DKG-Bürgerbefragung zur Krankenhausversorgung Erreichbarkeit und gute Personalausstattung sind zentrale Bürgerwünsche

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG) hat gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey eine Bürgerbefragung durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass die Bürgerinnen und Bürger den größten Handlungsbedarf in der Personalausstattung sehen.

Bürgerbefragung DKG
Die DKG-Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut Civey unter 5.000 Bürginnen und Bürgern vom 29. bis 31. August 2022 durchgeführt. – © picoStudio (stock.adobe.com)

„Grundsätzlich sehen wir, dass das Vertrauen in die deutschen Krankenhäuser extrem hoch ist. 86 Prozent der Befragten ist wichtig, bei einer Erkrankung im Urlaub zurück in ein Krankenhaus in Deutschland zu kommen. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass es bei der Zufriedenheit mit der Krankenhausversorgung deutliche Entwicklungspotenziale gibt. Besonders auffällig sind die regionalen Unterschiede, je niedriger die Bevölkerungsdichte und damit auch die Anzahl der Krankenhäuser in einer Region, desto geringer ist die Zufriedenheitsquote der befragten Bürgerinnen und Bürger“, erklärt der DKG-Vorstandsvorsitzende Dr. Gerald Gaß. Diese Zahlen müssten seiner Einschätzung nach der Politik zu denken geben, will sie den Grundsatz der gleichwertigen Lebensverhältnisse in Stadt und Land weiter aufrechterhalten. Sie müssten auch Maßstab für eine Krankenhausreform sein. „Gerade diese Unterschiedlichkeit innerhalb der Bundesländer zeigt, wie wesentlich die regionalen Besonderheiten in solchen Reformprozessen zu berücksichtigen sind. Ein kalter Strukturwandel (…) ist offensichtlich Sprengstoff für den sozialen Frieden. Dass aktuell die Krankenhaus-Expertenkommission ohne die Beteiligung der Bundesländer eine Blaupause für ganz Deutschland entwickelt, ist deshalb der falsche Weg“, mahnt Gaß.

Bürgerbefragung stellt Personalausstattung in den Vordergrund

Den größten Handlungsbedarf sehen die Bürgerinnen und Bürger bei der Personalausstattung. 41 Prozent der Befragten geben laut DKG an, dass zu wenig Zeit des Personals für die Patientinnen und Patienten das größte Problem im Gesundheitswesen ist. Zu lange Wartezeiten bei Arztterminen nennt jeder vierte Befragte, hingegen sagen nur 15 Prozent es seien zu hohe Krankenversicherungsbeiträge „Die Menschen sehen sehr deutlich, dass eine hochwertige Versorgung immer von der Personalfrage abhängt, in allen Sektoren. Deshalb ist es entscheidend, dass gesetzliche Maßnahmen das Personal von unnötigen bürokratischen Aufgaben entlasten sowie den Personalaufbau unterstützen und nicht konterkarieren“, sagt Gaß.

Wie aktuell das Thema ist, zeigt auch, dass jeder dritte Befragte bereit wäre mehr monatliche Beiträge an die Krankenversicherung zu bezahlen, wenn sich dadurch die Personalausstattung in deutschen Krankenhäusern verbessern würde. Gleichzeitig erwarten die Bürgerinnen und Bürger aber auch, dass ohne Kostensteigerungen mehr Personal beim Patienten ankommt. Entscheidend ist deshalb, das vorhandene Personal nicht weiter durch überflüssige Bürokratie zu belasten und somit die Zeit für die Patienten noch mehr zu vermindern. Es braucht hier also schnell eine deutliche Entbürokratisierung.

Erreichbarkeit der Krankenhausversorgung für Bürgerinnen und Bürger essenziell

Die Erreichbarkeit des Krankenhauses ist für die meisten Befragten eine zentrale Größe:

  • Mehr als 50 Prozent erwarten, ein Krankenhaus innerhalb von 20 Minuten erreichen zu können.
  • Für weitere 30 Prozent wäre eine Fahrzeit von maximal 30 Minuten noch akzeptabel.
  • Nur 15 Prozent der Befragten würden mehr als 30 Minuten bis zum nächsten Krankenhaus als angemessene Entfernung tolerieren.

Diese Zahlen müssen laut DKG Ansporn sein, bei der bevorstehenden Krankenhausreform eine ausgewogene Balance zwischen wohnortnaher Grundversorgung und Zentralisierung zu finden. Gerade die Unzufriedenheit in strukturschwachen Gebieten mit wenig Bevölkerung kann sonst zum sozialen Brennstoff werden.

Ein klares Nein sagen die Bürgerinnen und Bürger auf die Frage, ob sie deutlich weniger Krankenhäuser und gegebenenfalls längere Anfahrtswege akzeptieren würden, wenn dadurch ihre monatlichen Krankenkassenbeiträge für die GKV stabil gehalten werden könnten. Nur jeder fünfte Befragte würde ein solches Vorgehen der Politik unterstützen.

Bürgerbefragung zeigt, dass Krankenhäuser als zentrale Anlaufstelle für ambulante Notfälle gewünscht sind

Auch hinsichtlich der ambulanten Notfallversorgung gibt die Bürgerbefragung interessante Hinweise. In Notfällen verhalten sich die Bürgerinnen und Bürger sehr unterschiedlich, aber letztlich ist das Krankenhaus die Anlaufstelle. Mehr als 30 Prozent rufen beim Notfall, der nicht als lebensbedrohlich aber akut empfunden wird, den Notruf 112 und 13 Prozent gehen direkt in die Krankenhausambulanz. Insgesamt lassen diese Zahlen durchaus darauf schließen, dass es Lücken in der ambulanten Notfallversorgung jenseits des Krankenhauses gibt. Nicht umsonst wünschen sich deshalb weit mehr als die Hälfte – nämlich 55 Prozent –, dass Krankenhäuser die zentrale Anlaufstelle für ambulante Notfälle sein sollen. Es ist ein Auftrag an niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser mit guten Strukturen, die Versorgung gemeinsam sicherzustellen.

Defizite in der vertragsärztlichen Versorgung genannt

Dass der Fachkräftemangel und die Belastungen, die sich im Krankenhaus auswirken auch im niedergelassenen Bereich ihre Spuren hinterlassen, zeigt laut DKG auch, dass immer mehr Bürger und Bürgerinnen Defizite in der vertragsärztlichen Versorgung spüren. 78 Prozent haben schon lange auf einen Termin gerade beim Facharzt warten müssen. Fast genauso viele Befragte, nämlich 76 Prozent, wünschen sich, dass Krankenhäuser mehr ambulante fachärztliche Angebote unterbreiten dürfen. Das von der Regierungskommission vorgelegte Papier zu mehr Ambulantisierung sei ein richtiger Schritt.