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Marketing für Senioreneinrichtungen Es braucht lokale Präsenz und digitale Vernetzung

Auf dem 4. Fachkongress „Marketing für Senioreneinrichtungen“ im Oktober 2017 erfuhren die Teilnehmer, wie sie digitale Lösungen ideal für praxisbezogene Marketingkonzepte einsetzen können. Besonders erfolgreiche Strategien haben den Marketing-Preis erhalten. Weiteres Highlight: die Marketing-Werkstatt.

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„Marketing als lokale Herausforderung" lautete der Themenschwerpunkt des 4. Fachkongresses „Marketing für Senioreneinrichtungen“ am 11. Oktober 2017 in Düsseldorf. Hier demonstrierten die Referenten, wie man als Senioreneinrichtung unter Nutzung der Digitalisierungsmöglichkeiten einen entscheidenden Erfolg im Marketingwettbewerb erreichen kann. Nach der Auffassung von Dr. Thomas Hilse, Inhaber der Marketing- und Kommunikationsberatung Hilse Konzept, sei der Wachstumsmarkt Pflege zukünftig noch mehr vom Wettbewerb um Personal, Standorte und Versorgungskonzepte gekennzeichnet. Das beschere standortbezogene Marketingkonzepte für den unternehmerischen Erfolg eine noch höhere Bedeutung.

Zum Einstieg hielt Martin Kaiser, Geschäftsführer Städtische Seniorenheime Dortmund gGmbH, den Vortrag „Lame Duck oder innovative Netzwerke? Kommunale Träger (er)finden sich neu!“ Er skizzierte wie sein Unternehmen auf die politische Kampfansage „ambulant vor stationär“ reagiere und dabei in keiner Weise als „lahme Ente“ zu bezeichnen sei. Vielmehr habe man konsequent die Bedürfnisse der unterschiedlichen lokalen Anspruchsgruppen von Bewohnern, Angehörigen, Mitarbeitern wie auch den Wettbewerb in der Kommune analysiert und aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse konsequent auf Netzwerke und den Aufbau hybrider Modelle gesetzt. Maßgeblich für die Versorgung seien laut Kaiser gemeinsame Werte, sodass man verstärkt einen Careholder Value statt eines Shareholder Value in den Fokus nehmen solle.

Marketing on demand wirksam nutzen

Einen Ansatz, wie sich private Betreiber im lokalen Markt erfolgreich aufstellen können, lieferte Thomas Weiss , Leiter Marketing DSG Deutsche Seniorenstift Gesellschaft mbH & Co. KG, Hannover. Trotz der Erkenntnis, dass die Kunden seines Unternehmens v.a. aufgrund von Empfehlungen gewonnen würden, sieht er die Notwendigkeit, lokales Marketing systematisch zu betreiben, dabei digital zu denken und lokal umzusetzen. Da „ein Heim solange keine Option ist, bis es die einzige Option ist“, bekäme Marketing on demand einen herausragenden Stellenwert. Es muss sicherstellen, zum richtigen Zeitpunkt auffindbar zu sein und Leistungen transparent darzustellen. Weiss beschrieb u.a. den Einsatz von Google AdWords, Suchmaschinenoptimierung, Local Stacks und Bewertungsportalen, um zu belegen, dass „digitales Marketing wie der Aufbau eines Ikea-Regals funktioniere – etwas kompliziert, aber man kann es selbst machen!“ Abschließend mahnte er an, dass am Ende des nur circa achttägigen Customer Journey bei der Suche einer Pflegeeinrichtung der „final moment auf truth“ zähle – sprich: der erste reale Eindruck der Einrichtung sei entscheidungsrelevant.

Der Meinung, dass aus Gründen der Glaubwürdigkeit und Vertrauensbildung Leistungsversprechen vor Ort erlebbar eingelöst werden müssten, schloss sich Dr. Bernd Schubert, Geschäftsführer AWO Landesverband Schleswig-Holstein e.V., Kiel, an. Er veranschaulichte, dass es letztlich die Mischung aus offline und online sei, die ein erfolgreiches Marketing ausmache. Die Entwicklung einer pflegespezifischen Unternehmer- und Arbeitgebermarke seines Unternehmens baue auf dem besonderen Versorgungskonzept der AWO Wohnpflege mit Service auf und nutze individuell ausgeformte Marketing-Instrumente für Kunden, Mitarbeiter und Banken/Investoren/Politik.

Digitalisierung und Vernetzung als Chancenbringer

Der Digitalisierung als zweitem Themenschwerpunkt der Veranstaltung widmete sich Prof. Dr. Britta Böckmann vom Fachbereich Medizinische Informatik der Fachhochschule Dortmund. Sie referierte über „Neue Chancen für Dienstleister durch Digitalisierung am Beispiel des Projekts Pflege im Quartier“ und nannte Digitalisierung und Vernetzung als die wesentlichen Herausforderungen, um in Zukunft neue Technologien für längeres selbstbestimmtes Leben zu nutzen. Für Senioren und deren Angehörige, Ärzte oder Pflegedienste spiele gleichermaßen ein nahtloser Austausch von Daten kombiniert mit intelligenten Services eine zentrale Rolle. Mit der Entwicklung einer entsprechenden App sei die Pilotkommune Gelsenkirchen bereits am Start.

Die Mitarbeiterzufriedenheit spielt mit

Monder Kassem, Leiter des Bereichs Pflege von PricewaterhouseCoopers, demonstrierte wie „Personalmarketing als Instrument zur Implementierung personalisierter Pflege“ fungiere. Er konnte anhand aktueller Befragungsergebnisse belegen, dass zufriedene Mitarbeiter mehr Leistung erbringen, seltener krank seien, ihre Arbeitsergebnisse reflektieren und ihr tägliches Handeln deutlich stärker an den Wünschen der Bewohner orientieren und somit zu einer besseren Arbeitsqualität und größeren Zufriedenheit beitragen. Dieser Prozess sei durch finanzneutrale Maßnahmen in Gang zu bringen und lohne sich vor dem Hintergrund, dass der teuerste Mitarbeiter derjenige sei, der das Unternehmen wegen persönlicher Unzufriedenheit verlasse, besonders.

Personalmarketing und Marktgegebenheiten gehören zusammen

In der interaktiven Marketing-Werkstatt zeigte sich als Conclusio, dass eine konsequente Verfolgung der Zielgruppenbedürfnisse gepaart mit einer Anpassung der eigenen Erwartungshaltung an die realen Marktbedingungen Leitgedanke aller Marketingaktivitäten sein müsste. Insbesondere für das Personalmarketing müsse man aufhören, über den Personalnotstand zu jammern, sondern die Macht des Faktischen akzeptieren und mit entsprechenden Maßnahmen reagieren.

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