Health&Care Aktuell -

Interview mit Matthias Gruhl „Es geht um die erleichterte Mobilität im Binnenmarkt“

In Abstimmung mit den interessierten Kreisen wird die Europäische Kommission die Richtlinie über Berufsqualifikationen (Richtlinie 2005/36/EG) überarbeiten. Matthias Gruhl, der die Stellungnahme der Bundesländer zum Grünbuch vom 22. Juni 2011 erarbeitet, stellt sich den Fragen von HCM.

HCM: Herr Gruhl, welche Auswirkungen sind durch die EU-Reformpläne für die Berufsrichtlinie für die europäische Wirtschaft zu erwarten?

Gruhl: Die freie Ausübung des Berufes innerhalb der Europäischen Kommission ist eines der wesentlichen Kernelemente der europäischen Einigung. Die Berufsanerkennungsrichtlinie ist dabei eines der Instrumente, das dafür einen verlässlichen und viel genutzten Rahmen schafft. Sie wird von den Bürgern der Europäischen Union in den letzten Jahren zunehmend genutzt, auch wenn dies unzweifelhaft Probleme im Herkunftsland durch Abzug wertvoller Arbeitskräfte bedingen kann. Allerdings zeigt sich, dass es durchaus Gegenbewegungen gibt, die im Laufe der Zeit kompensatorisch auf den jeweiligen Arbeitsmarkt wirken.

HCM: Im Grünbuch werden neue Ideen zur Erleichterung der Mobilität im Binnenmarkt vorgestellt. Die EU diskutiert u.a. die Mindestausbildungsanforderungen für bestimmte Berufe zu reformieren. Welche Änderungen würden sich für die Gesundheitberufe ergeben?

Gruhl: Sie haben Recht. Es geht um die Erleichterung der Mobilität im Binnenmarkt. Beabsichtigt ist, in einem ersten Schritt eher formale Hindernisse zu beseitigen und anschließend in dem zweiten Schritt grundlegende Vergleichskriterien wie Ausbildungsinhalte, beispielsweise Kompetenzen, neu zu ordnen.

Ziel ist es, insgesamt den Prozess der Anerkennung transparenter, schneller und letztendlich auch für den Arbeitnehmer effektiver zu gestalten. Gleichzeitig soll aber auch sichergestellt werden, dass schwerwiegende Verfehlungen, die sich ein Migrant im Gastland hat zu Schulden kommen lassen, anderen EU-Ländern bekannt werden. Dies kann der Patientensicherheit dienen.

HCM: Es wird auch über die Anhebung der Zugangsvoraussetzungen auf zwölf Jahre Allgemeinbildung diskutiert. Kritiker behaupten, dies würde potenziellen Bewerbern den Zugang zu einem Beruf im Gesundheitswesen verwehren. Teilen Sie diese Ansicht?

Unterbeiträge zu diesem Artikel
© hcm-magazin.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen