43. Deutscher Krankenhaustag auf der virtual.MEDICA „Es gibt kein Zurück in die guten alten Zeiten“

Zum ersten Mal in der Veranstaltungsgeschichte findet die Weltleitmesse Medica 2020 komplett virtuell statt – damit auch der 43. Deutsche Krankenhaustag. Das Motto im Corona-Jahr: „Postpandemische Perspektiven für die Krankenhäuser“. Ein Einblick in die Eröffnungsveranstaltung.

Postpandemische Perspektiven sind das Motto des 43. Deutschen Krankenhaustages, der 2020 im Rahmen der virtual.Medica digital stattfindet. – © Deutscher Krankenhaustag

„Wir müssen jetzt die Zukunft unserer Kliniklandschaft gestalten – es gibt kein Zurück in die guten alten Zeiten“, erklärte Dr. Sabine Berninger, Pflegedirektorin am KJF – Klinik Josefinum Augsburg und Kongresspräsidentin des 43. Deutschen Krankenhaustages in ihrer Eröffnungsrede des virtuellen Events am 16. November 2020. Dieses haben die Veranstalter unter das Motto „Postpandemische Perspektiven für die Krankenhäuser“ gestellt. Dabei kommt es laut Dr. Berninger v.a. auf Antworten auf folgende drei Fragen an:

  1. Was lernen wir aus den bisherigen Entwicklungen?
  2. Was machen wir zukünftig nicht mehr?
  3. Was machen wir in Zukunft anders?

Die Pflegedirektorin forderte Krankenhäuser, Kostenträger und Politik dazu auf, gemeinsam ins Gespräch zu kommen – und zwar „jetzt“. „Wenn wir über postpandemische Perspektiven nachdenken, fordern wir von Bundesgesundheitsminister hier und heute, die Rahmenbedingungen pandemisch pragmatisch zu optimieren, damit wir Handlungsmöglichkeiten haben“, sagte Dr. Berninger. Ein „Weiter so“ und „Augen zu und druch“ werde es nicht geben. Es brauche mutige Entscheidungsträger, die Verantwortung übernehmen und handeln, um den Akteuren im Gesundheitswesen die Rücken freizuhalten.

Spahn sendet Videobotschaft

Mit dem Bundesgesundheitsministeriums gab es in diesem Jahr keinen direkten Live-Austausch – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn meldete sich stattdessen mit einer Videobotschaft zu Wort. Darin betonte er, dass „niemand wirtschaftlichen Schaden erleiden“ werde, der sich vorbereitet und sich um die Behandlung von Patienten mit Corona kümmern würde und kündigte an, dass über weitere Maßnahmen dahingehend konkret und aktuell beraten werde.

Dr. Gerald Gaß,Präsident, Deutsche Krankenhaus Gesellschaft e.V. (DKG), betonte in seinem Statement die enorme Bedeutung des „Rettungsschirms 2.0“, bei dem es noch in dieser Woche zu einer Verabschiedung kommen soll. Unabdingbare Grundlage ist nach Aussage von Dr. Gaß ein „praktikabler Handlungsspielraum“ für die Länder im Rahmen vorgegebener Maßnahmen. „Wir befinden uns in einem Ausnahmezustand, den wir nicht ohne Entscheidungsspielraum gestalten können“, sagte Dr. Gaß. Außerdem brauche es Regelungen für das kommende Jahr.

Auch Dr. Josef Düllings,Präsident, Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. (VKD), kritisierte die bislang vorgesehenen Regelungen im Rettungsschirm 2.0 als „bürokratisch“ und ohne nötige Flexibilität und Planungssicherheit. So dürfe es z.B. bei der Berechtigung von Ausgleichszahlungen auch nur rein um Intensivbetten gehen. Postpandemisch betrachtet, brauche es vielmehr eine ganzheitliche Reform der Vergütung, Vorhaltung und Investition. „Eine hochwertige Patientenversorgung wie sie die Bevölkerung erwartet, erfordert ein klares politisches Bekenntnis“, schloss Düllings in seinem Vortrag und zitierte Laotse: „Wer sein Ziel kennt, findet den Weg.“

Problem: Bepflegbare Betten

Zweites großes Fokusthema bei der Eröffnung war die Pflege bzw. der Personalmangel in der Pflege. „Es ist endlich angekommen, dass es nicht um die Betten geht, sondern um bepflegbare Betten“, sagte Dr. Berninger. Um dieses Problem, bei dem sie nicht mehr von einer Herausforderung sprechen wolle, zu lösen, brauche es eine Stärkung des Pflegeberufes und bessere Arbeitsbedingungen. „Wir fordern die Politik dringend auf gemeinsam einen Masterplan zu erarbeiten“, so Dr. Berninger, der auch eine Neuordnung der Aufgaben sowie die Digitalisierung zur Entlastung bei der Bürokratie miteinbezieht. Dr. Berninger sprach außerdem vom „Team Gesundheit“, das gemeinsam und auf Augenhöhe die Patientenversorgung meistert, ohne dass sich „Ärzte und Pflege auseinanderdividieren lassen“.

Konstruktive Verbesserung – gemeinsam

Auch die leitenden Krankenhausärzte, vertreten durch Dr. Michael A. Weber, Präsident, Verband der leitenden Krankenhausärzte Deutschlands e.V. (VLK), schlägt in die gleiche Kerbe. „Wir brauchen Planungssicherheit für Personalausstattung und attraktive Arbeitsplätze“, heißt es von Dr. Weber. „Das gemeinsame Auftreten der Verbände sollte klar machen, wie groß unsere Bereitschaft ist, uns an konstruktiven Verbesserungen zu beteiligen.“

IT-Entscheiderfabrik auf dem Deutschen Krankenhaustag

Am Dienstag, 17. November 2020, findet im Rahmen des 43. Deutschen Krankenhaustages die Live-Videoübertragung der Entscheiderfabrik statt. Thema: Unternehmenserfolg durch nutzenstiftende Digitalisierungsprojekte.

HCM wird auch hier wieder mit dabei sein, und im Nachgang u.a. im Sonderheft IT-Branchenreport darüber berichten.

Wenn Sie am virtuellen 43. Deutschen Krankenhaustag teilnehmen möchten, können Sie sich mit einem Klick hierauf kostenlos anmelden und in die Live-Übertragungen einwählen.

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    Dr. Sabine Berninger, Pflegedirektorin am KJF – Klinik Josefinum Augsburg und Kongresspräsidentin des 43. Deutschen Krankenhaustages bei ihrer Eröffnungsrede des virtuellen Events am 16. November 2020.
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    Dr. Josef Düllings (rechts), Präsident, Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands e.V. (VKD), beim 43. Deutschen Krankenhaustag.
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    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sendete eine Videobotschaft auf den 43. Deutschen Krankenhaustag.
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    Dr. Gerald Gaß, Präsident, Deutsche Krankenhaus Gesellschaft e.V. (DKG), betonte in seinem Statement die enorme Bedeutung für den „Rettungsschirm 2.0“ bei dem es noch in dieser Woche zu einer Verabschiedung kommen soll.