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conhIT 2016 in Berlin Es bewegt sich etwas

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen in Deutschland schreitet voran – peu à peu. Die conhIT 2016 hat eindeutig gezeigt, dass ausreichend Elan und Potenzial seitens der Industrie, aber auch der Politik vorhanden sind. Nun kommt es auf die Praktiker, das Klinik-, Pflegeheim- und Praxispersonal, an, diese für sich und eine bessere Patientenversorgung zu nutzen. Derzeit sind sie die Getriebenen der Digitalisierung, ihre Impulse werden dringend gebraucht.

Themenseiten: E-Health, Informationstechnik und Digitalisierung
Es bewegt sich etwas
Die Entwicklung ist bereit für die Digitalisierung im Gesundheitswesen - das zeigte die conhIT 2016 in Berlin ganz deutlich. -

„Es gibt kein digitales Gesundheitswesen in einer analogen Selbstverwaltung“, erklärte Matthias Meierhofer vom Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg e.V.) bei seiner Eröffnungsrede der conhIT 2016 in Berlin. Deshalb stehe derzeit primär die alle Sektoren einende Frage im Raum: „Wie kann man Digitalisierung im Gesundheitswesen aufbauen und erhalten?“ Die aktuell verfügbaren mHealth-Anwendungen sind bereits beim Patienten angekommen – jetzt werden die Leistungserbringer im Gesundheitswesen damit konfrontiert. Einen Weg vorbei an Digitalisierung gibt es nicht mehr – spätestens seit dem E-Health-Gesetz. „Wir wollen die Möglichkeiten der Digitalisierung für eine bessere Patientenversorgung noch besser nutzen“, erklärte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe dazu. Nach einem Messerundgang zu ausgewählten Unternehmen richtete er seine Ansprache an die Veranstalter, Aussteller und Fachbesucher. „Im Fokus soll der Patient stehen“, da sind sich Gröhe und die Industrie einig – die vorgestellten Produktlösungen würden das beweisen. Bis die Digitalisierung allerdings flächendeckend im deutschen Gesundheitswesen angekommen ist, dauert es wohl noch. Gröhes Wunsch: „Eine gleich gute Versorgung von Stadt und Land durch den vermehrten Einsatz von Telemedizin erreichen.“ Dafür sieht er in erster Linie das E-Health-Gesetz als „wichtigen Push“ an, bei dem es nicht bleiben soll. Bis 2017 will Gröhe z.B. einen Weg finden, konkrete telemedizinische Leistungen, wie die Onlinesprechstunde, abrechnungsfähig zu machen. Das mache zum einen ein Voranschreiten der Digitalisierung möglich und sorge zum anderen z.B. für eine deutliche Erleichterung bei Nachsorge und Kontrolle. Generell solle man aber einen „globalen Marktplatz“ für Technologien im Gesundheitswesen schaffen. Dabei muss laut Gröhe der Mensch immer das letzte Wort haben – auch wenn der Wandel ab sofort schneller kommen müsse als in den letzten Jahren. „Wir können sehr gespannt sein, wie die digitalen Anwendungen akzeptiert werden. Wenn sie tatsächlich im Alltag helfen, werden sie auch eingefordert werden“, meinte Gröhe und beschrieb damit die derzeitige Situation in der Digitalisierung, in der die Entwicklung der Praxis weit voraus ist.

Ein Cyborg gibt Ratschläge

Highlight unter den Vorträgen war wohl der von Enno Park. Der Vorsitzende von Cyborgs e.V. bezeichnet sich selbst als „digitalisierten Patienten“. Er hat als Jugendlicher das Gehör verloren und lebt seit vielen Jahren mit einem künstlichen elektronischen Gehör. „Ich erlebe seit den 80er Jahren die Digitalisierung im Gesundheitswesen“, sagte Park. Eine Bitte hat er an die Entwickler und Hersteller im Gesundheitswesen: „Integrieren Sie den Patienten beim Design von Prozessen. Sonst fühlt sich der Mensch als Teil von Maschinen und wandert zu Alternativen ab.“ Außerdem: „Verschlüsselung und Absicherung sind wahnsinnig wichtig“, warnte der Experte und riet: „Stellen Sie schon mal einen Hacker an, der Ihr System prüft!“

Wie es um die Qualität der bereits erfassten Daten im Gesundheitswesen steht, wurde in einer der messebegleitenden Sessions zum Thema „Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung – die Bedeutung der Datenqualität für die Optimierung von Versorgungsprozessen“ thematisiert. Andre Cools von 3M Deutschland erklärte dazu, wie derzeit Qualitätsmessung mit erhobenen Routinedaten funktioniert. Dabei wies er expliziet auf die Grenzen von daraus errechneten Qualitätsindikatoren hin. Diese könnten zwar Aufschluss über Schwachstellen und Handlungsfelder geben, seien aber immer abhängig von der Kodierung und können daher laut Cools nicht dazu verwendet werden, Qualität zu zeigen.

Big Data zu Smart Data machen

Dr. Frieder G. Knebel von den Thüringen-Kliniken Georgius Agricolar zeigte in seinem Vortrag Denkfehler auf, die oft gemacht werden, wenn es um die Kommunikation zwischen Medizinern und EDV-Mitarbeiter geht – oftmals eine Bremse für Fortschritt in der Digitalisierung. So dürften z.B. in keinem Fall falsche Erwartungen geweckt werden. Generell müsse die „Mensch-Maschine-Zusammenarbeit noch weitergehen“, um Erfolg und Nutzen zu bringen. Für letzteres gilt es derzeit auch Wege zu finden, Big Data und Smart Data, also große Datenmengen, in Daten zu verwandeln, die z.B. für personalisierte Medizin einsetzbar sind. „Viele Daten sind nicht zugleich viele Informationen“, gab Knebel zu bedenken.

Es muss sicher sein

Mit dem Thema Datensicherheit beschäftigen sich auch zahlreiche der insgesamt 451 Aussteller auf der conhIT. Darunter z.B. Fast LTA mit Sitz in München. „Es dürfen keine Daten verloren gehen, das ist unser Anspruch“, sagte Dimitri Iwlew, IT-System Manager bei Fast LTA. Beim Unternehmen werden deshalb alle kritischen Komponenten selbst entwickelt. Dazu gehört z.B. die Implementierung des Erasure Codings und eine dem herkömmlichen RAID überlegene Redundanzkodierung zum Schutz gegen Datenverlust. „Speicherprodukte von Fast LTA sind so sicher, dass keine weitere Absicherung durch ein Backup notwendig ist“, heißt es beim Unternehmen. Zu diesen topsicheren Speicherlösungen gehört z.B. der Langzeitspeicher Silent Cube auf Festplattenbasis.

Wichtiges Thema bei Ausstellern wie Secrypt, dem Deutschen Gesundheitsnetz, und medisign war auch die Umstellung auf den E-Arztbrief und die elektronische Signatur. Unternehmen wie SVA präsentierten Lösungen, die sich gerade im Praxiseinsatz bewähren und die Telemedizin voran bringen.

Die Technik ist bereit

Die generelle Ausrichtung der ausstellenden Unternehmen zeigte den rund 9.000 Fachbesuchern (Besucherrekord seit der ersten conhIT 2008) deutlich, dass die Weichen für die Digitalisierung gestellt sind. Es mangelt nicht an Ideen zur Nutzung von Technik für eine verbesserte Patientenversorgung sei es zu Hause durch Telemedizin oder vor Ort in der Klinik durch spielerische, alltagserleichternde Lösungen wie das mKiosk, bei dem Patienten und Mitarbeiter über eine App am Krankenhauskiosk Waren bestellen können.

Nun ist es an den Akteuren im Gesundheitswesen sich dieser anzunehmen und Forderungen zu stellen. Auch und v.a. was das Thema Datensicherheit anbelangt – Aussagen wie die von Enno Park sollten dabei auf gar keinen Fall unbedacht bleiben.

Bilderstrecke

In der HCM-Bildergalerie haben wir für Sie exklusives Bildmaterial mit einigen ausgewählten Ausstellern zusammengestellt. Darunter sind u.a. auch Cerner, 3M, Eizo, Oki oder die Telekom. Über die eine oder andere vorgestellte Innovation werden Sie in den nächsten Ausgaben von HCM mehr erfahren.

Die nächste conhIT 2017 findet vom 25. bis 17. April 2017 in Belrin statt.

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