für diese die Mitwirkung des Arztes bei der Selbsttötung keine ärztliche Aufgabe sei. Sie mahnen aber auch an, dass es "nicht zuletzt im Sinne der Suizidprävention" für schwer kranke Patienten wichtig sei, "in ihrem Arzt auch dann einen vertrauensvollen Ansprechpartner zu sehen, wenn sie mit dem Wunsch nach einem vorzeitigen Tod ringen". Jeder Patient müsse sich darauf verlassen können, dass im geschützten Raum des Arzt-Patienten-Verhältnisses ein offenes Gespräch zwischen Arzt und Patient über suizidale Gedanken bzw. Absichten geführt werden könne.

Die Mehrheit des Gremiums fordert die Ärztekammern auf, einheitlich zum Ausdruck zu bringen, "dass ungeachtet des Grundsatzes, dass Beihilfe zum Suizid keine ärztliche Aufgabe ist, im Widerspruch dazu stehende Gewissensentscheidungen in einem vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnis bei Ausnahmesituationen respektiert werden".

Ethikrat fordert Ausbau der Palliativ- und Hospizversorgung

In seiner Stellungnahme spricht sich der Ethikrat dafür aus, die Palliativ- und Hospizversorgung auszubauen und die Suizidprävention zu stärken. Darüber hinaus fordert er, der Gesetzgeber müsse im Betäubungsmittelrecht klarstellen, dass eine im Ausnahmefall erfolgende Verschreibung von Betäubungsmitteln auch im Rahmen einer Beihilfe zu einem frei verantwortlichen Suizid nicht strafbar ist.

Die vollständige Ad-hoc-Empfehlung finden Sie auf der Website des Ethikrates.

© hcm-magazin.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen